# taz.de -- Armin Petras wird Intendant an der Weser: Theater Bremen setzt auf Establishment
> Armin Petras wird ab der Spielzeit 2027/28 Intendant am Theater Bremen.
> Die Wahl folgt der Idee des „Weiter so“. Das finden längst nicht alle
> gut.
(IMG) Bild: Vielbeschäftiger Autor und Regisseur und ab 2027 Intendant am Bremer Theater: Armin Petras
Die ganz große Zeit des Bremer Theaters liegt lange zurück, damals hieß der
Intendant Kurt Hübner, es waren die 1960er Jahre, und Hübners frischer Wind
blies einem bürgerlichen Publikum so nachhaltig ins Gesicht, dass das Ganze
als „Bremer Stil“ in die Theatergeschichte einging. Bremen war damals der
Ort der jungen Wilden. Natürlich können aktuelle Personalentscheidungen
nicht dieser Blaupause folgen – dazu haben sich die Rahmenbedingungen für
das Theater zu sehr verändert.
Und dennoch wirkt die Entscheidung, dass Armin Petras ab der Spielzeit
2027/28 Intendant am Theater Bremen wird, einigermaßen mutlos. Petras
startete seine Karriere zwar als Vertreter einer neuen Generation, damals
in den 1990er Jahren, als er, in Ostberlin sozialisiert und ausgebildet,
die gesamtdeutschen Bühnen aufmischte mit wilden Inszenierungen eigener
Texte und unbekümmerten, bunt-spektakulären Zugriffen auf die Klassiker.
Mittlerweile aber gehört der 62-jährige zum Theater-Establishment im
Segment „Stabile Eigenmarke“.
Petras ist ein Promi, der unter dem Pseudonym Fritz Kater seit vielen
Jahren selbst Stücke schreibt und diese ebenso wie Romanadaptionen und
Klassiker an zahllosen Bühnen inszeniert – für ein Publikum, das sich in
zwei Lager teilt: Die einen feiern seine moralisch angelegten,
linkspolitischen Arbeiten, die anderen finden sie langweilig bis ärgerlich
in ihrer Selbstgerechtigkeit.
Bremens Findungskommission folgt mit der Entscheidung für Petras der Idee
des „Weiter so“: Von 2018 bis 2022 war Petras bereits Hausregisseur am
Bremer Theater, der [1][damalige Intendant Michael Börgerding] schätze ihn
sehr und stand ihm auch zur Seite, als [2][Rassismusvorwürfe gegen ihn
erhoben wurden. ]
## Theater an den Rändern der Stadt
Die gingen damals aus von dem jungen Schauspieler Ron Iyamu, einem Actor of
colour, der in Petras’ Inszenierung von „Dantons Tod“ am Düsseldorfer
Schauspielhaus die Rolle „Toussaint Louverture, ein ehemaliger Sklave“
innehatte. Petras sprach ihn bei den Proben mehrfach als „Sklave“ an, was
Iyamu in seine Diplomarbeit über Rassismus in der deutschen Schauspielszene
aufnahm und was damit große Wellen schlug.
Petras entschuldigte sich, betonte die Wichtigkeit, sich heutzutage
antirassistisch zu verhalten, und bezeichnete es als seinen Hauptfehler, in
der Probenaufgeregtheit den langen Namen der Rolle so verkürzt zu haben,
dass am Ende das Gegenteil herauskam: „Ein Fehler, der nichts mit angeblich
behaupteter Provokation oder Übergriffigkeit zu tun hat, sondern mit
Dummheit, Nachlässigkeit, Ignoranz …“
Dazu passt, wie Petras gegenüber „Buten un binnen“ seine Arbeitsweise
beschrieb, nämlich als „schnell, manchmal zu schnell“. Er kündigte an, das
Theater weiter zu öffnen und die „Schwellenängste zu anderen
Publikumsschichten“ zu verringern. Er wolle neue Formate einführen und an
die Ränder der Stadt gehen. Alles Dinge, die ein modernes Stadttheater tun
muss, um nicht in Vergessenheit zu geraten außerhalb der Stammkundschaft,
die immer älter wird.
Seine [3][letzte Intendanz] hatte Armin Petras übrigens am Staatstheater
Stuttgart. Da ging er hin, weil er zuvor am Berliner Maxim-Gorki-Theater
mit der [4][dortigen finanziellen Ausstattung nicht mehr arbeiten wollte].
Gut, dass er Bremen schon kennt. Dann kann er nachher nicht sagen, er hätte
nicht gewusst, was ihn erwartet.
27 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Klaus Irler
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