# taz.de -- Opposition in Simbabwe: Nelson Chamisa, das unermüdliche Stehaufmännchen
       
       > Simbabwes bekanntester Oppositionsführer kehrt nach zwei Jahren Abstinenz
       > in die Politik zurück. Eine neue „Agenda 2026“ soll das Land aufmischen.
       
 (IMG) Bild: Harare, Simbabwe, 27. August 2023: Nelson Chamisa gibt eine Pressekonferenz nach der verlorenen Wahl
       
       Simbabwes wichtigster Oppositionsführer Nelson Chamisa ist zurück in der
       Politik – und die Wiederauferstehung des Hauptgegners von Präsident
       Emmerson Mnangagwa und seiner seit 1980 regierenden [1][ZANU-PF (Zimbabwe
       African National Union Patriotic Front)] erzeugt gemischte Gefühle.
       
       Ende vergangener Woche [2][lancierte der 47-jährige Chamisa seine neue
       Bewegung „Agenda 2026“], die er als breite Bürgerbewegung vorstellte.
       „Simbabwe braucht einen Neuanfang“, sagte Chamisa in der Hauptstadt Harare.
       
       „Simbabwe braucht einen neuen Pfad. Dieser neue Pfad beginnt mit einer
       langfristigen Reflexion über eine entscheidende Wahrheit: dass bisher
       politische Alternativen zu oft auf einer verdorbenen, kompromittierten,
       ermatteten und sterilen Vergangenheit aufbauten.“
       
       Die Agenda 2026 stehe für „einen klaren Bruch mit den Fehlern der
       Vergangenheit“, so Chamisa weiter. „Sie ist eine Verpflichtung, Simbabwe
       neu zu denken und unsere Nation auf der Grundlage demokratischer Werte,
       Verfassungstreue, Kompetenz und Fürsorge wiederaufzubauen.“
       
       ## Von MDC über CCC zu Agenda 2026
       
       Der Auftritt stieß auf eher skeptische Reaktionen. Denn genau zwei Jahre
       vorher, am 24. Januar 2024, hatte Chamisa die Führung seiner ursprünglichen
       Oppositionsbewegung [3][CCC (Citizens Coalition for Change)]
       hingeschmissen.
       
       Damals hatte er als Grund genannt, die CCC sei von der ZANU-PF und vom
       Staat unterwandert worden. Sein Abgang hinterließ die CCC im Chaos, es gab
       Streit um die Führung und die Finanzen.
       
       Chamisa sagt jetzt, traditionelle politische Parteien seien zu offen für
       Infiltration und Spaltung. Eine Befreiungsbewegung könne die Nation besser
       vereinen.
       
       Der ausgebildete Jurist und Theologe ist mit 47 Jahren relativ jung für die
       Verhältnisse der simbabwischen Politik, aber er ist ein Politveteran. Schon
       1999 schloss er sich der aus Simbabwes Gewerkschaften hervorgegangenen
       [4][MDC (Movement for Democratic Change)] unter Morgan Tsvangirai bei der
       Gründung an – die erste Oppositionspartei des Landes, die der ZANU-PF unter
       ihrem ersten Präsidenten Robert Mugabe gefährlich wurde.
       
       In Simbabwes Regierung der Nationalen Einheit, die Mugabe und Tsvangirai
       nach den umstrittenen Wahlen 2009 vereinbarten und die bis 2013 hielt, war
       Chamisa Informationsminister. Er übernahm 2018 die Führung der MDC, als
       Tsvangirai starb. Daraufhin spaltete sich die Partei und verlor 2018 die
       ersten Wahlen in Simbabwe ohne Mugabe, den die Armee Ende 2017 abgesetzt
       und durch Mnangagwa ersetzt hatte.
       
       Die [5][nächsten Wahlen 2023] verlor Chamisa erneut gegen Mnangagwa.
       Diesmal war er als CCC-Kandidat angetreten. Es war offensichtlich, dass die
       Opposition erschöpft war. Wenig später erfolgte Chamisas Rückzug aus der
       Politik.
       
       ## Regierende ZANU-PF reibt sich die Hände
       
       Zahlreiche ehemalige Mitstreiter begegnen seiner Wiederkehr und der Agenda
       2026 nun zurückhaltend. Er solle sich erst mal bei denen entschuldigen, die
       er vor zwei Jahren verlassen habe, heißt es. Rachel Rusenza sagt: „Wir
       haben kein Vertrauen mehr in dich, ganz ehrlich. Beim letzten Mal hast du
       uns ohne Erklärung sitzenlassen.“
       
       Der exilierte Exminister [6][Jonathan Moyo] äußerte [7][die Sorge],
       Chamisas neue Bewegung könne ein ähnliches Schicksal erleiden wie seine
       letzte. „Nichts ist leichter zu infiltrieren als eine Partei, die von einer
       Einzelperson lanciert wird und die sich als Bewegung ausgibt. Wenn das
       passiert, rennt Chamisa wieder weg?“
       
       In der Regierungspartei ZANU-PF gibt es Genugtuung, dass der mehrfach
       besiegte Chamisa es jetzt wieder versuchen will. „Wir freuen uns, dass
       Chamisa wieder da ist“, lästerte die Partei über ihren Soziale-Medien-Kanal
       [8][„Zanu-PK Patriots“]. „Wir hatten keine Opposition und wir wurden
       nachlässig, wir hatten begonnen, uns gegenseitig zu bekämpfen.“
       
       ZANU-PF ist zerstritten, mit einer Fraktion hinter Präsident Mnangagwa und
       einer hinter Vizepräsident Constantino Chiwenga. Dieser möchte Präsident
       werden, wenn Mnangagwas zweite und verfassungsgemäß letzte Amtszeit 2028
       endet. Anhänger des mittlerweile 83 Jahre alten Präsidenten hingegen wollen
       dessen Amtszeit bis mindestens 2030 verlängern.
       
       27 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Zimbabwe_African_National_Union_%E2%80%93_Patriotic_Front
 (DIR) [2] https://x.com/nelsonchamisa/status/2014947379569439120
 (DIR) [3] https://x.com/CCCZimbabwe
 (DIR) [4] https://de.wikipedia.org/wiki/Movement_for_Democratic_Change_Alliance
 (DIR) [5] /Kritik-an-den-Wahlen-in-Simbabwe/!5953024
 (DIR) [6] https://x.com/ProfJNMoyo
 (DIR) [7] https://x.com/ProfJNMoyo/status/2015001573450023202
 (DIR) [8] https://x.com/zanupf_patriots
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Marcus Mushonga
       
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