# taz.de -- Holz für Verpackungsmaterial: Zalando hat genug vom Kahlschlag in Schwedens Wäldern
       
       > Nach Nestlé will auch der Modehändler Zalando keinen Zellstoff mehr von
       > SCA. Der größte private Waldbesitzer Schwedens rodet Urwälder.
       
 (IMG) Bild: Hatte vielleicht mal Rentierkontakt: Verpackungspappe zum Einmalgebrauch
       
       Mit Zalando hat der zweite Großkonzern beschlossen, keine Papierprodukte
       mehr von Schwedens größtem privaten Waldbesitzer SCA zu verwenden. Das
       berichtete die Zeitung Dagens Nyheter (DN) am Montag. [1][Im November hatte
       bereits Lebensmittelgigant Nestlé eine entsprechende Entscheidung
       verkündet.]
       
       In beiden Fällen wird die in Schweden seit Jahrzehnten gängige und von SCA
       weiterhin verteidigte Kahlschlagmethode in der Forstwirtschaft als Grund
       genannt – unter Naturschutz- und Menschenrechtsaspekten. [2][Die
       fortgesetzte Abholzung riesiger, auch bis dahin unberührter Waldflächen
       gefährdet die Lebensweise der samischen Rentierhalter auf ihren
       angestammten Gebieten.]
       
       Internationale Organisationen wie Greenpeace und einheimische wie Skydda
       Skogen (Schützt den Wald) setzen sich schon lange dafür ein, die aus dem
       umstrittenen Kahlschlag entstehenden Probleme international bekannt zu
       machen. Ende Januar nutzten sie die Copenhagen Fashion Week, um deren
       Hauptsponsor Zalando für seine Verbindung zur schwedischen Waldproblematik
       zu kritisieren.
       
       Bereits 2024 hatte Zalando nach einem Greenpeace-Bericht darüber, wie
       Schwedens Urwälder zu Einwegverpackungen gemacht würden, der taz gesagt:
       [3][„Um das Risiko auszuschließen, Fasern aus Urwäldern in Schweden zu
       erhalten, bestehen wir darauf, FSC-zertifiziertes Material für den
       Frischfaseranteil zu verwenden.“] Die Kritik am schwedischen FSC-Siegel war
       da bereits bekannt, aber noch bewertete Zalando es als „das nach wie vor
       umfassendste Gütesiegel“.
       
       ## Umweltorganisationen begrüßen die Entscheidung
       
       Die Kritik an SCA verstummte indes nicht. Im vergangenen Jahr ließ Zalando
       nach eigenen Angaben eine unabhängige Beraterfirma die Vorwürfe von
       Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen untersuchen. Nun bestätigte
       der E-Commerce-Konzern gegenüber DN: „Wir kaufen keine Produkte direkt von
       SCA, aber nach Abschluss der Untersuchung sowie weiteren internen und
       externen Dialogen haben wir den Entschluss gefasst, SCA-Material aus
       unseren Verpackungsprodukten auszuschließen.“
       
       Umweltorganisationen – neben den genannten auch Skogsupproret und Robin
       Wood – bewerten es in einer gemeinsamen Erklärung positiv, dass Zalando
       Druck auf die gesamte Lieferkette ausübe. Der Konzern ist Kunde des
       Verpackungsriesen DS Smith, der wiederum Kunde bei SCA ist. Andere
       Unternehmen sollten nun dem Beispiel folgen, so die Organisationen.
       
       „Wenn so große internationale Akteure sich entscheiden, SCA zu verlassen,
       können die nicht einfach weiter behaupten, dass sie nachhaltig sind“, sagte
       Daniel Rutschman, internationaler Kampagnenleiter von Skydda Skogen. „Der
       Markt hat die falsche Fassade durchschaut.“
       
       SCA hält in einer Reaktion daran fest: Ihre Waldnutzung geschehe in
       Einklang mit schwedischen und EU-Gesetzen sowie den unabhängigen
       Zertifizierungssystemen FSC und PEFC, schrieb deren Nachhaltigkeitsdirektor
       Anders Edholm an DN. Sowohl die Zertifizierungssysteme als auch die
       Gesetzgebung selbst sind Teil der Kritik der schwedischen Waldschützer.
       
       Gerade erst forderte die Waldverwaltungsbehörde Skogsstyrelsen die
       Einführung eines obligatorischen Lobbyregisters. Die Behörde hatte die
       Universität Lund mit einer politikwissenschaftlichen Untersuchung zu den
       Fragen beauftragt, [4][wer in Schweden die Macht über den Wald hat und wie
       und wie transparent diese Macht ausgeübt wird.]
       
       Der Abschlussbericht weist auf die zentrale Rolle von Machtfragen für die
       Demokratie hin – und stellt fest: Die beunruhigendste Entwicklung für
       Wald-Schweden sei die nach außen häufig unerkennbare Verbindung zwischen
       Politik und Wirtschaft. Der Bericht hebt die Rolle von Lobbyisten bei
       öffentlichen Gutachten hervor und die von Menschen, die zwischen PR-Arbeit
       für die Waldindustrie und politischen Ämtern wechseln.
       
       17 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Erfolg-fuer-Waldschuetzer/!6128239
 (DIR) [2] /Aktiv-gegen-Abholzung-in-Schweden/!6081730
 (DIR) [3] /Kahlschlag-in-Schwedens-Waeldern/!6010827
 (DIR) [4] https://www.skogsstyrelsen.se/globalassets/om-oss/rapporter/rapporter-2026/rapport-2026-03-makten-over-skogen.pdf
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anne Diekhoff
       
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