# taz.de -- Luftqualität in Berlin: Vorbelastete Luft aus dem Osten
> Inversionswetterlage und Ostwind sorgen für kritische Luftwerte in der
> Hauptstadt. Betroffen sind alte und lungenkranke Menschen.
(IMG) Bild: Ruhig aufatmen: Was wir aus den späten 80er Jahren als Smog kennen, hatte ein Vielfaches an Schadstoffen der heutigen Stadtluft
Kommen wir zum Wetter. Nordöstlich der Elbe, in Berlin, Brandenburg, Teilen
Schleswig-Holsteins und Mecklenburg-Vorpommerns ist die Luftqualität nach
Angaben des Umweltbundesamtes „schlecht“. In der Hauptstadt besonders
problematisch ist nach Informationen des UBA die Luft im Prenzlauer Berg
mit über 70 Mikrogramm Schadstoffen pro Kubikmeter, aber auch in Neukölln
und am Verkehrshotspot Leipziger Straße. Unbedenklich ist die Luft nur an
einzelnen Standorten am Stadtrand um Marienfelde im Süden und Frohnau im
Norden.
Die Belastung für die Gesundheit ist akut. Für Risikogruppen sind seit
einigen Tagen Grenzwerte überschritten. Betroffen sind vor allem Asthma-
und COPD-Patient:innen, alte Menschen und Kleinkinder. Die Behörden
empfehlen in diesen Fällen, keine intensiven Aktivitäten im Außenraum
vorzunehmen, oder einfach gleich zu Hause zu bleiben. Sind die Jahre des
Smogs zurück?
Ursache der Gefährdung ist tatsächlich die gegenwärtige
Inversionswetterlage, die auch für das Wetterphänomen Smog verantwortlich
ist. Sie entsteht dadurch, dass wärmere Luftschichten eine Art Haube über
der kalten Bodenluft bilden, wodurch diese nicht abziehen kann und sich am
schnee- und eisbedeckten Boden mit Wasserdampf vollsaugt.
Die Folgen sind zum einen sichtbar. Dichter Nebel hüllt die Gebäude der
Hauptstadt ein. Zum anderen sammeln sich in der schweren, wassergesättigten
Luft mehr Schadstoffe an, die nicht durch die dicke Luftdecke entweichen
können. „Schlechte Verdünnung“ nennt das eine Mitarbeiterin der
Arbeitsgruppe Luftreinhalteplanung, die an die Senatsverwaltung für Umwelt
angegliedert ist.
## Ist es auch der Krieg in der Ukraine?
Dazu kommt eine Ostwindlage und damit das, was Meteorolog:innen
„vorbelastete Luft aus dem Osten“ nennen. Fast die Hälfte der Belastung
komme von jenseits der Landesgrenze, erläutern die
Senatsmeteorolog:innen gegenüber der taz. Ob der Angriffskrieg
Russlands für einen Teil der Luftbelastung verantwortlich ist, ist nach
Einschätzung der Expert:innen schwer zu beurteilen – aktuell fehlen dazu
die Daten. Feinstaub kann sich aber durchaus über Tausende Kilometer
verteilen.
Die Zusammensetzung der Schmutzpartikel in der Luft weise laut
UBA-Mitarbeitenden auf die Beheizung von Wohngebäuden als Hauptquelle für
die schlechte Luft in Ostdeutschland hin. Dazu kommen Industrie und
Verkehr, was auch E-Autos nicht ausspare, da der Großteil des Feinstaubs
durch Abrieb von den Straßen stammt – ein Effekt, der durch Streukies und
-salz noch verstärkt werde, erklärt Ute Dauert vom Umweltbundesamt.
Auf taz-Anfrage gibt es von Senatsseite allerdings Entwarnung: Was man aus
den späten 80er und 90er Jahren in Deutschland als Smog kenne, hatte ein
Vielfaches an Schadstoffen der heutigen Stadtluft. Von einer Gefährdung für
die gesamte Bevölkerung ist ab der Überschreitung von 50 Mikrogramm
Schadstoffen pro Kubikmeter auszugehen.
Die Weltgesundheitsbehörde hat eigene Leitlinien für gesundheitsgefährdende
Luftwerte, welche unter der amtlich verankerten liegen. „Unabhängig
möglicher Vorerkrankungen hat die lebenslange Exposition gegenüber
Schadstoffen in der Luft gesundheitliche Folgen für alle Menschen in
Zentraleuropa“, räumt Dauert ein.
Was gegen die schlechte Luftqualität getan werden kann? Die Behörden
weichen der Frage aus. Die Luft komme ja schon so dreckig an. Ansonsten:
mehr ÖPNV, weniger Heizen, Filter in die Kamine.
Für die kommenden Tage sollte sich die Situation aber ohnehin wieder
bessern. Innerhalb von wenigen Stunden können die Werte wieder unten sein,
sobald frischer Wind nach Berlin kommt.
11 Feb 2026
## AUTOREN
(DIR) Nathan Pulver
## TAGS
(DIR) Sport
(DIR) Feinstaub
(DIR) Luftqualität
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genug.