# taz.de -- Zinsentscheide: EZB und Fed trotzen den Energiepreisen
> Die Leitzinssätze der Europäischen Zentralbank und der US-amerikanischen
> Federal Reserve bleiben stabil. Was das für die Inflation bedeutet.
(IMG) Bild: EZB-Präsidentin Christine Lagarde: Einer neuen Projektion der Zentralbank zufolge könnte die Teuerung der Verbraucherpreise im Euroraum in diesem Jahr 2,6 Prozent erreichen
afp/rtr | Auch im Angesicht der gestiegenen Energiepreise durch den
Irankrieg hält die Europäische Zentralbank (EZB) vorerst weiter an ihrem
abwartenden Kurs fest. Die Leitzinssätze bleiben unverändert, wie die
Zentralbank am Donnerstag in Frankfurt am Main mitteilte. Zugleich hob die
EZB hervor, dass sich der Krieg im Nahen Osten durch höhere Energiepreise
erheblich auf die kurzfristige Inflation auswirken könnte.
Einer neuen Projektion der Zentralbank zufolge könnte die Teuerung der
Verbraucherpreise im Euroraum in diesem Jahr 2,6 Prozent erreichen. Die
mittelfristigen Auswirkungen des Krieges hingen gleichwohl „sowohl von der
Intensität und Dauer des Konflikts“ ab als auch davon ab, wie sich die
[1][Energiepreise auf die Verbraucherpreise und die Wirtschaft auswirken],
erklärte die EZB.
Der EZB-Rat sei gut aufgestellt, um auf die durch den Krieg vergrößerte
Unsicherheit reagieren zu können, erklärte die Zentralbank weiter und
verwies darauf, dass die Inflation im Euroraum zuletzt nahe des
2-Prozent-Ziels lag und sich die Wirtschaft als widerstandsfähig erwiesen
habe. Zugleich beobachte die EZB die Lage aufmerksam.
Bereits bei ihren fünf vorangegangenen Zinsentscheidungen im Juli,
September, Oktober, Dezember und Anfang Februar hatte die EZB die Zinssätze
nicht weiter abgesenkt, die zur Eindämmung der Inflation zuvor erst
deutlich angehoben und dann ab Juni 2024 wieder schrittweise abgesenkt
worden waren.
## Fed stellt Zinssenkung im Laufe des Jahres in Aussicht
Mit der Entscheidung des EZB-Rates vom Donnerstag liegt der auch für
Sparer:innen wichtige Einlagenzins bei unverändert 2,0 Prozent, der
Hauptrefinanzierungssatz, zu dem sich Geschäftsbanken Geld von der EZB
leihen können, bleibt bei 2,15 Prozent und der Leitzinssatz zur
kurzfristigen Beschaffung von Geld, der Spitzenrefinanzierungssatz, bei
2,40 Prozent.
Am Mittwoch hatte auch die US-Notenbank Federal Reserve verkündet, den
geldpolitischen Schlüsselsatz in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent zu
halten. Es ist die zweite Pause in Folge, nachdem die Fed die Zinsen im
vorigen Jahr dreimal gesenkt hatte.
In ihrem Zinsausblick hielten die Währungshüter nun zugleich an der bereits
im Dezember signalisierten Option fest, im Laufe des Jahres die Zinsen um
einen Viertelpunkt zu senken. Notenbankchef Jerome Powell betonte, dass
dieser Ausblick in [2][Zeiten des Ölpreisschocks] mit Vorsicht zu genießen
ist, da er mit außergewöhnlich großer Unsicherheit verbunden sei.
„Höhere Energiepreise werden kurzfristig die Gesamtinflation anheizen, aber
es ist noch zu früh, um Ausmaß und Dauer der potenziellen Auswirkungen auf
die Wirtschaft abzuschätzen“, räumte Powell ein. Die Geldpolitik sei „gut
aufgestellt“.
„Die Ungewissheit über die [3][Auswirkungen des Irankriegs] auf die ohnehin
noch erhöhte Inflation erschwert der Notenbank ihren Job“, sagte Elmar
Völker, Ökonom der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Bleibe es bei einem
zeitlich eng begrenzten Energiepreisschock, dann dürfte die Fed durch
diesen „hindurchschauen“. Powell betonte, dies sei davon abhängig, dass die
Inflationserwartungen beim mittelfristigen Ziel der Notenbank von 2 Prozent
verankert blieben.
19 Mar 2026
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