# taz.de -- Sixt bleibt betriebsratsfreie Zone: Gewerkschaftern fristlos gekündigt
> Drei Mitarbeiter:innen hatten in Schleswig-Holstein zu einer
> Betriebsratswahl aufgerufen – und bekamen die Kündigung. Wie so oft bei
> Sixt.
(IMG) Bild: Gewerkschaftlicher Gegenwind ist für Sixt nichts Neues: Protestaktion von Verdi am Frankfurter Flughafen im Jahr 2022
Die Autovermietung Sixt hat drei Mitarbeitende entlassen, die im Begriff
waren, einen Betriebsrat zu gründen. Die drei hatten einen Aufruf zu einer
Wahlversammlung verfasst, ihn in der Flensburger Filiale ausgehängt und an
die weiteren drei Filialen in Schleswig-Holstein verschickt. Dann hatten
sie die Geschäftsführung gebeten, die für eine Wahl notwendigen Unterlagen
über die Mitarbeiterschaft bereitzustellen.
Doch die zitierte die drei zu Einzelgesprächen. In denen sei ihnen deutlich
gemacht worden, dass die Gründung eines Betriebsrats ein „Fehler“ sei und
Konsequenzen nach sich ziehen werde, heißt es in einer Pressemitteilung der
Gewerkschaft Verdi, der die drei Mitarbeitenden angehören. Demnach sei
ihnen gedroht worden, allen Beschäftigten, die sich an der Betriebsratswahl
beteiligen, werde gekündigt.
Drei Tage vor dem Termin für die Wahlversammlung wurden alle drei zu einem
weiteren Personalgespräch einbestellt. Danach wurden sie freigestellt und
mussten den Betrieb verlassen.
Am 20. Februar, einen Tag vor der geplanten Versammlung, erhielten alle
drei die Kündigung. Das Arbeitsverhältnis werde „außerordentlich und
fristlos aus wichtigem Grund“ per sofort beendet, heißt es in den
Schreiben. Worin dieser Grund bestehen soll, wird nicht näher ausgeführt.
## Betriebsratswahl ist ausgefallen
Die Gründung eines Betriebsrats ist damit bis auf Weiteres verhindert, denn
die drei Mitarbeitenden sind nach der Kündigung nicht mehr wahlberechtigt
und konnten daher auch nicht als Wahlvorstände kandidieren. Andere
Kandidat:innen fanden sich nicht.
Die drei Entlassenen wollen nun vor dem Arbeitsgericht gegen ihre Kündigung
klagen. Sie verlangen, wieder eingestellt zu werden. Darüber hinaus hat
Verdi bei der Staatsanwaltschaft Flensburg Strafanzeige gegen den
regionalen Geschäftsführer in Schleswig-Holstein, die betreffenden
Filialleiter und die Gesellschafter von Sixt gestellt – wegen Behinderung
von Betriebsratsarbeit sowie der Verhinderung demokratischer
Betriebsratswahlen.
„Wir werden all die Möglichkeiten einer Gewerkschaft gegen dieses Vorgehen
einsetzen“, sagt Verdi-Sekretär Sirko Hartmann. Dazu gehöre auch, gezielt
gegen diejenigen vorzugehen, „die unsere Mitglieder mutmaßlich unter Druck
gesetzt und bedroht haben“. Den Verantwortlichen müsse klar sein, „dass
hier keine Bagatellen vorliegen, sondern Straftaten, die mit
Freiheitsstrafen von bis zu einem Jahr geahndet werden können“.
Auch die SPD springt ihm bei: „Was bei Sixt in Schleswig-Holstein passiert
sein soll, ist kein rein betriebsinternes Problem. Es ist ein
Frontalangriff auf betriebliche Mitbestimmung!“, teilt der Flensburger
Landtagsabgeordnete Kianusch Stender mit. Er will das Thema in die nächste
Sitzung des Wirtschaftsausschusses einbringen.
Die Sixt-Pressestelle teilte auf taz-Anfrage mit: „Die von Verdi erhobenen
Vorwürfe weisen wir als nichtzutreffend zurück.“ Laufende
Rechtsstreitigkeiten wolle man „derzeit nicht weiter kommentieren“. Und
dann wird es doch noch grundsätzlich: „Es ist allein die Entscheidung
unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ob sie einen Betriebsrat möchten.
In geheimen Wahlen haben sie sich stets dagegen entschieden.“
Doch man darf nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre fragen, wie frei
sie in ihrer Entscheidung waren. Denn es ist nicht das erste Mal, dass Sixt
gegen die Gründung eines Betriebsrats rabiat vorgeht.
