# taz.de -- Schutz der Hochsee: Deutschland will doch noch mitmischen
> Jetzt steht es fest: Die Bundesrepublik wird dem von
> Umweltschützer:innen bejubelten internationalen Vertrag beitreten.
> Gerade noch rechtzeitig.
(IMG) Bild: Die Meere sind überhitzt, verschmutzt und überfischt
Deutschland tritt dem Abkommen zum Schutz der Hochsee der Vereinten
Nationen bei. Das war Anfang des Jahres schon in Kraft getreten – [1][ohne
die Bundesrepublik]. Am Freitag hat der Bundesrat nun ein Gesetz zur
Umsetzung des Abkommens in nationales Recht gebilligt, die letzte Hürde im
Gesetzgebungsverfahren. Voraussichtlich im Juni kann Deutschland damit die
Ratifizierung abgeschlossen haben – gerade noch rechtzeitig, um bei der
ersten Vertragsstaatenkonferenz im August mitreden zu dürfen.
„Die [2][Hochsee bedeckt fast die Hälfte der Erdoberfläche] und ist zentral
für das Funktionieren unseres Planeten“, sagt die Geschäftsführerin der
internationalen Organisation OceanCare, Fabienne McLellan. Die hohe See
beherberge einzigartige Ökosysteme und reguliere das Klima, indem sie große
Mengen CO2 und Wärme aufnehme.
Darin liegt McLellan zufolge die Bedeutung des internationalen Abkommens,
das in der Welt der Fachpolitik kurz „BBNJ“ genannt wird. Das steht für
„Biodiversity Beyond National Jurisdiction“, auf deutsch: Artenvielfalt
jenseits nationaler Zuständigkeit. „Das BBNJ schafft erstmals einen
umfassenden globalen Rechtsrahmen zum Schutz der Biodiversität auf der
Hochsee“, so McLellan.
Als Umweltministerin in der Ampelkoalition hat Steffi Lemke (Grüne) BBNJ
auf internationaler Ebene entscheidend vorangetrieben. Bevor nun der
Bundesrat das Go gab, hatte schon der Bundestag den beiden Gesetzen zur
Ratifizierung und Umsetzung zugestimmt. Lemke sagte im Plenum, [3][unsere
Meere seien überhitzt, verschmutzt, überfischt] und die Belastung durch
militärische Nutzung nehme immer stärker zu. Angesichts dessen sei
Deutschlands Beitritt zum Hochseeschutzabkommen überfällig. Oder wie
Mareike Hermeier (Die Linke) es formulierte: „Andere Staaten haben das
Abkommen gerettet, wir sind beigetreten, als klar war, dass es ohnehin
kommt.“
## Gibt es für den Hochseeschutz zusätzliches Geld?
Deutschlands Beitritt ist wichtig, damit die Bundesrepublik Mitsprache beim
zukünftigen Schutz der Hochsee hat. Im August startet die erste
Vertragsstaatenkonferenz (kurz COP für das englische Conference of the
Parties) des UN-Abkommens. Dort werden Umsetzung, Kontrolle und Regeln des
Abkommens zum Schutz der Hochsee weiter ausgehandelt.
Ursprünglich wollte Deutschland BBNJ schon längst ratifiziert haben. Steffi
Lemke als Umweltministerin kam der Bruch der Ampelkoalition dazwischen.
Deshalb trat das Abkommen im Januar ohne die Bundesrepublik in Kraft,
nachdem 60 andere Staaten es ratifiziert hatten. Dass die Bundesrepublik
unter Schwarz-Rot immerhin noch rechtzeitig vor der ersten
Vertragsstaatenkonferenz beitritt, liegt auch an der Unterstützung des
neuen Umweltministers Carsten Schneider (SPD), wie es von Umweltverbänden
heißt.
Deutschland ist eine maritime Handelsnation und nimmt die Hochsee stark in
Anspruch. Das Land sei zudem führend in der Meeresforschung, sagt Lioba
Schwarzer, Teamleiterin des Meeresschutzes bei der Deutschen Umwelthilfe
(DUH). Diese Forschungskompetenz sei zentral für die Umsetzung. Die
gestaltet sich so: „Die Staaten errichten Meeresschutzgebiete auf hoher
See, wo sie Aktivitäten, etwa von Unternehmen, auf ihre
Umweltverträglichkeit prüfen“, so Schwarzer.
Zudem gehe es um die faire Aufteilung genetischer Ressourcen unter den
Staaten, etwa bei Wirkstoffen von Meereslebewesen für Arzneimittel. „Und
zuletzt schreibt das Abkommen eine gegenseitige Hilfe der Staaten bei der
Umsetzung vor, etwa durch den Austausch von Wissen oder Daten.“
Das bedeutet, jemand muss sich darum kümmern, dass BBNJ koordiniert und
kontrolliert sowie im Sinne des Abkommens geprüft und sanktioniert wird.
Dafür wird das Bundesamt für Naturschutz (BfN) zuständig sein. Nur: „Bisher
gab es noch keine Zusagen für zusätzliche Mittel. Im Gegenteil, beim BfN
hat die Bundesregierung zuletzt Mittel gekürzt. Ohne Personal und
Finanzierung ist die Umsetzung des Abkommens nicht möglich“, sagt
Schwarzer. Auf Nachfrage der taz heißt es, das BfN habe noch keine Mittel
im Bundeshaushalt beantragt.
Der Beitritt allein reiche nicht, sagt Franziska Saalmann, die bei
Greenpeace zu Meeresschutz arbeitet. „Es ist wichtig, dass die
Bundesregierung das Abkommen vom Papier aufs Meer bringt.“ BBNJ sei das
zentrale Instrument, um das Ziel der Weltnaturkonferenz von 2022 in
Montreal und Kunming für die Meere umzusetzen, so Saalmann. Darin hat sich
die Weltgemeinschaft dazu verpflichtet, neben der Landfläche bis 2030 auch
30 Prozent der Ozeane unter Schutz zu stellen.
Wie strikt die Vertragsstaaten den Meeresschutz aushandeln, wird über den
Erfolg des Abkommens entscheiden. „Die USA und Russland haben BBNJ bisher
gar nicht ratifiziert. Unternehmen werden versuchen, für Schlupflöcher zu
lobbyieren“, sagt Saalmann. Ob Fischerei, Tiefseebergbau, Öl- und
Gasförderung oder militärische Aktivitäten in Schutzgebieten erlaubt sein
werden, bleibt Verhandlungsmasse. Eine Sprecherin des BMUKN sagt der taz:
„Je nach Schutzgebiet werden eigene Regeln in einem Managementplan
entwickelt werden.“ Das hänge von den jeweiligen Beschlüssen der COP ab.
Bei der wird Deutschland im August nun mitreden dürfen.
27 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Tim Feldmann
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