# taz.de -- Landtagswahl Baden-Württemberg: Kommt Boris Palmer mit dem Kettensägle?
       
       > Grünen-Kandidat Cem Özdemir kokettiert mit einem Posten für Boris Palmer.
       > Aber welchem? Im Gespräch ist jetzt eine Rolle als schwäbischer Elon
       > Musk.
       
 (IMG) Bild: Wenn der Boris mit dem Cem – Hochzeit oder Kettensäge?
       
       Es war ein launiger Abend über Kommunalpolitik und Bürokratieabbau, in der
       Schulaula von Weil der Stadt im Landkreis Böblingen am Rosenmontag. Auf der
       Bühne: Ryyan Alshebl, syrischstämmiger Bürgermeister des schwäbischen
       Örtchens Ostelsheim, der sein Buch promotete. Grünen-Spitzenkandidat Cem
       Özdemir, der seine Wahlkampfbotschaften unterbrachte. Und der Tübinger
       Oberbürgermeister Boris Palmer, für seine Verhältnisse milde gestimmt.
       
       Als das Publikum gerade zum Schluss-Applaus ansetzt, spricht Alshebl doch
       noch den Elefanten an, der schon den ganzen Abend im Raum stand. Nur noch
       eine Frage sei offen, bemerkt der Bürgermeister, der bereits ein wenig die
       Mundart seiner Gemeinde angenommen hat: „Wird der Boris nun Minister oder
       nicht?“
       
       Damit ist die spannendste Frage im bisher themenarmen
       baden-württembergischen Wahlkampf gestellt. Wenn Özdemir Ministerpräsident
       werden sollte, was wird dann Boris Palmer?
       
       Palmer ist für viele Grüne ein rotes Tuch, für viele Bürgerliche bis Rechte
       ein Held oder zumindest der einzig Akzeptable im grünen Lager. Özdemir, der
       sich in seinem Wahlkampf von der Partei im Bund geradezu aufreizend offen
       distanziert, kokettiert ganz gezielt mit dem grünen Enfant Terrible, um
       sein Wählerreservoir über die liberale Mitte hinaus auszudehnen.
       
       ## Eine lange Geschichte
       
       Özdemir weiß, was er sich mit Palmer einhandelt. Die beiden kennen sich
       seit den späten 80er Jahren. Özdemir bewunderte Palmers Scharfsinn bei der
       [1][Schlichtung von Stuttgart 21]. Er war aber auch wütend über Palmers
       rassistische Ausfälle, die, wie er anmerkte, auch ihn und seine Kinder
       betrafen. Palmer solle ihm doch seine Facebook-Einträge bitte vorher
       zeigen, schlug Özdemir öffentlich vor.
       
       Aber Özdemir kennt eben auch Palmers Potenzial als [2][tatkräftiger,
       prominenter Kommunalpolitiker], von denen es in der grünen Partei nicht
       eben viele gibt. Und so ließ sich bei einem Wahlkampftermin im Januar der
       grüne Spitzenkandidat vom ex-grünen Kommunalpolitiker die [3][ausgefuchste
       Energieversorgung] aus Photovoltaik und Batteriespeichern in Tübingen
       erklären.
       
       Danach grinsten beide beim örtlichen Bäcker in die zahlreichen Kameras und
       hatten offenbar Spaß an den Spekulationen, die das auslöste: „Die grüne
       Familie ist eben größer als die grüne Partei“, erklärte Özdemir vielsagend.
       Und Palmer, sagte er, stehe gerade nicht auf der Tagesordnung.
       
       Aber schon am Valentinstag tauchte der Tübinger OB wieder auf. Da ließen
       sich Özdemir und seine Lebensgefährtin Flavia Zaka im Rathaus von Boris
       Palmer trauen. Özdemir beteuerte, die Hochzeitspläne sollten geheim
       bleiben. Und um die Presse auszutricksen und Fotos zu verhindern, heiratete
       das Paar kurz nach Mitternacht. Aber die Nachricht war in der Welt:
       [4][Palmer traut die Özdemirs.]
       
