# taz.de -- Island und die EU: Macht sich Reykjavík auf den Weg nach Brüssel?
> Die Isländer könnten bereits in diesem Jahr in einem Referendum über
> einen EU-Beitritt abstimmen. Ein Streitpunkt bleibt die Fischereipolitik.
(IMG) Bild: Die isländische Ministerpräsidentin Kristrún Frostadóttir (l.) und der polnische Ministerpräsident Donald Tusk in Warschau
Donald Tusk hat jedenfalls keine Zweifel: Island gehört in die EU. Und
Polen sei bereit, den kleinen arktischen Inselstaat auf dem Weg dorthin zu
unterstützen. Diese Botschaft gab der polnische Regierungschef seinem
Besuch aus Reykjavík diese Woche mit auf den Weg.
Die Botschaft von [1][Ministerpräsidentin Kristrún Frostadóttir] in
Warschau: Wir befragen erst mal das Volk. Ihre Regierung bereite in den
kommenden Monaten ein Referendum über eine mögliche Wiederaufnahme von
Beitrittsverhandlungen vor. Am Donnerstag bestätigte ein Sprecher des
Außenministeriums der Nachrichtenagentur AFP, dass noch im Frühjahr ein
Termin dafür festgelegt werden solle.
Damit nimmt das Thema Fahrt auf – bislang war die Abstimmung noch vage für
„spätestens 2027“ geplant. Frostadóttir nehme das Interesse aus der EU an
einer Mitgliedschaft ihres Landes wahr, das sagte sie nach ihrer
Warschau-Reise dem isländischen Rundfunk RÚV.
Aber sie weiß auch: So einfach, wie Tusk es klingen ließ, ist es nicht. Die
Ministerpräsidentin betonte, Island werde der EU „nicht zu beliebigen
Bedingungen“ beitreten. „Wenn wir diese Reise antreten, müssen wir eine
gute Einigung sichern.“ Sie hob zugleich hervor, dass dem polnischen
Ministerpräsidenten mit seiner langjährigen EU-Erfahrung offenbar bewusst
sei, welche Bedeutung es für Island habe, seine besondere Position zu
behalten.
## Zu große Bedenken
[2][Die Sozialdemokratin Frostadóttir und ihre Koalition mit der liberalen
Reformpartei und der populistischen Volkspartei regieren seit den Neuwahlen
Ende 2024]. Zu den Plänen gehörte von Anfang an, in einer Volksabstimmung
zu klären, ob das Land einen neuen Anlauf für EU-Beitrittsverhandlungen
unternehmen soll. Dessen Ausgang werde sie respektieren, sagte Frostadóttir
nun RÚV.
Island war bereits einmal auf dem Weg in die Europäische Union – aber 2010
gestartete Beitrittsgespräche wurden 2013 unterbrochen. Schließlich zog
Reykjavík den Beitrittsantrag zurück. Zu groß waren im Land die Bedenken,
zu viel an Eigenständigkeit aufzugeben.
Ein zentrales Thema ist aus isländischer Sicht die Fischereipolitik.
Fischerei und Landwirtschaft sind derzeit ausgenommen von der bereits sehr
engen Anbindung der Insel an die EU – wie Norwegen und Liechtenstein gehört
Island zum Europäischen Wirtschaftsraum.
Im Zuge der sich verändernden sicherheitspolitischen Weltlage der
vergangenen Jahre wird das Thema Mitgliedschaft wieder neu diskutiert.
Einigkeit herrscht dazu im Land aber weiterhin nicht. Frostadóttir gibt
sich gelassen: „Island hat viele Möglichkeiten“, sagte sie dem RÚV,
„unabhängig davon, ob wir der Europäischen Union beitreten oder nicht.“
27 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Anne Diekhoff
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