# taz.de -- Bluttests bei Schwangeren: „Weit über Risikofälle hinaus“
> Mit Gentests kann untersucht werden, ob ein Kind mit Downsyndrom auf die
> Welt kommen könnte. Werden die Einzelfalltests zur Regel?
(IMG) Bild: Kleiner Bluttest, große Folgen
dpa | Der Bundestag hat über die Lage bei Bluttests für Schwangere auf ein
Downsyndrom des Kindes debattiert. In der sachlich geführten Aussprache
warben Abgeordnete einer fraktionsübergreifenden Gruppe für eine
Initiative, die auf eine genauere Beobachtung der Umsetzung zielt. „Was
ursprünglich als gezielte Untersuchung gedacht war, entwickelt sich
zunehmend zu einem flächendeckenden Screening“, sagte der
CSU-Gesundheitspolitiker Stephan Pilsinger. Ein auffälliger Testbefund sei
aber keine Diagnose, sondern eine Wahrscheinlichkeitsaussage. Sie setze
viele werdende Eltern unter Druck.
Die Tests, die risikoloser als seit Längerem übliche
Fruchtwasseruntersuchungen sind, können [1][seit 2022 unter bestimmten
Voraussetzungen] von der Kasse bezahlt werden. Konkret sieht ein Antrag der
Gruppe vor, die Bundesregierung zu einem Monitoring aufzufordern, um zu
belastbaren Daten zu kommen. Außerdem solle ein Expertengremium eingesetzt
werden, das rechtliche, ethische und gesundheitspolitische Grundlagen der
Kassenzulassung prüft.
Der CDU-Abgeordnete Michael Brand sagte, es seien aus gutem Grund klare
Einschränkungen vorgesehen worden. Die Anwendung der Tests sei aber weit
über Risikofälle hinaus deutlich angestiegen. Dem Antrag gehe es jetzt um
mehr Informationen. SPD-Fraktionsvize Dagmar Schmidt sagte, es dürfe nicht
sein, dass systematisch nach Menschen mit einer Trisomie gescreent und dann
empfohlen und beraten werde, das Kind nicht zu bekommen.
Mareike Hermeier (Die Linke) sagte in der Debatte, die ohne sonst übliche
Fraktionslinien verlief, der Test drohe stillschweigend zur Norm zu werden.
Die Rechte Schwangerer und die Würde von [2][Menschen mit Behinderungen]
dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden.
## Selbstbestimmte Entscheidungen von Eltern
Die Grünen-Abgeordnete Paula Piechotta argumentierte: „Wir können die
gesellschaftliche Akzeptanz von Menschen mit Behinderungen nicht darüber
herstellen, dass wir der einzelnen Frau Selbstbestimmung nehmen.“ Martin
Sichert (AfD) sagte, Eltern hätten jedes Recht der Welt, sich auf das Kind
vorzubereiten. Dazu gehöre, alle Informationen bekommen zu können. Der Test
auf Kassenkosten verhindere auch späte Abbrüche, indem Eltern früh in der
Schwangerschaft eine selbstbestimmte Entscheidung treffen könnten.
Bei einem [3][Downsyndrom] haben Menschen in jeder Zelle ein Chromosom
mehr. Das Chromosom 21 ist dreifach vorhanden, daher die Bezeichnung
Trisomie 21. Folgen sind körperliche Auffälligkeiten und eine verlangsamte
motorische, geistige und sprachliche Entwicklung. Die Ausprägungen sind
aber sehr unterschiedlich.
Über den Antrag soll nun zunächst in den Ausschüssen beraten werden. Die
Abgeordnetengruppe hatte schon 2024 in der vergangenen Wahlperiode eine
solche Initiative eingebracht. Dann kam es aber zur vorzeitigen Auflösung
des Parlaments nach dem Bruch der Ampel-Koalition.
20 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Debatte-ueber-Praenataltests-im-Bundestag/!6003386
(DIR) [2] /Menschen-mit-Behinderung/!t5017254
(DIR) [3] /Down-Syndrom/!t5012501
## TAGS
(DIR) Schwangerschaft
(DIR) Gesundheit
(DIR) Trisomie 21
(DIR) Leben mit Behinderung
(DIR) Menschen mit Behinderung
(DIR) Schwerpunkt Abtreibung
(DIR) Inklusion
(DIR) Familie
(DIR) Trisomie 21
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Pränataltests auf Downsyndrom: Es geht nicht um Behindertenrechte
Abgeordnete wollen die Folgen der Kassenzulassung des Trisomien-Bluttests
untersuchen lassen. Sie glauben, es fehle an Beratung. Das ist falsch.
(DIR) Pränataltests auf das Downsyndrom: Trügerischer Bluttest
Seit Juli zahlen die Krankenkassen einen Pränataltest auf das Downsyndrom.
Welche Folgen hat das für die Schwangeren?
(DIR) Test auf Downsyndrom bei Schwangeren: Ein Tröpfchen Blut
Liv kam mit Trisomie zur Welt. Die Mutter würde wieder so entscheiden –
andere Frauen nicht. Werden Menschen mit Beeinträchtigung künftig
aussortiert?