# taz.de -- Serie über rassistischen Mord in Oslo: Niemals vergessen
       
       > „After Benjamin“ erzählt den Mord an einem 15-Jährigen durch Neonazis –
       > und Wunden, die bis heute offen sind. Das gelingt der Serie unerwartet
       > gut.
       
 (IMG) Bild: Benjamin (Emil Sesay Stenseth, links) und sein bester Freund Elias (Sam Ashraf)
       
       Der 26. Januar 2001: „Der Tag, an dem Norwegen seine Unschuld verlor“. Sagt
       der Erzähler in der sechsteiligen Dramaserie „After Benjamin“. Sie verfilmt
       den wahren, [1][rassistisch motivierten Mordfall] an dem 15-jährigen
       Benjamin Hermansen in dem Osloer Stadtteil Holmlia. Die europäische
       Koproduktion von New8 zeigt die Unglaublichkeit einer Hass-Tat und die
       unheilbaren Wunden, die sie hinterlassen hat.
       
       Benjamin Hermansen (in der Serie hervorragend besetzt mit Emil Sesay
       Stenseth) ist ein normaler Jugendlicher – er versucht, seinen besten Freund
       und seine beste Freundin zu verkuppeln, er raucht so, dass niemand es
       riechen kann und er liebt seine Mutter mehr als jeden anderen Menschen auf
       der Welt, aber sagt es ihr nicht.
       
       Er ist voller Talent und Zukunft, als ihn eines Nachts im Januar 2001
       Neonazis auf brutalste Weise jagen und tödlich niederstechen. Sein bester
       Freund Elias (ebenso herausragend: Sam Ashraf) kann entkommen. Von nun an
       lebt er mit der kaum zu ertragenden Schwere des zufälligen Überlebens.
       
       Eine Welle der Solidarität gegen Rechtsextremismus ergreift das Land,
       Jugendliche demonstrieren für ein gewaltloses Miteinander und gegen
       Rassismus. Gleichzeitig lässt die Angst vor [2][rassistischen Angriffen] in
       dem multikulturellen Stadtteil Holmlia nicht nach, bis ein weiterer
       Todesfall passiert: Victor Lopez, von dem Erzähler der Serie als „Holmlias
       vergessener Sohn“ bezeichnet und ein enger Freund von Benjamin Hermansen.
       
       ## Klug und mutig
       
       Stellte die norwegische Polizei Suizid fest, zweifeln seine Mutter und sein
       Umfeld bis heute [3][diese Todesursache] an: Victor wurde nach dem Mord an
       Benjamin durch öffentliche Auftritte auf Demonstrationen zu einem Gesicht
       der antirassistischen Bewegung und erhielt daraufhin wiederholt
       Morddrohungen von Neonazis.
       
       Die Serie beweist Mut und große Klugheit, den Todesfall von Victor in ihre
       Erzählung aufzunehmen und die Worte einzuflechten: „Auch wenn sie ihn nicht
       getötet haben, haben sie ihn getötet.“ Victors Mutter setzt sich bis heute
       öffentlich für eine Wiederaufnahme der Ermittlungen ein und lobte zuletzt
       die Darstellung von Victors Tod in „After Benjamin“.
       
       Die Serie von Mikael Diseth und Lev David zeigt feinfühlig Jugendliche, die
       mehr von Freundschaft und Liebe verstehen als die Erwachsenen und die Art
       von Freundschaft erleben, die es nach dem Jugendalter kaum mehr gibt und
       deren Verlust endlose Traurigkeit und Wut auslöst.
       
       Gleichzeitig gelingt der Serie, einen ästhetischen Raum jenseits bloßer
       Nacherzählung zu schaffen. Der Erzähler fährt auf Rollerblades und mit
       gelber Mütze durch Holmlia und kommentiert die Geschehnisse oder durch
       Benjamin, der am Ende vor Gericht von der Mordnacht erzählt und seinen Arm
       um Elias legt. Das ist theatral, anspruchsvoll, voll künstlerischer Kraft.
       
       Die Statue von Benjamin wurde 2021 mit rechtsextremen Worten geschändet.
       Die Serie „After Benjamin“ verschreibt sich dem Satz, der zur Parole nach
       dem Mord an Benjamin wurde: „Glem ikke“: „Niemals vergessen“.
       
       23 Mar 2026
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Marie-Sofia Trautmann
       
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