# taz.de -- Politische Gefangene in Belarus: 250 gerettete Leben
> Die USA vermitteln die Freilassung von 250 politischen Gefangenen. Im
> Gegenzug hebt Washington Sanktionen gegen das Regime in Minsk auf.
(IMG) Bild: Der aus Belarus freigelassene Häftling Eduard Palchys am Donnerstag nach seiner Ankunft im litauischen Vilnius
Für 250 Personen, die aus politischen Gründen in belarussischen
Gefängnissen und Straflagern einsaßen, hat das jahrelange Martyrium ein
Ende: Am Donnerstag dieser Woche kamen sie frei. 15 von ihnen wurden
umgehend nach Litauen verbracht, alle anderen bleiben in Belarus.
Unter den Freigelassenen ist auch Kazjaryna Andreewa. Die Journalistin
hatte für den polnischen TV-Sender Belsat gearbeitet, der sich an ein
belarussisches Publikum wendet. Andreewa und eine ihrer Kolleginnen waren
im November 2020 festgenommen worden.
Zuvor hatten sie in Minsk eine Protestveranstaltung nebst eigenen
Kommentaren gestreamt. Die Demonstrant*innen hatten ihre Solidarität
mit einem jungen Mann bekundet, der einige Tage zuvor an den Folgen eines
brutalen Polizeieinsatzes gestorben war. Zunächst wurde Andreewa zu zwei
Jahren Haft verurteilt. 2022 folgte eine weitere Verurteilung wegen
Hochverrats zu acht Jahren.
Eingefädelt hatte die Freilassung der politischen Gefangenen am Donnerstag
John Coale, der Sonderbeauftragte für Belarus des US-Präsidenten Donald
Trump. Coale hatte mit einer Delegation dem autoritären belarussischen
Langzeitherrscher Alexander Lukaschenko einen Besuch abgestattet. Coale
sprach von einem bedeutenden humanitären Meilenstein und einem Beweis für
das Engagement von Präsident Trump für eine direkte, kompromisslose
Diplomatie.
## Nur für eine Gegenleistung
Doch Lukaschenko wäre nicht Lukaschenko, würde er sich seine Begnadigungen
nicht teuer bezahlen lassen. Denn im Gegenzug für diese „äußerst
menschliche Geste“ werden die USA weitere Sanktionen gegen Belarus
aufheben. Diese waren nach dem Beginn von Russlands vollumfänglichem
Angriffskrieg gegen die Ukraine verhängt worden.
Künftig nicht mehr auf der schwarzen Liste stehen die Belinvestbank, die
Bank für Entwicklung von Belarus sowie das belarussische Finanzministerium.
Auch das Unternehmen Belaruskali, einer der größten Kaliproduzenten der
Welt, ist offensichtlich wieder komplett satisfaktionsfähig.
Der jüngste Deal zwischen den USA und Belarus ist nicht der erste seiner
Art. Bereits im vergangenen September und Dezember waren jeweils politische
Gefangene freigekommen. Im September hatte Washington Lukaschenkos
Entgegenkommen mit der Aufhebung von Strafmaßnahmen gegen die staatliche
belarussische Fluggesellschaft Belavia sowie den Geschäftsjet Bombardier
Challenger 850 belohnt. Den Flieger nutzen die Familie Lukaschenkos sowie
hochrangige belarussische Beamte.
Laut Franjak Wjatschorka, Berater der im litauischen Exil lebenden
Oppositionspolitikerin Swetlana Tichanowskaja, verspricht sich Lukaschenko
von den Kontakten zu den USA die Aufhebung einiger Sanktionen und einen
Ausweg aus der Isolation. Für ihn seien diese Kontakte überlebenswichtig.
## Terror und Repression
Lukaschenko hoffe, seine Position durch den Austausch politischer
Gefangener gegen Zugeständnisse verbessern zu können. Es sei jedoch noch zu
früh, von einem Systemwandel zu sprechen. Terror und Repression dauerten
an, sagte Wjatschorka gegenüber dem russischen Nachrichtenportal
insider.ru.
Zu den befreiten politischen Gefangenen gehörte im vergangenen auch
[1][Ales Beljatzki, Leiter der belarussischen Menschenrechtsorganisation
Vjasna (Frühling). 2022 wurde er und zwei weitere Organisationen mit dem
Friedensnobelpreis ausgezeichnet.]
Beljatzki gießt reichlich Wasser in den Wein. „Die Gespräche zwischen Minsk
und Washington erinnern an Verhandlungen mit Terroristen, wenn Geiseln im
Spiel sind. In der Tat befinden sich unsere politischen Gefangenen in einer
ähnlichen Situation“, sagte der 63-Jährige am Donnerstag gegenüber Radio
Freies Europa.
Seine Organisation erhalte weiterhin Informationen über neue Verhaftungen,
Misshandlungen und lange Haftstrafen für Journalist*innen. Unabhängige
Organisationen in Belarus würden als extremistisch gebrandmarkt, darunter
auch Vjasna. „Der gesamte unabhängige zivilgesellschaftliche Sektor wurde
aus Belarus vertrieben. Daher ist ein Ende der Repression eine notwendige
Voraussetzung, um die Sanktionen aufzuheben. Alles andere wäre unklug“,
sagte Beljatzki.
Es ist übrigens ein offenes Geheimnis, dass sich nach der Freilassung von
Gefangenen Plätze in belarussischen Gefängnissen sofort wieder füllen.
[2][So hält Lukaschenko immer ein Faustpfand bereit, um westlichen Staaten
Konzessionen abtrotzen zu können]. Laut Angaben von Vjasna am Freitag gibt
es in Belarus derzeit 1.113 politische Gefangene.
20 Mar 2026
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