# taz.de -- Streit um das ehemalige SEZ in Berlin: Bezirk stoppt den Abriss
> Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg setzt den Abriss des SEZ aus.
> Grund seien artenschutzrechtliche Bedenken.
(IMG) Bild: Gibt es doch noch ein Happy End am ehemaligen SEZ?
dpa | Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg hat den geplanten Abriss des
ehemaligen Sport- und Erholungszentrums (SEZ) gestoppt. Grund seien
artenschutzrechtliche Bedenken, teilte die Behörde mit. Auf dem Gelände
neben dem Volkspark Friedrichshain sollen ab Jahresende eigentlich mehr als
650 neue Wohnungen gebaut werden.
Beantragt hatten den Stopp der Abrissarbeiten, die Anfang März beginnen
sollen, die Verbände NaturFreunde Berlin und Gemeingut in BürgerInnenhand.
Sie wollen das zu DDR-Zeiten als Prestigeprojekt erbaute SEZ auch erhalten,
weil es für viele Menschen aus Ostdeutschland große emotionale Bedeutung
habe. Viele Bürger fühlten sich übergangen und missachtet.
Bausenator Christian Gaebler (SPD) äußerte sich im Abgeordnetenhaus
kritisch über den verfügten Abriss-Stopp, mit der nach seinen Worten unter
anderem Zwergfledermäuse geschützt werden sollen. Die landeseigene
Wohnungsbaugesellschaft WBM wolle dort bezahlbaren Wohnraum schaffen, zudem
seien eine Sporthalle und eine Schule geplant. Er sei nicht der Meinung,
dass man mit dem wichtigen Projekt noch jahrelang warten könne.
Uwe Hiksch von den NaturFreunden erklärte dagegen, auch beim Umwelt- und
Artenschutz müssten sich die WBM und das Land Berlin an die Gesetze halten.
„Der Abriss würde dazu führen, dass streng und besonders geschützte Arten
einem signifikant erhöhten Tötungsrisiko ausgesetzt sind, dass diese Arten
in der ab März beginnenden Balz-, Brut- und Aufzuchtzeit gestört werden,
dass geschützte Lebensstätten beschädigt oder zerstört werden.“
## Einst beliebter Treffpunkt
Das Sport- und Erholungszentrum war 1981 eröffnet worden. Ein Wellenbad,
eine Eisbahn, eine Bowlingbahn und Sporthallen zogen Millionen Besucher an.
Das Grundstück und das Freizeitbad wurden 2003 vom Land Berlin an einen
Investor verkauft. Nach einem jahrelangen Rechtsstreit wurde das SEZ 2024
zwangsgeräumt.
In den vergangenen Wochen war das SEZ-Areal mehrfach in die Schlagzeilen
geraten. Ende November hatten dort Baggerarbeiten begonnen, die vom Bezirk
gestoppt wurden. Die WBM argumentierte, es habe sich nur um Vorbereitungen
des späteren Abrisses gehandelt. Anfang Dezember forderten mehr als 150
Wissenschaftler in einem offenen Brief den Erhalt des SEZ – wie zuvor schon
eine Bürgerinitiative.
Der Sprecher für Stadtentwicklung der Grünen im Abgeordnetenhaus, Julian
Schwarze, nannte den Abriss-Stopp richtig. Er verschaffe Zeit, um das SEZ
zu retten. Es wäre ein großes Signal für den Erhalt wichtiger Sport- und
Freizeitangebote in Friedrichshain, schrieb sie. „Zugleich zeigen neue
Vorschläge, dass auch die geplante Anzahl an Wohnungen erreichbar bleibt.“
Der Sprecher von Gemeingut, Carl Waßmuth, erklärte, der Baustopp gebe auch
dem Landesdenkmalamt die Möglichkeit, seine bisherige Position zu
korrigieren und das SEZ umgehend in die Liste der Denkmäler Berlins
aufzunehmen – genauso wie im Westen der Teufelsberg unter Schutz gestellt
wurde und das ICC.
Das geplante neue Quartier soll im Innenbereich autofrei sein. Neben einer
Schule und Sportangeboten ist der WBM zufolge außerdem ein sogenannter
Historien-Parcours geplant, der die Geschichte des Standorts „erlebbar“
machen soll. Unter anderem sollen Bauelemente des früheren SEZ wie
Fachwerkstützen der ehemaligen Schwimmhalle und charakteristische
Gestaltungselemente als „historische Zeichen“ erhalten werden.
27 Feb 2026
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