# taz.de -- Kongos Präsident wiedergewählt: Denis Sassou-Nguesso hat noch lange nicht fertig
       
       > Seit 1979, mit kurzer Unterbrechung, herrscht Denis Sassou-Nguesso in
       > Brazzaville. Nun wurde er mit offiziell 95 Prozent der Stimmen im Amt
       > bestätigt.
       
 (IMG) Bild: Denis Sassou-Nguesso nach seiner Stimmabgabe in Brazzaville, 15. März
       
       Dass [1][Denis Sassou-Nguesso] die Wahlen in [2][Kongo-Brazzaville
       (Republik Kongo)] am vergangenen Sonntag gewinnen würde, stand außer Frage.
       Eine Stichwahl, theoretisch vorgesehen, war gar nicht erst angesetzt. „Ich
       werde gewinnen“, sagte der Staatschef zum Auftakt seines Wahlkampfes. Am
       Dienstagabend bestätigte die Wahlkommission in Brazzaville den Sieg des
       83-Jährigen mit 94,82 Prozent der Stimmen, so viele wie noch nie seit
       Einführung des Mehrparteiensystems.
       
       Seit 1979, mit einer kurzen Unterbrechung, ist Sassou-Nguesso an der Macht
       in seinem Staat am Kongo-Fluss, der zuweilen mit der wesentlich größeren
       [3][Demokratischen Republik Kongo] am anderen Flussufer verwechselt wird.
       Frankreich und Belgien teilten damals das tropische Kongo-Waldbecken unter
       sich auf.
       
       Die Kolonialsiedlung Brazzaville, Hauptstadt des riesigen bis zur Grenze
       Libyens reichenden [4][Französisch-Äquatorialafrika], wurde nach der
       Unabhängigkeit 1960 Hauptstadt der südlichsten Regenwaldprovinz Kongo, wo
       kaum jemand lebte. Noch heute sind es nur sechs Millionen Menschen,
       mehrheitlich in Brazzaville oder der Ölhafenmetropole Pointe-Noire
       ansässig, die Wirtschaft hängt am Tropf des Öls, das Land ist Urwald oder
       liegt brach, die Hälfte der Bevölkerung lebt in Armut.
       
       Denis Sassou-Nguesso ist einer der letzten kolonial geschulten Präsidenten
       in Afrika. Seine Militärausbildung absolvierte der 1943 Geborene noch in
       Frankreichs Kolonialarmee in Algerien, als junger Soldat kehrte er in die
       Heimat zurück und beteiligte sich dort an allen Militärputschen ab 1968,
       bis er 1979 ganz oben landete. Sein Land hieß jetzt „Volksrepublik Kongo“
       und es regierte die marxistisch-leninistische Einheitspartei [5][PCT
       (Kongolesische Arbeiterpartei)], die nach außen Loyalität zur Sowjetunion
       und nach innen „wissenschaftlichen Sozialismus“ predigte.
       
       ## Gelebter Irrsinn
       
       Aber in Wahrheit war das neokoloniale Ausbeutungssystem intakt. Frankreichs
       staatlicher Ölkonzern Elf hielt Kongos Wirtschaft am Laufen, an der Treue
       des Militärdiktators zu Paris bestand nie ein Zweifel. Die „Volksrepublik
       Kongo“ war gelebter Irrsinn und brachte in Brazzaville eine blühende
       satirische Literatur in tropisch gewürztem Französisch hervor, zu Unrecht
       in Vergessenheit geraten.
       
       Der heute bekannteste kongolesische Schriftsteller [6][Alain Mabanckou]
       sagte vor zehn Jahren aus seinem französischen Exil über sein Heimatland:
       „Ich bleibe hier, solange dort Barbaren und Folterer regieren.“ Denn der
       Realsozialismus ist zwar längst vorbei, Sassou-Nguessos Herrschaft aber
       nicht.
       
       Er musste zwar Anfang der 1990er-Jahre die „Volksrepublik“ abschaffen und
       verlor 1992 die ersten freien Wahlen mit 17 Prozent. Aber nur fünf Jahre
       später kämpfte er sich als Warlord zurück. Als er den von ihm selbst
       angezettelten Bürgerkrieg [7][brutal gewonnen] hatte, läutete der
       Kriegsherr eine zweite Demokratisierung ein, diesmal ohne Risiko. Mit 89,4
       Prozent der Stimmen wurde er 2002 als ziviler Präsident gewählt.
       
       Dabei ist es seitdem geblieben. Und dieses Jahr habe Sassou erstmals sein
       Ergebnis von 2002 übertroffen – sagt jedenfalls die Wahlkommission. Sie
       gibt auch die Wahlbeteiligung mit imposanten 84,65 Prozent an. Die
       Wahlbeteiligten müssen systematisch alle Wahllokale gemieden haben, wo
       Journalisten zugegen waren, denn die stellten am Sonntag größtenteils
       gähnende Leere fest. Vorsichtshalber hatten die Behörden Internet und
       Telefon abgeschaltet, damit das Volk sich auf das Wählengehen konzentrieren
       konnte.
       
       „Diese Ergebnisse beweisen, dass das Volk ihn liebt“, erklärte die
       Jugendliga der PCT, die immer noch mit roten Fahnen auftritt. Der Sieger
       bleibt großherzig. „Wir werden nicht ewig an der Macht bleiben“, versprach
       Denis Sassou-Nguesso vor der Wahl in einem Interview. Er spricht von sich
       immer im Pluralis Majestatis.
       
       18 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Denis_Sassou-Nguesso
 (DIR) [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Republik_Kongo
 (DIR) [3] /Schwerpunkt-Demokratische-Republik-Kongo/!t5007877
 (DIR) [4] https://de.wikipedia.org/wiki/Franz%C3%B6sisch-%C3%84quatorialafrika
 (DIR) [5] https://pct.cg/
 (DIR) [6] https://en.wikipedia.org/wiki/Alain_Mabanckou
 (DIR) [7] /Geplanter-Voelkermord-neben-dem-Kongo-Fluss/!1307794
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominic Johnson
       
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