# taz.de -- Zellulosewerk in Galicien: Umweltschützer feiern das Aus des Megaprojekts
       
       > Das Unternehmen Altri wollte im spanischen Ulloa im großen Stil
       > Zellstoffe für die Textilindustrie produzieren. Warum das nun vom Tisch
       > ist – erst mal.
       
 (IMG) Bild: Erfogreiche Proteste: Auch im Juni 2025 gingen die Menschen auf die Straße, um gegen ein riesiges Zellulosewerk zu protestieren
       
       Die Umweltbewegung im nordwestspanischen Galicien kann sich einen wichtigen
       Sieg auf die Fahne schreiben. Der konservative Chef der Regionalregierung,
       Alfonso Rueda, bestätigt, dass das Genehmigungsverfahren für ein riesiges
       Zellulosewerk im kleinen Ort Palas de Rei in der Provinz Lugo zu den Akten
       gelegt wird. Diese Entscheidung kommt nach jahrelangen Protesten für ein
       [1][„Ulloa Viva“] – ein „Lebendiges Ulloa“. Ulloa lautet der Name der
       Region, wo das Werk entstehen sollte.
       
       Das portugiesische Unternehmen Altri „erhält keine Entschädigung“, sagte
       der Regionalpräsident. In den vergangenen Jahren pries er das Werk, das er
       jetzt nicht genehmigt, immer wieder als „strategisch wichtig“ an. Die
       Schuld an der Ablehnung habe, so Rueda, die spanische Zentralregierung. Der
       öffentliche Netzbetreiber Red Eléctrica Española (REE) würde Altri keinen
       Anschluss legen. Ein Netzausbau für die Provinz Lugo sei bis mindestens
       2030 nicht vorgesehen. Die Altri-Geschäftsführung habe, trotz Aufforderung,
       keinen Plan B vorgelegt.
       
       Das Werk, das von [2][Greenfiber], einer Tochter des Zellstoffkonzerns
       Altri, betrieben werden sollte, war für eine Jahresproduktion von 200.000
       Tonnen Lyocell, einer Naturfaser aus Zellstoff, konzipiert. Diese Fasern
       sollten an die Textilindustrie geliefert werden. Zusätzlich sollten 200.000
       Tonnen unverarbeiteter Zellstoff produziert werden. Galicien und das
       angrenzende Portugal weisen [3][riesige Eukaplyptus-Monokulturen] auf, die
       einheimische Wälder verdrängt haben. Auch Greenfiber wollte dieses Holz
       verarbeiten.
       
       „Die Ankündigung der galicischen Regierung ist ein großer Erfolg, den wir
       feiern müssen“, heißt es in einer Erklärung der Umweltorganisation
       [4][Ecologistas en Acción]. Seit 2022, als die Pläne bekannt wurden, kam es
       immer wieder zu großen Protesten – auch entlang des Flusses Ulla, eines
       Nebenfluss des Arosa, der in den Atlantik fließt. Dort machten auch Fischer
       und Muschelsammlerinnen gegen Altri mobil.
       
       ## Altri versprach 2.500 Arbeitsplätze
       
       Das Unternehmen wollte jährlich 46 Millionen Liter Wasser aus dem Ulla
       entnehmen. 30 Millionen Liter sollen nach der Produktion in den Fluss
       zurückgeleitet werden. Über einen 75 Meter hohen Schornstein sollten Abgase
       des Werkes ausgestoßen werden. Diese hätten – das gestand sogar Altri ein –
       trotz Reinigung Reste an Schwefel, Stickoxiden und Kohlenmonoxid sowie
       Staub enthalten.
       
       Altri, das unweit der Grenze in Portugal bereits ein großes Zellulosewerk
       unterhält, versprach 2.500 Arbeitsplätze für die Region Ulloa. Doch auch
       das beendete die Proteste nicht. Denn Arbeitsplätze braucht es keine. Die
       Region widmet sich [5][vor allem der Viehzucht und Landwirtschaft]. Viele
       Betriebe sind Ökobetriebe. Außerdem führt der Jakobsweg durch Ulloa, Pilger
       und andere Touristen bringen Einnahmen. Und in den letzten Jahren haben
       sich einige junge Familien niedergelassen, die ihren Lebensunterhalt im
       Homeoffice verdienen.
       
       Die Sprecherin der Bürgerinitiative Ulloa Viva, Marta Gontá, zeigt sich
       zufrieden, warnt aber: „Das ist noch nicht vorbei.“ Die Regionalregierung
       habe den Antrag zwar zu den Akten gelegt, aber die Möglichkeit für einen
       neuen Antrag offen gelassen.
       
       Ulloa Viva, die die Proteste gegen die Pläne anführte, will die
       Gerichtsverfahren gegen ein positives Umweltgutachten weiterführen, das die
       galicische Regionalregierung ausgestellt hatte. Dabei geht es vor allem um
       die Frage der Wasserentnahme für die Zellstoffproduktion. Das Ziel von
       Ulloa Viva: jegliche Möglichkeit einer Wiederaufnahme dieses Projekts zu
       verhindern. „Altri wird in Ulloa nie Realität werden. Denn so haben wir es
       alle gemeinsam beschlossen“, zeigt sich Gontá in einem Beitrag in der
       Tageszeitung El País kämpferisch.
       
       25 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://plataformaulloaviva.com/
 (DIR) [2] https://greenfiber.es/
 (DIR) [3] /Papierproduktion-in-Brasilien/!6060572
 (DIR) [4] https://www.ecologistasenaccion.org/
 (DIR) [5] /Saisonarbeit/!6115004
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Reiner Wandler
       
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