# taz.de -- Wahlen in Kolumbien: Rechts und links überall Gewinner
> Kolumbiens Parlamentswahl ergibt keine klare Mehrheit. Die Vorwahl für
> die Präsidentschaftswahl Ende Mai birgt eine Überraschung aufseiten der
> Rechten.
(IMG) Bild: Überraschungssiegerin bei der Vorwahl in Kolumbiens rechtem Block: Paloma Valencia hat gute Chancen auf die Stichwahl
Egal wer Ende Mai die Präsidentschaftswahl in Kolumbien gewinnt – er oder
sie wird sich nach Mehrheiten im Parlament umschauen müssen. Nach den
Parlamentswahlen vom Sonntag ist klar: Keine Partei wird ohne Allianzen
regieren können. Zu eng sind die Abstände. Die linke Regierungspartei Pacto
Histórico errang in Senat wie Repräsentantenhaus die meisten Sitze und
gewann sogar welche dazu – jeweils gefolgt vom Erzfeind, dem rechten Centro
Democrático von Ex-Präsident Álvaro Uribe. Über absolute Mehrheiten aber
verfügen beide nicht.
Was dann kommt, ist Grauzone. In Kolumbien sind Parteien oft nur
„Wahlunternehmen“, erklärt Tatiana Niño, Politologin bei der
Konrad-Adenauer-Stiftung in Bogotá. Vehikel, um auf einen Listenplatz und
so ins Parlament zu kommen. Ideologie spielt eine untergeordnete Rolle. Vor
allem im Repräsentantenhaus, für das es mehr Sitze gibt, stimmen die
Abgeordneten oft gegen die Parteilinie ab – und der Name der Partei sagt
oft nichts über die politische Ausrichtung aus. Deshalb sind Prognosen über
Allianzen schwierig.
Verschwunden aus dem Parlament ist [1][Comunes, die Partei der ehemaligen
Farc-Guerilla]. Das Friedensabkommen von 2016 hatte ihnen bei zwei Wahlen
Sitze garantiert, um ihre Anliegen statt mit Waffen politisch umzusetzen.
„Sie haben immer betont, dass sie viel Rückhalt in der Bevölkerung haben“,
sagt Niño. Doch das erste Wahlergebnis ohne garantierte Sitze zeige, das
das nicht stimme. Sie blieb unter der Dreiprozenthürde.
## Blick auf die Vorwahl
Mindestens so viel Aufmerksamkeit wie die Wahl zu den beiden
Parlamentskammern galt am Sonntag der sogenannten Consulta, einer Art
Vorwahl, bei der Parteien und Bündnisse testen, welche ihrer
Kandidat:innen bei den Wähler:innen am besten ankommen. Die
Teilnahme ist für Kandidat:innen nicht verpflichtend – das Ergebnis
dann aber schon.
Die Consulta hielt auf der Rechten eine Überraschung bereit. Denn die große
Siegerin des Wahltags heißt Paloma Valencia. Sie holte 45,7 Prozent der
abgegebenen Stimmen. Damit verändert sich das Panorama für die
Präsidentschaftswahl.
Paloma Valencia ist die Kandidatin des mächtigen Ex-Präsidenten und
Parteichefs des Centro Democrático Alvaro Uribe. Auf vielen Wahlplakaten
stand nicht einmal ihr Name, sondern nur ein Foto von beiden mit dem Spruch
„die von Uribe“. Sie gilt als eher gemäßigt in einer extremrechten Partei.
Alvaro Uribe, während dessen Regierung Menschenrechtsverbrechen mit
staatlicher Beteiligung passierten, hat selbst für den Senat kandiert –
vergeblich. Zum ersten Mal in seiner politischen Laufbahn verlor er eine
Wahl.
## Festnahmen wegen Wahldelikten
Der absolute Umfragefavorit, Iván Cepeda vom linken Pacto Histórico, hatte
an der Vorwahl nicht teilgenommen, genausowenig wie sein bisheriger
Hauptkonkurrent von rechts, Abelardo de la Espriella, genannt „der Tiger“.
Der will inhaltlich El Salvadors Diktator Nayib Bukele nacheifern, hat eine
ähnlich dubiose Unternehmer-Biografie wie Donald Trump, gepaart mit
religiösem Fanatismus. Außerdem sollen 3 Millionen Unterschriften für seine
Kandidatur gefälscht gewesen sein.
De la Espriellas Partei Salvación Nacional nahm bei den Parlamentswahlen
knapp die Dreiprozenthürde und wird wohl drei Sitze im Senat bekommen. Im
Repräsentantenhaus schaut es eng aus für die ihm nahestehenden Parteien.
Inhaltlich steht seine Wählerschaft Paloma Valencia nahe – und so ist seit
Sonntag keineswegs mehr sicher, dass es de la Espriella sein wird, der am
21. Juni in der erwartbaren Stichwahl auf den linken Ivan Cepeda trifft.
[2][Fast 90 Personen wurden wegen Wahldelikten am Sonntag festgenommen] und
umgerechnet rund 900.000 Euro konfisziert, die wohl für Stimmenkauf
eingesetzt werden sollten – wohl nicht einmal die Spitze des Eisbergs. Bei
der Generalstaatsanwaltschaft gingen rund 1.400 Anzeigen und Beschwerden
ein wegen möglicher Unregelmäßigkeiten.
9 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.elespectador.com/colombia-20/paz-y-memoria/partido-comunes-de-exguerrilleros-de-las-farc-desaparece-candidata-sandra-ramirez-no-alcanzo-el-umbral-de-votos-elecciones/
(DIR) [2] https://www.elcolombiano.com/colombia/capturas-dinero-incautado-elecciones-congreso-20268-de-marzo-GD34376356
## AUTOREN
(DIR) Katharina Wojczenko
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