# taz.de -- Verfassungsstreit in Simbabwe: Präsident Mnangagwa will länger bleiben
> Die Regierung plant Verfassungsänderungen unter Bruch des Grundgesetzes.
> Der amtierende Präsident Mnangagwa soll bis 2030 bleiben – dann wäre er
> 87 Jahre alt.
(IMG) Bild: Präsident Mnangagwa will auch mit 85 Jahren nicht aufhören
Zunehmende Spannungen und heftige Debatten sind die Reaktion in Simbabwe
auf die Entscheidung der Regierung, eine Verfassungsänderung auf den Weg zu
bringen, die einen Verbleib von Präsident Emmerson Mnangagwa im Amt auch
nach dem Ende seiner zweiten und derzeit letzten verfassungsgemäßen
Amtszeit im Jahr 2028 – dann wäre er 85 Jahre alt – ermöglichen würden.
Die Verfassung aus dem Jahr 2013, per Volksabstimmung angenommen, begrenzt
die Zahl erlaubter Amtszeiten eines Staatschefs erstmals auf zweimal fünf
Jahre. Am Dienstagabend beschloss das Kabinett einen Gesetzesentwurf, der
die laufende Amtszeit des Präsidenten um zwei Jahre bis 2030 verlängert und
die Direktwahl des Präsidenten durch das Volk abschafft. Er soll dann vom
Parlament gewählt werden wie in Südafrika und Angola.
Die Annahme des Gesetzentwurfs durch das Parlament, in dem [1][die
regierende ZANU-PF (Zimbabwe African National Union / Patriotic Front)]
eine absolute Mehrheit hat, gilt als sicher. Rechtsexperten warnen nun,
dass so weitreichende Verfassungsänderungen ohne Volksabstimmung einen
Präzedenzfall für noch weiter reichende Eingriffe in die
Rechtsstaatlichkeit und die Demokratie schaffen.
„Die vorgeschlagene Verfassungsänderung ist völlig inakzeptabel“, sagt
Professor Lovemore Madhuku, Leiter der Oppositionspartei NCA (National
Constitutional Assembly), die 2013 aus der Ablehnung der damaligen neuen
Verfassung heraus entstand. „Die Leute, die das voranbringen, haben keinen
Respekt für das Volk. Die NCA und ich werden an vorderster Front für eine
totale Zurückweisung dieser Vorschläge stehen.“
## Die Verfassung sieht sehr hohe Hürden für Änderungen vor
Der Verfassungsartikel 328 schreibt klare Regeln für grundlegende
Verfassungsänderungen vor, etwa solche zur Dauer der Amtszeit des
Präsidenten. Sie müssen erst breit öffentlich diskutiert werden, dann per
Zweidrittelmehrheit durch das Parlament gehen und schließlich von der
Bevölkerung per Referendum gebilligt werden. Sie sind auch nicht auf
amtierende oder frühere Präsidenten anwendbar. Um diese Regeln zu
verändern, wären eigene Gesetzesvorhaben und Volksabstimmungen nötig.Das,
sagen Kritiker, wird jetzt alles missachtet. Die Verfassungsrechtlerin
Fadzayi Mahere von der ehemaligen Bürgerrechtsgruppe CCC (Citizens
Coalition for Change) ruft zur nationalen Mobilisierung zur Verteidigung
demokratischer Normen auf: „Wenn es je eine Zeit gab, zu der sich alle
Bürger Simbabwes zusammenschließen sollten, die ihr Land lieben, ist es
jetzt. Diese geplanten Verfassungsänderungen sind die größte Bedrohung
unserer Gesellschaft zu unseren Lebzeiten. Wir brauchen neue Führer.“
Sie stellte die Pläne in eine Reihe mit früherem Machtmissbrauch der
Regierung: „Sie haben unser Leben zerstört, jetzt wollen sie die Verfassung
zerstören. Dies ist der endgültige Sargnagel für unsere Demokratie. Warum
sollte ein Präsident mit sehr weitreichenden Kompetenzen Angst davor haben,
ein richtiges Mandat vom Volk zu suchen? Wir haben den Unabhängigkeitskrieg
für das Prinzip ‚ein Mensch, eine Stimme‘ geführt, nicht ‚ein Abgeordneter,
eine Stimme‘“.
Simbabwes eigene Geschichte sollte als Warnung dienen. Robert Mugabe, der
das Land ab der Unabhängigkeit 1980 erst als Premier und dann als Präsident
regierte, blieb so lange im Amt, bis das Militär ihn inmitten eines
Volksaufstandes Ende 2017 absetzte. Ein ähnliches Schicksal hatte Omar
al-Bashir in Sudan 2019 und Blaise Compaoré in Burkina Faso 2014. Keines
dieser Länder fand danach zur Stabilität zurück.
Auch in Nachbarländern gibt es besorgte Stimmen. In Südafrika nannte
Oppositionspolitiker Mmusi Maimane, Ex-Führer der größten Opositionspartei
DA (Democratic Alliance), die Pläne „schrecklich“. Er meinte: „Je länger in
Simbabwe eine brutale Diktatur herrscht, desto weniger werden wir die
[2][Migrationskrise in Südafrika] bewältigen. Wir können keine Präsidenten
auf Ewigkeit und Familiendynastien dulden“.
12 Feb 2026
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