# taz.de -- Parlamentswahl in Slowenien: Ein Machtwechsel scheint möglich
> An diesem Sonntag wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen regierenden
> Linksliberalen und Rechten erwartet. Siegt die Opposition, drohen
> gravierende Folgen.
(IMG) Bild: Robert Golob, der slowenische Premierminister spricht zum Abschluss seines Wahlkampfs am 20. März 2026 mit den Medien
In Slowenien, Musterland der Demokratie in Südosteuropa, finden an diesem
Sonntag Wahlen statt. Sie könnten weitgehende Auswirkungen auch auf die
politische Landschaft Europas haben. Den zwei Millionen Slowenen ist es bis
jetzt trotz aller Gegensätze gelungen, ein stabiles Land zu bleiben. Aber
nun geht es um eine Grundsatzentscheidung zwischen den proeuropäisch linken
und liberalen sowie [1][dem rechten Lager], das sich auch hier zunehmend
radikalisiert.
Brisanz erhalten die Wahlen überdies angesichts der aktuellen Politik von
Viktor Orbán, Ministerpräsident des Nachbarlandes Ungarn. Er lässt keine
Gelegenheit aus, um die Funktionsfähigkeit der europäischen Institutionen
auf die Probe zu stellen und mit seiner prorussischen und antiukrainischen
Position auch Einfluss im Nachbarland zu nehmen.
Orbán hat sich klar auf die Seite des slowenischen Ex-Premiers Janez Jansa
gestellt – Galionsfigur der Rechten in Slowenien. Jansa versucht seit fast
vier Jahrzehnten, die linken Kräfte im Lande zurückzudrängen. Doch bisher
gelang es immer wieder die Balance zu wahren.
Wenn an diesem Sonntag das 90-köpfige Parlament, der Državni zbor, gewählt
wird, muss eines der Lager mehr als 46 Sitze auf sich vereinigen, um eine
Mehrheit zu erreichen. [2][Nach der letzten Wahl 2022 errang der jetzige
Regierungschef Robert Golob von der Freiheitsbewegung (Gibanje Svoboda)
einen Sieg]. Er bildete mit den Sozialdemokraten (Socialni demokrati SD)
und der Linken (Levica) – einer linkssozialistischen und ökologischen
Partei – eine Koalition und konnte sich auf komfortable 53 Parlamentssitze
stützen.
## Enges Rennen
Doch bei den Wahlen am Sonntag könnte sich das ändern. Laut Umfragen hat
sich das Kräfteverhältnis verschoben. Denn die Opposition, vor allem die
Slowenische Demokratische Partei (SDS) von Janez Jansa, liegt in einigen
Umfragen vorn. Analysten sagen ein enges Rennen zwischen Jansas SDS und
Golobs Freiheitsbewegung (GS) voraus, wobei voraussichtlich keines der
beiden Lager eine Mehrheit im 90-Sitze-Parlament gewinnen wird.
Golobs GS hat an Popularität verloren. Versprechen, öffentliche
Dienstleistungen oder das Gesundheitswesen zu verbessern, blieben
unerfüllt. Jansa hat hingegen angekündigt, Golobs inländische Agenda zu
überarbeiten. So sollen Steuererleichterungen für Unternehmen eingeführt
sowie Mittel für die Zivilgesellschaft, die Wohlfahrt und die Medien
gekürzt werden.
Doch das allein würde nicht ausreichen, um die Regierung zu stürzen. Unter
Golob ist Slowenien eines der wenigen europäischen Länder geworden, die
einen unabhängigen palästinensischen Staat anerkennen. Mehr noch: Golob
verhängte im vergangenen Jahr inmitten der Gaza-Bombardierung ein
Waffenembargo gegen Israel. Die Entscheidung stieß auf Kritik aus den USA
und Israel, aber auch vieler Europäer.
## Hitziger Wahlkampf
Diese Politik wurde auch im Wahlkampf zum Thema. Dem proisraelischen Jansa
als Verbündetem von Viktor Orbán gibt dies die Chance, den Kurs der
aktuellen Regierung zu kritisieren und sich Trump und dessen aus Slowenien
stammender Ehefrau Melania anzudienen.
Der Wahlkampf wurde in diesem Monat hitzig, auch als verdeckte Videos einer
anonymen Website veröffentlicht wurden, die angeblich korrupte
Machenschaften der Regierung aufdeckten. Jansa hingegen soll nach
Medienberichten Kontakte zum israelischen Geheimdienst unterhalten, der
indirekt in den Wahlkampf eingegriffen habe. Die Wahlen in Slowenien
entscheiden über mehr als nur die Bildung einer neuen Regierung im kleinen
Alpenstaat.
22 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Neue-Praesidentin-in-Slowenien/!5892104
(DIR) [2] /Wahlen-in-Slowenien/!5847036
## AUTOREN
(DIR) Erich Rathfelder
## TAGS
(DIR) Slowenien
(DIR) Parlamentswahl
(DIR) Janez Jansa
(DIR) Slowenien
(DIR) Ehe für alle
(DIR) Janez Jansa
(DIR) Viktor Orbán
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Parlamentswahl in Slowenien: Knapp am Rechtsruck vorbeigeschrammt
Die linksliberale Regierungspartei von Robert Golob entscheidet die Wahl
knapp für sich. Jetzt stehen komplizierte Koalitionsverhandlungen bevor.
(DIR) Ehe für alle in Slowenien: Der lange, quälende Weg zum Recht
Fast wäre Slowenien bei der Ehe für alle schneller gewesen als Deutschland.
Dank des Verfassungsgerichts sind sie immerhin erstes Land in „Osteuropa“.
(DIR) EU-Ratspräsidentschaft Sloweniens: Ärger ist vorprogrammiert
Slowenien übernimmt die Ratspräsidentschaft. Premier Janez Janša ist auf
Rechtskurs, die Entwicklung hat eine Vorgeschichte.
(DIR) Regierungsbildung in Slowenien: Orbán-Freund bald wieder im Amt
Der rechtskonservative Politiker Janez Janša war in Korruptionsskandale
verstrickt. Jetzt soll er eine neue Mitte-Rechts-Regierung bilden.