# taz.de -- Honorar-Kürzungen für Psychotherapie: Kritik von Sozialverband und Psychotherapeuten-Kammer
       
       > Psychotherapeuten sollen künftig weniger Honorar für ambulante Therapien
       > erhalten. Sozialverband und Psychotherapeuten-Kammer warnen vor den
       > Folgen.
       
 (IMG) Bild: Bei der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Rostock zeigen alle Klinken nach unten
       
       epd | Der Sozialverband Deutschland hat scharfe Kritik an der Kürzung der
       Honorare bei Psychotherapien geübt. Angesichts der [1][großen
       Versorgungsengpässe] sei dies „ein fataler Schritt in die falsche
       Richtung“, sagte der niedersächsische Landesvorsitzende Dirk Swinke am
       Montag in Hannover: „Diese Entscheidung ist unverantwortlich und verschärft
       die bestehende Versorgungskrise.“ Die Kürzung müsse zurückgenommen werden.
       
       Der Bewertungsausschuss des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen
       hatte in der vergangenen Woche beschlossen, die Entgelte für ambulante
       Psychotherapien um 4,5 Prozent zu kürzen, um Kosten zu sparen. Im Gegenzug
       sollen die Strukturzuschläge für Praxen um 14,25 Prozent angehoben werden.
       Der Beschluss werde unter dem Strich dazu führen, dass sich [2][noch
       weniger Therapeutinnen und Therapeuten niederlassen] und Angebote für
       gesetzlich Versicherte machen, kritisierte Swinke: „Therapien können sich
       dann nur noch diejenigen leisten, die sie auch privat bezahlen können.“
       
       ## Monatelange Wartezeiten
       
       [3][Wer einen Psychotherapie-Platz suche, müsse heute bereits häufig
       monatelang warten], weil es zu wenig Therapeuten gebe. In einem Flächenland
       wie Niedersachsen sei dies besonders problematisch. Vor allem bei Kindern
       und Jugendlichen sei die Lage dramatisch: Jede fünfte Person unter 18
       Jahren habe mit psychischen Problemen zu kämpfen.
       
       Das Ziel, im Gesundheitswesen Kosten einzusparen, dürfe nicht zulasten
       derjenigen umgesetzt werden, die dringend Hilfe benötigten, betonte Swinke:
       „Neben Kindern und Jugendlichen brauchen auch immer mehr Seniorinnen und
       Senioren oder Menschen mit Behinderung Unterstützung bei Depressionen oder
       spezielle Behandlungen. Wer hier spart, riskiert höhere Folgekosten durch
       verzögerte oder ausbleibende Behandlung. Damit sparen die Krankenkassen am
       Ende nichts.“
       
       ## Schlusslicht bei den Honoraren
       
       Am Wochenende hatten rund 350 Menschen in Hannover gegen die Kürzungen
       demonstriert. Die Psychotherapeuten-Kammer Niedersachsen erklärte, zwar
       gebe es hohen Kostendruck im Gesundheitswesen, doch die Psychotherapien
       seien dabei nicht der Kostentreiber. [4][Niedergelassene Psychotherapeuten]
       seien vielmehr jahrelang die Schlusslichter bei den Honoraren gewesen. Hier
       zu kürzen, bedeute eine „Abwertung einer zentralen Versorgungsleistung“.
       
       Von dem Strukturzuschlag könnten nur Praxen mit hoher Auslastung
       profitieren, erklärte Kammerpräsidentin Kristina Schütz. Wer seine Praxis
       wegen Krankheit, Pflege oder der Betreuung von Kindern nicht voll auslasten
       könne und kein Personal zur Anstellung finde, werde am Ende benachteiligt.
       Deshalb könne der Zuschlag nicht direkt gegengerechnet werden. Die Kammer
       vertritt rund 6.200 Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in
       Niedersachsen.
       
       16 Mar 2026
       
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