# taz.de -- Geburtstagsfeier für Bruce Willis: „Das ist für die Gäste immer wieder eine Wundertüte“
       
       > Schauspieler Andreas Jäger liest seit zehn Jahren Texte zu bekannten
       > Geburtstagskindern vor. Jetzt ist Bruce Willis dran. Das ist auch heikel.
       
 (IMG) Bild: Bruce Willis 2018 während der Dreharbeiten zum Film „Motherless Brooklyn“: Am 19. März wird der an Demenz erkankte Schauspieler 71
       
       taz: Herr Jäger, wie kommen Sie dazu, in Braunschweig den Geburtstag von
       Bruce Willis zu feiern? 
       
       Andreas Jäger: Ich veranstalte die Reihe „Happy Birthday“, bei der ich
       Texte zu bekannten Geburtstagskindern vorlese.
       
       taz: Wie sind Sie auf die Idee gekommen? 
       
       Jäger: Ich bin Schauspieler und langweile mich manchmal bei normalen
       Theatervorstellungen oder Lesungen. Deshalb habe ich mich gefragt, was mich
       selber interessieren würde. Und das wäre, wenn man über eine Person, egal
       ob sie aus dem kulturellen oder politischen Leben kommt, etwas erfährt, das
       man noch nicht wusste.
       
       taz: Wo bekommen Sie dafür die Texte her? 
       
       Jäger: Ich mache eine Recherche in der Stadtbibliothek und im großen weiten
       Internet. Dafür schaue ich, ob es Biografien oder autobiografische Texte
       von den Geburtstagskindern gibt. Und wenn es um einen Autor geht, lese ich
       natürlich auch Teile aus seinem Werk vor.
       
       taz: Aber Sie sind kein Alleinunterhalter. 
       
       Jäger: Nein, denn es wäre ja auch langweilig, wenn eine Stunde lang nur ich
       etwas erzähle. Und deshalb habe ich mir den Musiker Till Seifert
       dazugeholt. Der spielt zwischendurch vier bis fünf Musikstücke von
       musikalischen Geburtstagskindern. Und das Format funktioniert sehr gut. In
       diesem Jahr feiern wir zehnjähriges Jubiläum mit dieser Reihe.
       
       taz: Da können Sie ein Happy Birthday „Happy Birthday“ veranstalten. Sie
       unterscheiden ja bei den Geburtstagsfeiern nicht zwischen verstorbenen
       Menschen, lebenden Menschen und fiktiven Figuren wie James Bond. 
       
       Jäger: Wir haben auch die Geburtstage von [1][Aspirin], Fred Astaire,
       Bertolt Brecht, Zarah Leander, [2][Udo Lindenberg], Barbra Streisand, den
       Beatles gefeiert und das Ende des Zweiten Weltkriegs. Das ist für die Gäste
       immer wieder eine Wundertüte.
       
       taz: Das gibt ja auch schöne Kontraste. 
       
       Jäger: Genau! Wir haben zum Beispiel 2017 eine Doppelgeburtstagsfeier für
       [3][Donald Trump] und [4][Che Guevara] veranstaltet, weil die am gleichen
       Tag Geburtstag haben. Und dabei haben wir einige Gemeinsamkeiten entdeckt.
       So hatten beide schwierige Verhältnisse zu ihren Ehefrauen.
       
       taz: Ich hoffe, Sie schauspielern da nicht auch noch und versuchen, etwa
       die rauchige Stimme von Zarah Leander zu imitieren. 
       
       Jäger: Nein, das verbietet sich von selber. Wir haben allerdings versucht,
       bei der Geburtstagsfeier von [5][Didi Hallervorden seinen berühmten
       Palim-Palim-Sketch] nachzustellen. Und bei der Geburtstagsfeier von Rainer
       Maria Rilke habe ich eines seiner Gedichte als Rap vorgetragen.
       
       taz: Nun ist also Bruce Willis dran. Was haben Sie denn über ihn
       herausgefunden? 
       
       Jäger: Zum Beispiel, dass er eigentlich gar kein Schauspieler werden
       wollte. Sondern dass er da hingedrängt wurde, weil er stark gestottert hat.
       Man meinte, es wäre eine gute Therapie, wenn er sich mit Texten und Reden
       beschäftigt. Und so ist er in der Schulzeit zur Schauspielerei gekommen.
       
       taz: Und was hat Sie bei der Recherche besonders überrascht? 
       
       Jäger: Dass die Ehefrau von einem der Wildecker Herzbuben die Großcousine
       der Mutter von Bruce Willis ist. Und angeblich haben die beiden lange
       telefonischen Kontakt zueinander gehalten, weil ja Bruce Willis seine
       ersten beiden Lebensjahre in Deutschland verbracht hat.
       
       taz: Nun ist Bruce Willis aber ein Sonderfall, weil er noch lebt, aber
       wegen seiner Demenz nicht mehr da ist. Ist da nicht Schluss mit lustig? 
       
       Jäger: Das ist auch für mich heikel. Aber im Prinzip spielt es bei meiner
       Betrachtung dieses Menschen keine Rolle. Wenn ich zum Ende seiner Karriere
       komme, berichte ich ganz ernst darüber, wie es diesem armen Kerl heute so
       ergeht. Es scheint ja so zu sein, dass er inzwischen nicht weiß, dass er
       krank ist. Aber es gibt auch immer wieder Momente, in denen er seine
       Familienmitglieder erkennen kann.
       
       15 Mar 2026
       
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