# taz.de -- Erstaufnahme in Schleswig-Holstein: Land legt Geflüchtete in private Hände
       
       > Schleswig-Holstein entzieht dem Deutschen Roten Kreuz den Auftrag, zwei
       > Erstunterkünfte für Geflüchtete zu betreuen. Die Organisation will
       > klagen.
       
 (IMG) Bild: In Zukunft wohl ohne das Deutsche Rote Kreuz: Geflüchtetenunterkunft in Bad Segeberg
       
       Sie verteilen Kleidung an Familien, spielen und basteln mit den Kindern,
       bieten Sportkurse an für die Erwachsenen und helfen ihnen bei Fragen zu
       ihren Asylverfahren. Seit 2025 betreuen [1][Teams des Deutschen Roten
       Kreuzes (DRK)] die Geflüchteten, die in den Erstunterkünften des Landes
       Schleswig-Holstein in Boostedt bei Neumünster und [2][Bad Segeberg]
       untergebracht sind.
       
       Jetzt aber soll ein neuer Träger die Aufgaben übernehmen. Den Zuschlag hat
       ein privater Anbieter bekommen. Das DRK warnt: Gewachsene Kontakte würden
       wegbrechen, die Betreuung könnte schlechter werden. Das Land verweist auf
       die Vorgaben des Vergaberechts: Das DRK komme aus „objektiven Gründen“
       nicht mehr zum Zug.
       
       In jeder der sieben Flüchtlingsunterkünfte des Landes kümmert sich ein
       Anbieter sozialer Dienste um Freizeit- und Bildungsprogramme sowie Beratung
       für die dort lebenden Menschen. In der Vergangenheit erhielten neben dem
       DRK auch die Johanniter und die Malteser die Zuschläge.
       
       Nun liefen für die Unterkünfte in Boostedt und Bad Segeberg die Verträge
       aus. Das Land sei verpflichtet, solche Aufträge regelmäßig neu
       auszuschreiben, sagt Patrick Tiede, Sprecher der [3][Sozialministerin
       Aminata Touré (Grüne)]. „Dabei gibt es keine politischen
       Entscheidungsspielräume.“
       
       ## Der neue private Träger kommt aus Berlin
       
       Wenn sich mehrere Anbieter melden, vergibt die Vergabestelle des Landes
       nach einem bestimmten Schema Punkte. Eine Rolle spielen dabei Kostengründe,
       aber auch die Qualität der Leistungen. Die Anbieter mit den meisten Punkten
       werden dann zu weiteren Gesprächen eingeladen. In diesem Fall hat nach Ende
       des Verfahrens [4][die „Hero Group“] den Auftrag bekommen.
       
       Dahinter steht die Norlandia Health & Care Group AS (NHC Group), ein
       sozialer Dienstleister für Pflege, Kitas und Integrationstätigkeiten mit
       Hauptsitz in Oslo. Die deutsche Tochterfirma ist seit 2017 in Berlin
       ansässig. Die „Hero Group“ betreut Unterkünfte für Geflüchtete in mehreren
       Bundesländern, unter anderem in Bad Bodenteich und Hannover-Leinhausen in
       Niedersachsen.
       
       Das DRK sieht den Wechsel dennoch kritisch: Der neue Träger sei nicht mit
       den Standorten vertraut und wolle auch nicht auf das Personal
       zurückgreifen, das seit Jahren in den Unterkünften in Boostedt und Bad
       Segeberg arbeitet, sagt Torsten Geerdts, Präsident des DRK-Landesverbandes
       Schleswig-Holstein. Er spricht von einer „schmerzlichen“ Entscheidung.
       Aktuell sind nach DRK-Angaben rund 120 Angestellte an den beiden Standorten
       beschäftigt, darunter Personen, die sich um die Verwaltung der Häuser
       kümmern, aber auch Sozialarbeiter:innen und Profis für
       Verfahrensrecht. Sie könnten nun ihre Arbeit verlieren.
       
       Auch für die Menschen, die in den Unterkünften leben, und für die Gemeinden
       könne der Trägerwechsel eine Verschlechterung bedeuten, kritisiert Geerdts.
       Er verweist auf die große Erfahrung des DRK-Teams und die lange,
       konstruktive Beziehung zum Landesamt für Zuwanderung und Flüchtlinge und
       der Kommunalpolitik in beiden Orten.
       
       ## DRK will gegen die Entscheidung klagen
       
       Tatsächlich ist auch das Land durchaus mit der Arbeit des DRK zufrieden,
       sagt Patrick Tiede: „Das DRK leistet als Betreuungsverband überragende
       Arbeit in den Erstaufnahmeeinrichtungen. Dafür sind wir als Land sehr
       dankbar, insbesondere vor dem Hintergrund des hohen Betreuungsaufwands und
       vielfältiger Herausforderungen in den vergangenen Jahren.“ Aber die Vergabe
       sei nach den Regeln erfolgt: „Nach Abwägung aller Kriterien hat das DRK
       voraussichtlich nicht erneut den Zuschlag erhalten.“ Er weist darauf hin,
       dass trotz des anstehenden Wechsels „die Betreuung der Menschen in den
       Landesunterkünften nach wie vor vollständig gewährleistet“ sei.
       
       Das DRK hat gegen die Entscheidung des Landes Einspruch eingelegt, der
       zunächst zurückgewiesen wurde. Aber das Verfahren ist noch nicht
       rechtskräftig beendet, darauf weist Torsten Geerdts hin: „Gegen die
       Beschlüsse ist eine Beschwerde beim Schleswig-Holsteinischen
       Oberlandesgericht möglich.“
       
       Denn in den nächsten Jahren laufen auch die Verträge der anderen
       Unterkünfte aus, und es seien „grundsätzliche Fragen“ betroffen, so
       Geerdts: „Integration ist erklärtes politisches Ziel der Landesregierung in
       Schleswig-Holstein. Gerade deshalb hätte aus unserer Sicht stärker darauf
       geachtet werden müssen, dass die Verantwortung für diese sensiblen
       Einrichtungen bei einem erfahrenen Träger mit regionaler Verankerung
       liegt.“
       
       18 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.drk-segeberg.de/angebote/migration-und-integration/landesunterkunft-boostedt.html
 (DIR) [2] /Angekommen-in-der-deutschen-Buerokratie/!5867376&s=Unterkunft+Bad+Segeberg/
 (DIR) [3] /Aminata-Toure-ueber-ihren-neuen-Job/!5865442
 (DIR) [4] https://herozukunft.de/uber-uns
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Esther Geißlinger
       
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