# taz.de -- Regierung in Madagaskar abgesetzt: Militärregime regiert jetzt vorerst allein
       
       > Fünf Monate nach der Machtergreifung der Armee auf Madagaskar setzt sie
       > das Kabinett ab. Sie reagiert damit auf Druck der Gen-Z-Protestbewegung,
       
 (IMG) Bild: Land unter in Madagaskars zweitgrößter Stadt Toamasina, 12. Februar: Zur politischen Krise kamen schwere Wirbelstürme hinzu
       
       Madagaskars Militärregime hat die komplette Regierung entlassen und damit
       der politischen Krise des Landes eine weitere Drehung hinzugefügt. Die
       Militärjunta unter Oberst Michael Randrianirina, der im Oktober 2025 den
       vor Massenprotesten [1][ins Ausland geflohenen Präsidenten Andry Rajoelina]
       abgesetzt und [2][die Macht ergriffen hatte], hat nun auch das von ihr
       selbst ernannte zivile Kabinett unter Premierminister Herintsalama
       Rajaonarivelo abgesetzt.
       
       Gründe nannte Oberst Randrianirina bei der Verkündung dieser Maßnahme am
       Dienstag nicht, aber sein Sprecher erklärte: „Die Regierung hat ihre Arbeit
       eingestellt.“ Nach Angaben des Sprechers wird Randrianirina „im Einklang
       mit den Bestimmungen der Verfassung“ einen neuen Premierminister ernennen.
       
       Auch ohne explizite Erklärung scheint es, dass Randrianirinas
       Militärregierung damit auf Druck derselben Jugendprotestbewegungen
       reagiert, deren Massenproteste im Oktober dem Umsturz den Weg geebnet
       hatten.
       
       [3][Die Jugendlichen der „Gen Z“ in Madagaskar] hatten den Umsturz zunächst
       begrüßt, nachdem sie wochenlang gegen den gestürzten Rajoelina auf die
       Straße gegangen waren. Aber zuletzt haben sie sich gegen die
       Übergangsregierung des Militärs gestellt, die zahlreiche etablierte
       Politiker vereinte. Zuletzt setzten sie Randrianirina ein
       72-Stunden-Ultimatum für seinen Rücktritt.
       
       ## Spannungen mit SADC und AU
       
       Denn die Lage Madagaskars hat sich durch die Machtergreifung des Militärs
       nicht unmittelbar verbessert. Außerdem ließen die Militärs eine Frist der
       Regionalorganisation SADC (Southern African Development Community)
       verstreichen, bis Ende Februar einen klaren Zeitplan für eine Rückkehr zu
       demokratischen Verhältnissen vorzulegen.
       
       Zwar erklärte die Militärregierung, sie plane Konsultationen im Hinblick
       auf Wahlen zwischen Mai und Juli 2027. Aber am Montag hatte der
       Sicherheitsrat der Afrikanischen Union (AU) Sorge geäußert.
       AU-Sicherheitskommissar Bankole Adeoye betonte, wie wichtig es für
       Madagaskar sei, die vereinbarten Zeitpläne einzuhalten. Die madegassischen
       Behörden müssten mit AU und SADC zusammenarbeiten und alle politischen
       Gefangenen bedingungslos freilassen. Zugleich rief er zu mehr Hilfe für
       Madagaskar auf.
       
       Der Inselstaat im Indischen Ozean mit 33 Millionen Einwohnern ist seit dem
       Militärputsch nicht zur Ruhe gekommen. Dieses Jahr haben bereits zwei
       schwere Tropenstürme massive Schäden angerichtet. Die Zyklone „Fytia“ und
       „Gezani“ haben über 60 Menschen getötet, rund 67.000 Menschen sind
       obdachlos geworden und über eine halbe Million Menschen ist von den
       Sturmfolgen betroffen. In den Überschwemmungsgebieten haben sich Seuchen
       ausgebreitet.
       
       Am schwersten war die Region Atsinanana rund um Toamasina betroffen,
       zweitgrößte Stadt und wichtigste Hafenstadt des Landes. „Viele Familien
       haben ihre Häuser verloren und der Zyklon hat lebensnotwendige Dienste
       zerstört, wie sauberes Wasser, Gesundheitsversorgung und Schulen“, erklärte
       das UN-Kinderhilfswerk Unicef.
       
       11 Mar 2026
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Mario Rajomazandry
       
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