# taz.de -- Youngster im Billard: Senkrechtstarter und Gentleman
       
       > Bei der traditionsreichen Dreiband-Team-WM in Viersen ruhen die deutschen
       > Hoffnungen auf einem sehr ungleichen Paar.
       
 (IMG) Bild: Räumt die Kugeln ab: Amir Ibraimov
       
       Es gibt nicht so viele Wettbewerbe, in denen ein 55-jähriger Routinier und
       ein 17-jähriger Youngster ein aussichtsreiches Duo abgeben können. Doch bei
       der Dreiband-Team-WM in Viersen ist genau das zu erleben.
       
       Hier darf Amir Ibraimov ein Jahr vor dem geplanten Abitur an der
       Sportschule Duisburg mit Martin Horn die Farben der [1][Deutschen
       Billard-Union (DBU)] vertreten. Das ist ihm schon deshalb „eine Ehre“, wie
       er [2][in einer Videobotschaft] betont, weil er sich bei den drei Spielen
       in der Gruppe B (gegen Frankreich, Vietnam und Mexiko) mit der aktuellen
       Nr. 4 der Senioren-Weltrangliste verbünden kann. Außerdem hat er seinen
       WM-Einstand im letzten Jahr als „schönstes Turnier, das ich je in meinem
       Leben gespielt habe“, in Erinnerung.
       
       Dreiband? Das ist die anspruchsvollste Spielart im Karambol-Billard, weil
       der Spielball hier auf seinem Weg zu den beiden Zielkugeln über eben diese
       Anzahl an Banden laufen muss. Um das so hinzukriegen, müssen nicht nur
       dessen Lauf, sondern auch Einfall- und Auslaufwinkel sowie Effets genau
       kalkuliert werden. Dafür braucht es eine gute Hand-Auge-Koordination, jede
       Menge Antizipation sowie ein kreatives Spiel.
       
       Und Viersen: ist jene kreisangehörige Stadt am Niederrhein, die anderswo
       meist nur im regionalen Bezug zu Krefeld und Mönchengladbach verortet wird.
       Dabei müsste sie natürlich in einem Atemzug mit London genannt werden, denn
       zur 35. Auflage gilt das WM-Turnier im zeitlos-schmucken Ernst-Klusen-Saal
       der Festhalle inzwischen als „[3][Wimbledon des Billardsports]“, wie es
       gelegentlich heißt.
       
       ## Wie Wimbledon, aber keine Erdbeeren
       
       Erdbeeren gibt es so kurz nach Karneval nicht, aber 16 Zweier-Teams aus
       drei Kontinenten, die in vier Gruppen gegeneinander antreten, um die
       jeweiligen Tabellenersten und -zweiten zu ermitteln. Diese tragen die
       Viertel- und Halbfinals sowie das Finale am Wochenende unter sich aus.
       
       Dabei herrscht schon traditionell eine dezente Atmosphäre, die sich von den
       Klatschpappenorgien anderer Sportevents deutlich unterscheidet: Es wird
       allenfalls ein- oder zweimal mit den Fingern geschnipst, wenn auf den grün
       bespannten Tischen etwas Formidables passiert ist. Ansonsten ist Ruhe
       angesagt, damit sich die Queue-Artisten in den 40 Sekunden, die sie bis zum
       definitiven Stoß haben, angemessen sortieren können.
       
       Bis einer sein Spiel so gut zusammenbringt, dass er der Weltelite hier auf
       Augenhöhe begegnen kann, braucht es normalerweise mehr als 16, 17 Jahre –
       Amir Ibraimov hat es trotzdem so schnell geschafft. Er ist in einer
       deutschen Familie mit mazedonisch-kosovarischen Wurzeln groß geworden, in
       der Billard zum Alltag gehört.
       
       Vater Bayram hat einst in der Bundesliga reüssiert, der ältere Bruder Ali
       (22) nahm ebenfalls schon an internationalen Turnieren teil. In deren
       Windschatten hat sich Amir beim MBC Duisburg zum Großtalent entwickelt:
       feste Größe für die Bundesligapartien des BC Weyhausen, Vizeweltmeister
       seiner Altersklasse sowie Nr. 6 der Junioren-Weltrangliste.
       
       Dafür steht der freundlich-eloquente Youngster mit der Stirnbürste nach der
       Schule oft sechs Stunden am Spieltisch. Aber aller Trainingsfleiß und
       selbst das höchste Ausgangstalent machen im Wettkampf für ihn nicht den
       Unterschied aus. „Ab einem bestimmten Niveau entscheiden mentale Stärke
       über Sieg und Niederlage“, ist Ibraimov Jr. überzeugt. Und wo ließen sich
       solche Qualitäten besser überprüfen als auf dem Centre Court von Viersen –
       in Duellen mit den besten Senioren, bei denen er im letzten Jahr, als
       16-jähriger Reservist, „großartige Erfahrungen“ und tatsächlich ein Match
       gewonnen hat?
       
       Martin Horn will vor der Auftaktpartie gegen Frankreich (Donnerstag 16 Uhr)
       jedenfalls nicht mulmig zumute sein. „Ich fühle mich total wohl an deiner
       Seite“, versicherte er seinem Juniorpartner in der erwähnten
       Videobotschaft. Er ist überzeugt, dass Ibraimov schon in diesem Jahr „eine
       großartige Leistung“ abrufen kann.
       
       Der vielgeprüfte Leistungsgarant aus Essen betrachtet den Vorzeigesaal der
       Festhalle längst als „mein privates Wohnzimmer“. Hier hat er etwa ebenso
       oft gefeiert wie gelitten. Wobei der ultimative Triumph schon 23 Jahre her
       ist. Damals gewann Horn, damals noch ohne Brille, mit dem jetzigen
       Teamcoach Christian Rudolph den bisher letzten von vier WM-Titeln.
       
       26 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://billard-union.net/
 (DIR) [2] https://www.instagram.com/amir.ibraa/
 (DIR) [3] https://billard1.net/2026-02-16/#:~:text=Mal%20in%20Folge%20an%20diesem%20traditionsreichen%20Spielort,Nationen%20treten%20in%20vier%20Vorrundengruppen%20gegeneinander%20an.
       
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