# taz.de -- ICE in Minnesota: Politik verrutscht Stück für Stück
> Ohne Druck von unten wären die ICE-Truppen wohl nicht aus Minnesota
> abgezogen worden. Ein Sieg der Zivilgesellschaft. Die brauchen wir auch
> hier.
(IMG) Bild: „ICE Out“: Protest nach der Erschießung der US-BürgerInnen Renee Nicole Good und Alex Pretti durch ICE-Agenten in Minneapolis
In Minnesota haben wochenlange Demonstrationen die US-Regierung gezwungen,
700 Grenzschutzbeamte aus Minneapolis abzuziehen und die [1][ICE-Razzien]
zu beenden. Vorausgegangen waren brutale Einsätze, bei denen Beamte auch
zwei US-Bürger*innen erschossen haben: Renée Good und Alex Pretti. Erst
nach landesweiten Protesten kam die „Kursanpassung“: Trump sagte, man könne
„etwas sanfter vorgehen“. Als wäre das Problem der Ton gewesen, nicht die
Schüsse.
Nein, ICE ist nicht aus dem ganzen Land verschwunden. Nein, die
Abschiebepolitik ist damit auch nicht beendet. Und nichts an dieser
Geschichte ist zu romantisieren. Zwei Menschen wurden getötet, ihre
Familien trauern. Gleichzeitig steht da ein politischer Fakt: Ohne Druck
von unten hätte es wohl keinen Abzug gegeben. Es ist ein kleiner Sieg der
Zivilgesellschaft.
Wer sich hierzulande beruhigt zurücklehnt und denkt, solche Zustände seien
„amerikanische Verhältnisse“ und betreffen uns nicht, verkennt die Dynamik.
Die [2][AfD fordert ein deutsches ICE], eine Behörde, die härter und
rücksichtsloser abschiebt, als es gerade ohnehin in Deutschland passiert.
Und wir haben in den letzten Jahren erlebt, wie migrationsfeindliche
Forderungen der AfD Stück für Stück ins politische Zentrum wandern.
Forderungen der AfD werden wenige Jahre später von der Union übernommen und
selbst die damalige „Fortschrittskoalition“ aus SPD, Grünen und FDP hat
diese dann umgesetzt, beispielsweise mit der Einführung der Grenzkontrollen
– auf deren Grundlage heute rechtswidrige Zurückweisungen von Union und SPD
vollzogen werden. Politik verschiebt sich nicht sprunghaft, sondern rutscht
Zentimeter für Zentimeter, bis man plötzlich in faschistischen Zuständen
steht.
Die einzige Kraft, die das verhindern kann, ist die aktive
Zivilgesellschaft. Minnesota zeigt zweierlei: wie schnell staatliche Gewalt
eskalieren kann und wie stark die Zivilgesellschaft ist, wenn sie sich
nicht einschüchtern lässt. Menschen sind auf die Straße gegangen, obwohl
sie wussten, was auf dem Spiel steht. Sie haben nicht akzeptiert, dass Tod
und [3][Abschreckung zur Migrationspolitik] gehören.
Aus Prinzip Hoffnung zu haben heißt, Macht nicht für naturgegeben zu
halten. Zu wissen, dass Regierungen reagieren, wenn der Druck groß genug
wird. Und es heißt, früh zu widersprechen, bevor aus Forderungen Realität
wird.
22 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Daniela Sepehri
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