       ## Eine schwäbische DOGE?
       
       Ende Januar erschien eine [5][Umfrage] im Auftrag der dpa. Mehr als ein
       Drittel der Bürger im Südwesten wünschen sich demnach, dass Palmer eine
       Rolle in der Landespolitik spielt. Aber ist das überhaupt vorstellbar:
       Palmer als parteiloser Minister einer grün-schwarzen Koalition? Bei der CDU
       vielleicht schon, sie hatten ihm schon mal den Eintritt in die Partei
       angeboten. Aber bei den Grünen im Südwesten könnte das für Unmut sorgen.
       
       Zum einen wegen Palmers Äußerungen, aber auch, weil sich in der Fraktion
       natürlich auch andere für höchst ministrabel halten. Er sei einfach nicht
       berechenbar, heißt es, ließe sich in keine Kabinettsdisziplin einbinden.
       „Palmer als regulärer Minister, das würde uns als Partei zerreißen“, sagt
       ein Abgeordneter, der nicht mehr antritt.
       
       Was sich dagegen sogar Parteilinke vorstellen können: Dass Palmer eine
       Rolle bekommt, wie sie kurzzeitig Elon Musk bei Donald Trump hatte. Palmer
       als Chef eines schwäbischen [6][DOGE], als Sonderbeauftragter für
       Bürokratieabbau und Sanierung der Kommunen. Palmer mit dem Kettensägle? Das
       wäre dem Temperament und den Fähigkeiten des Tübingers auf den Leib
       geschrieben, findet mancher, der kein Fan von Palmer ist. „Damit ginge
       vielleicht was voran“, sagt auch ein Parteimitglied anerkennend nach dem
       Abend in Weil der Stadt.
       
       ## Option in der Verfassung
       
       Tatsächlich sieht die baden-württembergische Landesverfassung solch einen
       Posten vor. Jeder Ministerpräsident kann einen ehrenamtlichen Staatsrat
       berufen, der eine besondere Aufgabe erfüllen soll. Winfried Kretschmann hat
       erst seine politische Weggefährtin Giesela Erler und dann die frühere
       parteilose Bürgermeisterin von Reutlingen, Barbara Bosch, zur
       1-Euro-[7][Staatsrätin] berufen, um neue Formen der Bürgerbeteiligung zu
       etablieren.
       
       Im Fall seiner Wahl könnte nun Özdemir Palmer als Staatsrat berufen. Durch
       seine Bürgermeister-Pension wäre er für den ehrenamtlichen Posten auch
       finanziell ausgestattet. Bestätigen will die Idee natürlich keiner. Da wird
       viel vor der Verteilung von Bärenfellen vor der Erlegung gewarnt. Aber eins
       hat Özdemir schon mal angekündigt: Entbürokratisierung würde mit ihm
       Chefsache.
       
       Und Palmer, wie er in der Schulaula erzählt, kennt sich als Sohn eines
       Apfelbauern mit dem Beschnitt von Auswüchsen bestens aus. Sein Vater, der
       legendäre Remstalrebell [8][Helmut Palmer], habe immer gesagt: Beim
       Baumschnitt sei es wie in der Politik: „Damit die unten Licht kriegen, muss
       man die oben stutzen.“
       
       20 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Schlichtungsgespraeche-in-Stuttgart/!5131465
 (DIR) [2] /Wohnraum-schaffen-in-Tuebingen/!5577403
 (DIR) [3] /Photovoltaikpflicht-in-Tuebingen/!5515715
 (DIR) [4] https://www.spiegel.de/panorama/cem-oezdemir-heiratet-flavia-zaka-am-valentinstag-im-tuebinger-rathaus-a-305de5a1-0811-4d96-88aa-e1862c6369c4
 (DIR) [5] https://www.zeit.de/news/2026-01/27/umfrage-jeder-dritte-wuenscht-sich-palmer-in-landespolitik
 (DIR) [6] /Kahlschlag-in-den-USA/!6071228
 (DIR) [7] /Keine-Angst-vor-den-BuergerInnen/!5763599&s=erler+kretschmann/
 (DIR) [8] https://www.staatsanzeiger.de/nachrichten/politik-und-verwaltung/wie-das-erbe-des-remstal-rebellen-helmut-palmer-weitergetragen-wird/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Benno Stieber
       
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