# taz.de -- Vergewaltigungsprozess in Norwegen: Staatsanwaltschaft fordert sieben Jahre Haft für Høiby
> Die Anklage fordert eine lange Haftstrafe für den Sohn der norwegischen
> Kronprinzessin. Es geht um vier Vergewaltigungsvorwürfe sowie häusliche
> Gewalt.
(IMG) Bild: Staatsanwaltschaft fordert jahrelange Haft für Marius Borg Høiby, den Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit
dpa | Im Prozess gegen den ältesten Sohn der norwegischen Kronprinzessin
hat die Staatsanwaltschaft in Oslo sieben Jahre und sieben Monate Haft
[1][für Marius Borg Høiby] gefordert. Die Zeit, die Høiby bereits in der
Untersuchungshaft verbracht hat, soll von der Haftstrafe abgezogen werden.
Dabei handelt es sich nach Aussage der Staatsanwaltschaft um bislang 63
Tage. Außerdem verlangte die Anklage zum Schluss ihres Plädoyers am
Mittwoch ein zweijähriges Kontaktverbot gegenüber einer Ex-Freundin.
Staatsanwalt Sturla Henriksbø forderte, Mette-Marits Sohn in 39 von 40
Anklagepunkten zu verurteilen. Lediglich für einen Verstoß gegen ein
Kontaktverbot solle Høiby freigesprochen werden. In diesem Fall soll er
seine Ex-Freundin trotz des Verbots versehentlich angerufen haben.
Mette-Marits Sohn ist unter anderem [2][in vier Fällen von Vergewaltigung
nach norwegischem Recht angeklagt]. In drei Fällen soll er Frauen im
Genitalbereich berührt haben. In einem Fall soll es zur Penetration mit dem
Penis gekommen sein. „Vergewaltigung kann tiefe Spuren hinterlassen und
Leben zerstören“, sagte der Staatsanwalt laut der norwegischen Zeitung
Verdens Gang. Während der mutmaßlichen Taten sollen die Frauen geschlafen
beziehungsweise einen Blackout gehabt haben.
Høiby soll sie dabei gefilmt haben. Foto- und Videoaufnahmen auf den Handys
des Norwegers spielten im Prozess deshalb eine wichtige Rolle. Mit drei der
Frauen soll der Angeklagte vor den mutmaßlichen Taten länger freiwilligen
Sex gehabt haben – das sollte sich strafmildernd auswirken, sagte
Staatsanwalt Henriksbø.
## Aggressionsprobleme und Alkohol
Verantworten muss sich der 29-Jährige auch wegen zahlreicher Fälle
häuslicher Gewalt gegen zwei Ex-Freundinnen. Ein Vorfall in der Wohnung
einer der beiden hatte die Ermittlungen gegen den norwegischen
„Bonus-Prinzen“ ins Rollen gebracht. Dort soll Høiby seine damalige
Freundin, von norwegischen Medien nach dem Osloer Stadtteil „Frogner-Frau“
genannt, unter anderem gewürgt, einen Kronleuchter von der Wand gerissen
und darauf herumgetrampelt sowie ein Messer in die Wand geworfen haben.
Die Beziehung der beiden war laut Anklage von Høibys „Aggressionsproblem“
geprägt: Vor allem im Rausch habe der Norweger die Beherrschung verloren,
sei eifersüchtig gewesen und gewalttätig geworden. Seine Ex-Freundin hatte
ihn im Prozess in diesen Situationen mit dem „Hulk“ verglichen – einer
Comicfigur, die sich bei Wut in ein unkontrollierbares Wesen verwandelt.
Während der Ermittlungen hatten die beiden den Kontakt wieder aufgenommen
und sich vor Prozessbeginn fast täglich gesehen oder gesprochen. Auch
deshalb soll Høiby ein ihm auferlegtes Kontaktverbot regelmäßig gebrochen
haben. Auf die „Frogner-Frau“ bezieht sich die Hälfte der 40 Anklagepunkte.
## Anklage: Frauen sind glaubwürdiger als Høiby
Neben den Sexual- und Gewalttaten werden dem Sohn der Kronprinzessin und
Stiefsohn von Kronprinz Haakon einige weniger schwere Vergehen vorgeworfen.
Er soll etwa zu schnell gefahren sein und Polizisten den Stinkefinger
gezeigt haben. Für einen Dealer soll er mindestens 3,5 Kilo Marihuana
transportiert haben. Während er einige der Taten zugibt, bestreitet Høiby
unter anderem die Vergewaltigungen.
Staatsanwalt Sturla Henriksbø hatte den mutmaßlichen Opfern in seinem
Plädoyer eine größere Glaubwürdigkeit zugesprochen als Høiby. Dieser hatte
während des sechs Wochen langen Prozesses häufig angegeben, sich nicht
genau erinnern zu können.
Der Angeklagte habe nicht nur mangelnden Respekt für Normen und Regeln
gezeigt, sondern auch, dass er in Beziehungen unterschiedliche Maßstäbe für
sich selbst und andere anlege, sagte Henriksbø diese Woche laut Verdens
Gang.
Während der Sohn der norwegischen Kronprinzessin sich am vergangenen
Freitag selbst als „Monster“ in der öffentlichen Wahrnehmung und
„Hassobjekt von ganz Norwegen“ bezeichnet hatte, hatte der Staatsanwalt in
seinem Plädoyer klargestellt, dass Høiby ein Mensch wie jeder andere sei
und nicht dafür bestraft werden solle, wer er sei, sondern was er getan
habe.
## Høiby macht Medien für schwierige Kindheit verantwortlich
Mette-Marits Sohn hatte während der vergangenen Wochen immer wieder darüber
gesprochen, wie sehr es ihn seit seiner frühen Kindheit belastet habe,
unfreiwillig in der Öffentlichkeit zu stehen. Høiby war noch ein Kleinkind,
als seine Mutter den norwegischen Kronprinzen Haakon heiratete. Mehrfach
klagte Høiby die Presse bitter dafür an, ihn verfolgt und bloßgestellt zu
haben, während er seine Mutter und seinen Stiefvater Haakon in Schutz nahm.
Den Prozess musste der 29-Jährige ohne seine Familie durchstehen: Das
Kronprinzenpaar sowie Høibys Halbgeschwister, Prinzessin Ingrid Alexandra
und Prinz Sverre Magnus, blieben der Verhandlung fern. Die Vorwürfe gegen
den „Bonus-Prinzen“ sind nicht der einzige Skandal, der die norwegische
Königsfamilie derzeit belastet. Mette-Marit muss seit Wochen harte Kritik
wegen ihrer engen Freundschaft mit dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein
einstecken.
Außerdem hat sich ihr Gesundheitszustand noch einmal verschlechtert, wie
der norwegische Hof am Dienstag mitteilte. Die Kronprinzessin leidet unter
einer seltenen Form der chronischen Krankheit Lungenfibrose und braucht auf
Sicht eine neue Lunge. Seit Ende Januar hat sich die 52-Jährige nicht mehr
in der Öffentlichkeit gezeigt.
Die Lage für die Royals dürfte sich absehbar nicht entspannen: Die Norweger
warten immer noch darauf, dass sich ihre Kronprinzessin ausführlich zu
ihrem Epstein-Kontakt erklärt. Und in einigen Monaten wird das Urteil gegen
Marius Borg Høiby erwartet. Dann wird sich zeigen, ob das Gericht dem
Wunsch der Staatsanwaltschaft nachkommt und ihn für lange Zeit hinter
Gitter bringt.
18 Mar 2026
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