# taz.de -- Vorwahlen in mehreren US-Bundesstaaten: Chaos und kleine Überraschungen
       
       > Mehrere Vorwahlen in verschiedenen US-Bundesstaaten geben einen
       > Vorgeschmack darauf, was die USA bei den Zwischenwahlen im November
       > erwarten wird.
       
 (IMG) Bild: Der brave James Talarico setzt sich bei der Demokratischen Vorwahl in Texas gegen die kämpferische Jasmine Crockett durch
       
       Den US-Demokraten im Kongress wird seit dem Amtsantritt von Donald Trump
       [1][eine fatale Schlaffheit vorgeworfen], im Parteiestablishment scheint
       sich niemand zu finden, die oder der Trump und seinen Anhängerinnen mit der
       gebotenen Härte die Stirn bietet.
       
       Eine der wenigen Ausnahmen ist die Texanerin [2][Jasmine Crockett], eine
       Rechtsanwältin aus Dallas, die sich eine beachtliche Gefolgschaft aufgebaut
       hat, indem sie den MAGA-Republikanern mit harten Bandagen entgegentritt.
       Das Magazin The Atlantic nannte sie eine „Demokratin für die Trump-Ära“,
       Trump attestierte ihr, wie vielen Frauen, die er als bedrohlich empfindet,
       einen „niedrigen IQ“.
       
       So ruhten vor dem ersten Vorwahlabend des Wahljahres 2026 am Dienstag große
       Hoffnungen auf den Schultern von Crockett. Crockett kandidiert um einen der
       beiden Senatssitze für Texas und ein Vorwahlsieg hätte Hoffnungen auf eine
       charismatische Kandidatin genährt, der ein historischer Wahlsieg im
       zutiefst republikanischen Texas gelingen könnte und somit ein wichtiger
       Schritt zu einer demokratischen Mehrheit im Senat für die letzten beiden
       Amtsjahre Trumps.
       
       Doch der Abend endete im Chaos. Am Ende lag ihr Gegner James Talarico in
       Führung, ein weit braverer, weißer junger Demokrat aus Austin. Doch
       endgültig entschieden war zunächst nichts. Konfusion an den Wahlurnen hatte
       eine Entscheidung verhindert. Zehntausende von WählerInnen waren über
       Neuregelungen des Wahlverfahrens fehlinformiert, ein oberster Staatsrichter
       musste eingreifen und eine Verlängerung der Wahl anordnen.
       
       Erst Stunden später wurde offiziell, dass Talarico sich mit 53 Prozent der
       Stimmen gegen Crockett (45 Prozent) durchgesetzt hatte. Viele lesen dies
       als Zeichen dafür, dass die demokratische Basis für die Midterms im
       November, bei denen die Parlamentsmehrheiten in Washington auf dem Spiel
       stehen, den moderateren Weg wählen.
       
       ## Kampf um dünne Mehrheiten
       
       Das Chaos von Dallas war vielleicht mehr noch als die Niederlage von
       Crockett eine Vorschau auf das, was das Land in dieser Wahlsaison erwartet.
       Die Republikanische Partei hatte in Texas und sechs anderen Staaten die
       [3][Grenzen der Wahlbezirke zu ihren Gunsten verschoben], die Demokraten
       zogen in New York und [4][Kalifornien] nach.
       
       Nicht zuletzt, weil sie aus ihrem eigenen Stammbezirk ausgegrenzt wurde,
       hatte Crockett sich entschlossen, für den Senat und nicht noch einmal für
       das Repräsentantenhaus zu kandidieren.
       
       Zu dem Chaos passte derweil, dass es auch bei den Republikanern in Texas
       kein Ergebnis gab. Der etwas moderatere, amtierende Senator John Cornyn lag
       zwar um 2 Prozent vor seinem Hardcore-MAGA-Herausforderer Ken Paxton. Da
       keiner von beiden 50 Prozent erlangte, müssen die beiden jedoch in eine
       Stichwahl gehen.
       
       Immerhin gab es in North Carolina am Dienstag Klarheit – einem weiteren
       Staat, der für eine demokratische Mehrheit im Senat als unverzichtbar
       angesehen wird. Der überaus populäre ehemalige Gouverneur Roy Cooper wird
       im Herbst gegen den Trump-Protegé Michael Whatley antreten. Erst dann wird
       sich zeigen, ob die massive Wahlbezirk-Manipulation durch die Republikaner
       Whatley über die Ziellinie bringen kann.
       
       4 Mar 2026
       
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