# taz.de -- Machtkampf in den Philippinen: Duterte-Tochter Sara will Präsidentin werden
       
       > Die mit Präsident Marcos verfeindete Sara Duterte kündigt zwei Jahre vor
       > den Wahlen ihre Kandidatur an. So will sie ein Amtsenthebungsverfahren
       > aushebeln.
       
 (IMG) Bild: Sara Duterte bei der Ankündigung ihrer Präsidentschaftskandidatur für 2028 am Mittwoch
       
       „Ich biete mein Leben, meine Kraft und meine Zukunft für den Dienst an
       unserer Nation“, erklärte die 47-jährige Sara Duterte voll Pathos am
       Mittwoch im philippinischen Fernsehen. „Ich kandidiere für die
       Präsidentschaft der Philippinen.“
       
       Die älteste Tochter des früheren populistischen Präsidenten Rodrigo
       Duterte, der derzeit wegen Tötung Tausender angeblicher Drogendealer in
       seiner Amtszeit (2016-2022) in [1][U-Haft des Internationalen
       Strafgerichtshofs in Den Haag] wartet, ist nicht nur seine politische
       Erbin, sondern seit 2022 bereits die gewählte Vizepräsidentin des Landes.
       
       Schon damals hatte sich ihr Vater zunächst Hoffnungen gemacht, dass sich
       seine Tochter um seine direkte Nachfolge bewerben würde. Denn das war ihr
       in seiner Heimatstadt Davao schon erfolgreich als Bürgermeisterin gelungen.
       
       Doch stattdessen kandidierte Sara Duterte nur als Stellvertreterin des
       Diktatorensohns Ferdinand „Bongbong“ Marcos Jr. für die
       Vizepräsidentschaft. Die beiden verbündeten Familienclans Marcos und
       Duterte siegten erdrutschartig, doch hielt das Zweckbündnis nicht einmal
       das erste Jahr der sechsjährigen Amtszeit.
       
       ## Familienstreit
       
       Inzwischen sind die beiden Politdynastien heftig zerstritten. Sara Dutertes
       Ankündigung ihrer Kandidatur ging denn auch wieder mit heftigen Angriffen
       gegen Präsident Marcos einher. Der habe schon frühzeitig seine
       Wahlversprechen gebrochen und sei [2][korrupt]. Explizit entschuldigte sie
       sich dafür, Marcos unterstützt zu haben.
       
       In der Vergangenheit hatten sich die beiden Spitzenpolitiker sogar schon
       mit großer Theatralik verklausuliert [3][mit Mord gedroht]. Duterte drohte
       Marcos zudem, die sterblichen Überreste seines Vaters, des Diktators
       Ferdinand Marcos, auszugraben und den Fischen in der Bucht von Manila zum
       Fraß vorzuwerfen.
       
       Umgekehrt sorgte Marcos Jr. dafür, dass sein Vorgänger und Dutertes Vater
       in einem überraschenden Manöver vor knapp einem Jahr [4][an den
       Strafgerichtshof in Den Haag ausgeliefert] wurde. Dabei hatte der
       inzwischen 80-Jährige als Präsident eigens die Anerkennung des Gerichts
       durch die Philippinen aufgekündigt. [5][Und auch unter Marcos geht die
       Politik der Tötungen angeblicher Drogendealer weiter, wenngleich
       vermindert].
       
       Darüber hinaus überziehen sich Präsident und Vizepräsidentin mit
       gegenseitigen [6][Amtsenthebungsverfahren]. Das ihres politischen Lagers
       gegen Marcos Jr. war kürzlich gescheitert, umgekehrt überstand Sara Duterte
       schon ein solches Verfahren im letzten Jahr. Doch jetzt stehen weitere
       Amtsenthebungserfahren gegen sie wegen Korruption und Zweckentfremdung
       öffentlicher Mittel bevor.
       
       ## Ein riskantes Manöver
       
       Beobachter sehen einen Zusammenhang zur jetzigen Ankündigung ihrer
       Kandidatur. Denn über Amtsenthebungen entscheiden Senat und
       Repräsentantenhaus. Weil sich vor Wahlen Abgeordnete für ihre eigene
       Wiederwahl um die aussichtsreichsten Präsidentschaftskandidaten scharen,
       ist es für Politiker riskant, für Sara Dutertes Amtsenthebung zu stimmen.
       Denn damit würde sie selbst nicht auf ihre erfolgversprechende Liste
       gelassen werden. Doch sei auch Dutertes Manöver riskant, sagt [7][Professor
       Ederson Tapia von der Universtität Makati laut dem Newsportal Rappler].
       
       In Umfragen ist Sara Duterte, die eine ähnlich undiplomatische Sprache
       pflegt wie ihr Vater, beliebt. Umgekehrt fehlt dem Marcos-Clan eine solch
       beliebte Person. Präsident Marcos Jr. darf nicht wieder antreten, und sein
       von seiner Familie ursprünglich favorisierter Cousin Martin Romualdez
       musste wegen Korruption im September als Vorsitzender des
       Repräsentantenhauses zurücktreten.
       
       Beim Timing von Sara Dutertes Ankündigung dürfte auch eine Rolle gespielt
       haben, dass [8][am Montag in Den Haag die Vorverhandlung über die Anklage
       gegen ihren Vater beginnt]. Während der immer [9][noch bei vielen im Land
       beliebt] ist, nehmen seine Auslieferung viele Präsident Marcos übel.
       
       Im Fall ihres Sieges wäre Sara Duterte bereits die dritte Frau an der
       Staatsspitze und die Dutertes nach den Marcos', Aquinos und Macapagals die
       vierte präsidiale Familiendynastie des Landes.
       
       taz talk „Von Marcos zu Marcos“ zu Politik und Gesellschaft der Philippinen
       am 25. Februar, 19 Uhr, in der taz Kantine Berlin und im Livestream. Infos
       unter: taz.de/veranstaltungen
       
       18 Feb 2026
       
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 (DIR) [7] https://www.rappler.com/philippines/sara-duterte-announces-2028-presidential-bid/
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sven Hansen
       
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