Das familiengeführte, börsennotierte Unternehmen mit Hauptsitz im
bayrischen Pullach hat bislang alle Versuche in diese Richtung unterbunden.
Auch in [1][Frankfurt, Düsseldorf] und Stuttgart hagelte es in den
vergangenen Jahren fristlose Kündigungen gegen Mitarbeiter:innen, die ein
Mitbestimmungsgremium gründen wollten – mit konstruiert wirkenden
Begründungen wie der, sie hätten eine Automiete zulasten der Firma falsch
gebucht oder seien zu spät zur Arbeit gekommen.
Das Düsseldorf Landesarbeitsgericht überzeugten sie nicht: Es
[2][verurteilte Sixt letztinstanzlich], drei Frauen nach ebenfalls
fristloser Kündigung wieder einzustellen. Sie hatten eine vom Gericht
angebotene Abfindung in Höhe von je 90.000 Euro ausgeschlagen.
## Juristischer Sieg, aber trotzdem kein Betriebsrat
Einen Betriebsrat gibt es in der Düsseldorfer Filiale dennoch bis heute
nicht. Denn nur kurz nach ihrem Sieg vor Gericht haben die drei [3][das
Unternehmen verlassen], freiwillig, wie es heißt. „Die Vermutung liegt
nahe, dass Sixt dafür tief in die Tasche gegriffen hat“, sagt
Gewerkschaftssekretär Tarim Özay, der den Fall damals betreut hatte. „Ich
bekam plötzlich Post von einem Anwalt, nach der sie keine Kontaktaufnahme
mehr wünschten.“ Sein Ziel habe Sixt auf jeden Fall erreicht.
In Frankfurt sei im Zusammenhang mit einem zweiten Versuch, einen
Betriebsrat zu gründen, zuletzt sieben Mitarbeiter:innen an einem Tag
fristlos gekündigt worden, sagt Özay. Klagen dagegen würden derzeit vor dem
Arbeitsgericht verhandelt.
Auch in Düsseldorf hatte Özay Strafanzeige gegen das Unternehmen gestellt,
die jedoch eingestellt wurde. „Der ehemalige Arbeitsminister Hubertus Heil
hatte einst angekündigt, man werde Unternehmen, die das Recht auf
Mitbestimmung missachten, mit der Staatsanwaltschaft bekannt machen“, sagt
Özay. Er habe solche Vergehen vom Antrags- zum Offizialdelikt hochstufen
wollen, sodass die Staatsanwaltschaften vor sich aus tätig werden müssten.
Dazu sei es wegen des Ampel-Aus nicht mehr gekommen.
Özay bleibt trotzdem kämpferisch: „Wir können doch den Leuten nicht sagen,
dass sie sich für die Demokratie engagieren sollen – und wenn sie im
Betrieb ihr Recht wahrnehmen wollen, werden sie unter Druck gesetzt.“ Er
hat ein Beispiel dafür, dass es in der Branche auch anders geht: „Der viel
kleinere Konkurrent Europcar hat sogar eine Gesamtbetriebsrats-Struktur“,
also praktisch den Goldstandard unter den Mitarbeitervertretungen. „Und das
funktioniert wunderbar.“
20 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Sixt-verhindert-Betriebsrat/!5816979
(DIR) [2] /Prozess-gegen-Sixt/!5890580
(DIR) [3] /Autovermieter-Sixt/!5906114
## AUTOREN
(DIR) Jan Kahlcke
## TAGS
(DIR) Betriebsrat
(DIR) Union Busting
(DIR) Gewerkschaft
(DIR) Verdi
(DIR) Strafanzeige
(DIR) Flensburg
(DIR) SPD Schleswig-Holstein
(DIR) Düsseldorf
(DIR) Tesla
(DIR) Flughafen Hamburg
(DIR) Verdi
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Betriebsratswahl bei Tesla in Grünheide: IG Metall verfehlt Mehrheit
Der erhoffte Sieg der IG Metall in Teslas einziger europäischer Fabrik
blieb aus. Die Gewerkschaft kritisiert den schmutzigen Wahlkampf vom
Management.
(DIR) Union Busting am Hamburger Flughafen: Gewerkschafter kaltgestellt
Ein Tochterunternehmen des Hamburger Flughafens stellt einen
gewerkschaftlich aktiven Mitarbeiter wochenlang frei – unrechtmäßig. Ist er
zu unbequem?
(DIR) Autovermieter Sixt: Doch kein Betriebsrat bei Sixt
Vor Gericht haben drei Düsseldorfer Mitarbeiterinnen das Recht auf
Mitbestimmung durchgesetzt. Nun sind sie für Verdi plötzlich nicht mehr
erreichbar.