# taz.de -- Eishockeyreporter für Blinde: Rasend schnelle Sätze
> Der Eishockey-Erstligist Adler Mannheim bietet seit dieser Saison eine
> Livereportage für Sehbeeinträchtigte an. Eine sehr herausfordernde
> Aufgabe.
(IMG) Bild: Krasses Tempo und Tohuwabohu für Blindenreporter: Adler Mannheim in der Offensive, kürzlich im Duell gegen die Straubing Tigers
Wer bei Heimspielen der Adler Mannheim an Block 210 vorbeigeht, wird in den
letzten Monaten häufiger einen Aufsteller gesehen haben, auf dem unter dem
Motto „Eishockey fürs Ohr“ eine Live-Audiodeskription für
sehbeeinträchtigte Fans beworben wird.
Seit dieser Saison bietet der DEL-Klub diesen Service zu ausgewählten
Heimspielen an. So auch beim Spitzenspiel gegen den Tabellenführer Kölner
Haie. Treibende Kraft hinter dem Thema ist Björn Naß. Der 44-Jährige hatte
2009 [1][als Blindenreporter bei Bayer Leverkusen] angefangen und von 2015
bis 2017 bei der Deutschen Fußball Liga den Bereich Blindenreportage
geleitet. Mit dem Resultat, dass im Herrenfußball heute alle Vereine der
ersten und zweiten Liga, sowie zwölf Vereine der dritten Liga bei ihren
Heimspielen Audiodeskription anbieten.
Mit der Frage „Warum sollen [2][Blinde immer nur zum Fußball gehen?“]
gründete Naß eine eigene Firma und kam so auch mit dem Eishockey und den
Kölner Haien in Berührung. Dort wird nun seit viereinhalb Jahren jedes
Heimspiel reportiert. Reportiert, nicht kommentiert, „weil wir dem Zuhörer
unsere Augen leihen. Wir beschreiben, was wir sehen und kommentieren es
nicht.“
Das Spiel gegen Köln reportieren in Mannheim Nadine Merten und Florian
Möll. Während Möll, der 15 Jahre Eishockey auf höchstem Niveau spielte,
erst zum vierten Mal überhaupt am Mikro ist, ist seine Co-Reporterin eine
Pionierin der Audiodeskription. Bereits seit der Saison 2007/2008 ist
Merten bei Heimspielen von Eintracht Frankfurt für Sehbeeinträchtigte am
Mikrofon tätig und bekam für ihr langjähriges Engagement 2025 das
Bundesverdienstkreuz verliehen.
## Viele räumliche Informationen
Wenn man den beiden zuhört, fällt dem Sehenden als Erstes auf, dass 1:1 das
in Sprache gefasst wird, was gerade geschieht. Da sind im Vorlauf „auf dem
Eis nun zwei Logos des alten Mannheimer Eisstadions zu sehen“, „die vier
Schiedsrichter kommen aufs Eis, zwei haben orange Ärmel, das sind die
Hauptschiedsrichter“. Es wird viel mit räumlichen Informationen gearbeitet,
oft sind Sätze wie „zwei Mannheimer und ein Kölner in der linken Ecke“ zu
hören. Während des Spiels fallen zudem die kurzen Sätze, die vielen
übermittelten Informationen auf. Auch bei Toren wird nicht lange verweilt,
das Spiel geht schließlich schnell weiter. Das Tempo des Sports fordert
auch von den Reporter:innen viel ab. „Geschwindigkeit ist bei uns das A
und O“, so Möll, der zugab „[3][das olympische Eishockeyturnier] wäre für
mich unmöglich zu reportieren gewesen, so schnell wie dort das Spiel war“.
Besonders herausfordernd sei für ihn die Darstellung von
Überzahlsituationen, weil dort jederzeit etwas passieren könne.
In der Pause nach dem ersten Drittel gibt es bereits auch eine erste
Rückmeldung. Möll und Merten kommen mit einer Zuhörerin ins Gespräch, die
mit ihrer Begleitperson direkt hinter ihnen sitzt. „Ich weiß nicht, wo die
blauen und die roten Linien sind und sie müssten noch öfter sagen, wer
gerade in Puckbesitz ist“, zeigt die Frau, die mit Empfänger und Kopfhörer
ausgestattet wurde, Verbesserungsbedarf auf.
„Solches Feedback ist für uns total wertvoll“, ist Merten dankbar. „Wir
machen das schließlich für die Zuhörer:innen vor Ort.“ Deshalb sei es
auch entscheidend in direkter Umgebung der Hörer:innen zu sitzen.
„Anfangs sollte unser Platz auf der Pressetribüne sein, die aber zu weit
weg ist. Nun sitzen wir direkt im Block und können so mit denen, die uns
hören, direkt in den Austausch kommen.“
Ein besonderes Erlebnis verbindet Merten mit ihrem ersten Spiel in
Mannheim: „Bei unserem ersten Probelauf hier hatten wir als Zuhörerin ein
Mädchen, das immer mit seinem Bruder hier ist. Bis dahin bekam sie von ihm
jedes Spiel über einen bestimmten Tippcode in ihre Hand stenografiert. Und
nun zu erleben, wie sich die beiden in der Drittelpause über das Spiel
unterhielten, ihre Erfahrungen und Wahrnehmungen austauschten, war
unglaublich berührend. Für solche Momente macht man das.“
Dass all dies kein Selbstläufer war, daran erinnert Naß: „Als ich bei der
Nachhaltigkeitstagung der DEL das Thema Blindenreportage vorstellte, bekam
ich im Plenum viel positives Feedback. Aber als es dann in die Workshops
ging, saß ich dort allein. Aber stetes Wasser höhlt den Stein.“
Und so verweist Claudia Föllinger, die Nachhaltigkeitsmanagerin der Adler
Mannheim, auf zehn Spiele, zu denen die Adler am Ende der Saison eine
Audiodeskription angeboten haben werden. „Für uns ist Inklusion und ein
barrierefreies Angebot wichtig. Wir wollen all unseren Fans einen Zugang
zum Spiel ermöglichen.“
Die Zuschauerin, die direkt hinter Merten und Möll saß, ist nach dem
5:1-Sieg der Adler von der Deskription und dem Erlebnis jedenfalls hellauf
begeistert: „Ich wollte schon immer mal hierher, weil ich die Atmosphäre
mit allen Sinnen erleben wollte. Es war so toll, dass ich auf jeden Fall
wiederkommen werde.“
11 Mar 2026
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