# taz.de -- Konfessionslos in Berlin: Kirchenaustritt soll unbürokratisch werden
> 17.000 Kirchenaustritte gab es 2025 in Berlin. Sie kosten die
> Amtsgerichte Arbeit und die Austretenden Gebühren. Die SPD will das
> ändern.
(IMG) Bild: Beim Tag der offenen Tür im Berliner Dom stehen die Leute Schlange. Aus einer Kirche auszutreten kostet in Berlin 30 Euro
Der Eintritt in eine Kirche ist umsonst. Ein bisschen Taufwasser meist, das
war's. Wer es sich später aber anders überlegt, muss blechen. Das will die
Berliner SPD nun ändern. „Religion ist Privatsache“, sagt der
SPD-Abgeordnete Sebastian Schlüsselburg. „Der Staat sollte diesen Schritt
weder verteuern noch unnötig bürokratisieren.“
30 Euro kostet der Austritt aus einer „steuerberechtigten
Religionsgemeinschaft öffentlichen Rechts“. [1][So steht es im
Serviceportal des Landes Berlin]. Die Gebühr ist im Voraus zu entrichten.
Erst dann unterrichtet das zuständige Amtsgericht die jeweilige
Religionsgemeinschaft.
Auch das Verfahren selbst ist mit einigem Aufwand verbunden. Die
Austrittserklärung muss vor Ort beim zuständigen Amtsgericht unterschrieben
werden. Zulässig ist zwar auch eine notariell beglaubigte Erklärung. Die
aber ist mit zusätzlichen Kosten verbunden. „Der Austritt kann nicht online
erklärt werden!“, heißt es beim Serviceportal.
Trotz des bürokratischen Aufwands und der damit verbundenen Kosten haben
17.681 Berlinerinnen und Berliner im Jahr 2025 ihren Austritt aus einer
Religionsgemeinschaft erklärt. 10.703 Austritte entfielen dabei auf die
evangelische Kirche, 6.840 auf die römisch-katholische. 9 Personen traten
aus der jüdischen Religionsgemeinschaft aus, 3 weitere aus nicht weiter
benannten sonstigen Religionsgemeinschaften.
Die Zahlen gehen aus der Antwort der Senatsverwaltung für Justiz auf eine
schriftliche Anfrage von Sebastian Schlüsselburg hervor. Darüber hinaus
erklärte die Justizverwaltung, dass in den zehn Amtsgerichten insgesamt
3,88 Stellenanteile mit der Bearbeitung der Austrittserklärungen
beschäftigt seien.
## Brandenburg verlangt kein Geld
Über Kircheneintritte für das Jahr 2025 kann die Verwaltung bislang keine
Angaben machen, da die Zahlen der Evangelischen Kirche
Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz und des Erzbistums Berlin noch
nicht vorlägen. Die Zahlen anderer Religionsgemeinschaften würden nicht
erfasst.
[2][Im Jahr zuvor waren 412 Berlinerinnen und Berliner in die evangelische
Kirche eingetreten.] Zudem gab es 2.361 Taufen. Die Eintritte in die
katholische Kirche beliefen sich auf 84, bei 1.305 Taufen. 2024 waren
insgesamt 448.919 Menschen Mitglied in der evangelischen und 266.037 in der
katholischen Kirche. Die Zahl der Austritte belief sich 2024 auf insgesamt
19.097.
Anders als in Berlin ist der Austritt aus der Kirche [3][in Brandenburg
gebührenfrei]. Das Gleiche gilt für Sachsen und Sachsen-Anhalt. Auch die
SPD will nun mehr Brandenburg in Berlin. „Die Austrittsgebühr sollte
abgeschafft werden“, fordert der SPD-Abgeordnete Schlüsselburg. Außerdem
sollte Justizsenatorin Badenberg (CDU) prüfen, „wie Kirchenaustritte
künftig einfacher und ohne Belastung der Justizbeschäftigten erklärt werden
können, zum Beispiel über eine Online-Lösung“.
Eine Anfrage der taz im Hause Badenberg vom Dienstag wurde bislang nicht
beantwortet. Eine Sprecherin ließ lediglich mitteilen: „Eine Antwort bis
spätestens nächste Woche Montag wäre möglich.“
12 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://service.berlin.de/dienstleistung/326908/
(DIR) [2] https://pardok.parlament-berlin.de/starweb/adis/citat/VT/19/SchrAnfr/S19-22120.pdf
(DIR) [3] https://beglaubigt.de/blog/was-kostet-der-kirchenaustritt
## AUTOREN
(DIR) Uwe Rada
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