# taz.de -- Krieg im Südsudan: 169 Tote bei mutmaßlichem Racheangriff auf ein Dorf
       
       > Beim schon zweiten großen Massaker im Südsudan in diesem Jahr wurde die
       > Zivilbevölkerung offenbar ganz gezielt angegriffen.
       
 (IMG) Bild: Fahrzeug der UN-Mission UNMISS in Südsudans Hauptstadt Juba: Im Norden des Landes suchen Tausende Schutz auf einer UNMISS-Basis
       
       Die Angreifer seien am Sonntagfrüh noch vor Sonnenaufgang in die Siedlung
       eingedrungen und hätten die Menschen im Schlaf überrascht, so berichtet es
       Stephano Wieu De Mialek, Verwaltungsvorsteher des Bezirks Ruweng im Norden
       Südsudans, direkt an der Grenze zum Nachbarland Sudan. Die derzeitige
       Todeszahl beläuft sich auf 169 Menschen, die Mehrheit von ihnen Frauen und
       Kinder. Mehr als 70 Soldaten der Armee Südsudans seien unter den
       Ermordeten. Weitere 50 Personen seien verletzt worden, so die
       Bezirksverwaltung. Unter den Toten seien auch zwei Vertreter der
       Bezirksverwaltung, gibt Wieu De Mialek gegenüber lokalen Medien an.
       Mitarbeiter der Bezirksverwaltung seien nun dabei, die Ermordeten in einem
       Massengrab beizusetzen.
       
       Dieser systematische Angriff auf die Zivilbevölkerung im Südsudan am
       Sonntag sei extrem „alarmierend“, erklärte Edmond Yakani, Direktor der
       Organisation CEPO (Community Empowerment for Progress) mit Sitz in
       Südsudans Hauptstadt Juba, telefonisch der taz. „Denn es war eine
       Racheaktion auf ein anderes Massaker, das im Februar geschehen war“, so
       Yakani.
       
       Seit den brutalen Ereignissen am Sonntag versucht der
       Menschenrechtsaktivist Informationen zusammenzutragen, um zu verstehen, was
       genau geschehen ist. Er hat auch am Telefon mit Regierungsvertretern und
       Leuten vor Ort gesprochen. „Die Menschen sind in alle Richtungen
       davongelaufen und es wurden sehr viele Kugeln abgefeuert, um sie an der
       Flucht zu hindern“, so Yakani. Für ihn steht eins fest: „Die
       Zivilbevölkerung wurde gezielt angegriffen, das sehen wir als Muster sehr
       klar.“
       
       Es ist bereits das zweite große Massaker im Südsudan allein in diesem Jahr.
       Am 21. Februar waren in einem Dorf namens Pankor im derzeit [1][umkämpften
       Bundestaat Jonglei], nordöstlich der Hauptstadt Juba, zwischen 16 und 21
       Zivilisten getötet worden, die meisten ebenso Kinder und Frauen. Der
       brutale Überfall sei von einer lokalen Miliz ausgeführt worden, die in den
       derzeitigen Kämpfen zwischen der Regierungsarmee und den Rebellen der
       SPLA-IO (Sudans Volksbefreiungsarmee in Opposition) der Armee nahesteht.
       Ihre Kämpfer rekrutieren sich aus der Dinka-Ethnie, der auch Südsudans
       Präsident Salva Kiir angehört. Die Armee verneint jegliche Beteiligung
       daran.
       
       ## Regierungssoldaten seit mehr als einem Jahr ohne Sold
       
       Im Gegenzug hätten nun die Rebellen der SPLA-IO, die sich hauptsächlich aus
       Kämpfern der Ethnie der Nuer zusammensetzt, zu der auch der [2][derzeit
       inhaftierte und suspendierte Vize-Präsident Rieck Machar] gehört, in der
       nördlichen Region Ruweng gezielt die dortige Dinka-Bevölkerung angegriffen.
       Mehr als drei Stunden lang hätten die Milizionäre um sich gefeuert, bis sie
       von Einheiten der Armee vertrieben werden konnten. Dabei starben rund 70
       Regierungssoldaten, die meisten ebenso von der Ethnie der Dinka.
       
       Das Problem, so Yakani: Die Armee habe derzeit nicht genügend Kapazitäten.
       Südsudan steckt seit drei Jahren in einer wirtschaftlichen Krise. Denn
       aufgrund des Krieges im Nachbarland Sudan wurden Südsudans Ölexporte
       zeitweilig unterbrochen. Jetzt klafft eine gewaltige Lücke im Staatsbudget.
       Die Soldaten der Armee seien seit mehr als einem Jahr nicht bezahlt worden,
       die Truppen hätten kein Benzin für die Fahrzeuge, keinen Nachschub. Die
       Folge: „Sie reagieren nur noch zur Selbstverteidigung“, so Yakani.
       
       Auch die UN-Mission im Südsudan (UNMISS) hat Kapazitätsprobleme. Im
       Dezember kündigte UNMISS an, sie müsse bis zu 20 Prozent des Budgets
       einsparen und zahlreiche UN-Stationen im Südsudan schließen. Im betroffenen
       Bezirk Ruweng unterhalten UN-Blauhelme noch eine kleine Basis. Dort suchen
       nun rund 1.000 Zivilisten Schutz, gibt UNMISS in einer Erklärung an.
       UN-Mitarbeiter leisteten medizinische Notfallversorgung für die Verletzten.
       „Diese Gewalt gefährdet die Zivilbevölkerung massiv und muss sofort
       aufhören“, stellte UNMISS-Chefin Anita Kiki Gbeho am Montag klar.
       
       Menschenrechtsaktivist Yakani befürchtet hingegen, dass es nun demnächst zu
       weiteren Racheattacken kommen wird, um das Massaker vom Sonntag zu rächen.
       
       3 Mar 2026
       
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