# taz.de -- Aufräumen im Ex-Braunkohle-Tagebau: Sprengung in Jänschwalde
> Die F60 ist eine der größten beweglichen Arbeitsmaschinen der Welt. Im
> früheren Tagebau Jänschwalde hat sie Abraum befördert. Nun wurde sie
> gesprengt.
(IMG) Bild: So sah die Förderbrücke F60 im Braunkohletagebau Jänschwalde aus (Foto von 2021). Am Vormittag wurde sie gesprengt
dpa | Es ist ein Tag voller Wehmut, an dem Tränen fließen. Bergleute aus
dem Lausitzer Braunkohlerevier kommen zusammen – das gekreuzte
Bergbauzeichen aus Schlägel und Eisen an der Jacke. Zum letzten Mal
erklingt von der legendären F60 der Bergmannsgruß „Glück auf“. Die
gigantische Abraumförderbrücke – 500 Meter lang, 80 Meter hoch und aus
31.000 Tonnen Stahl – wurde am Vormittag im ehemaligen Tagebau Jänschwalde
gesprengt.
„Das geht mir sehr nahe“, sagt Ingenieur Karsten Möhring und weint. 45
Jahre F60 – das sei sein Leben, sagt der Fachmann, inzwischen im Ruhestand.
Beschäftigte des Energieerzeugers Leag und ehemalige Mitarbeiter verfolgen
die Sprengung, die strenge Sicherheitsvorkehrungen nötig macht, via
Livestream im Internet.
Mit dem Fall der Förderbrücke geht ein wichtiges Kapitel Lausitzer
Bergbaugeschichte zu Ende. Das Unternehmen Leag hat nach dem Kohleausstieg
2023 in Jänschwalde mit der Renaturierung begonnen, drei Seen sollen hier
entstehen. Weiterhin abgebaut wird Braunkohle in Brandenburg noch im
Tagebau Welzow-Süd, aber auch hier soll 2038 Schluss sein – wenn nicht
früher. [1][Allein: über die Kosten der Renaturierung gibt es weiter
Streit].
Der ehemalige Tagebauleiter Dietmar Junker ist aufgeregt. „Ich denke, ein
Tränchen wird man schon verdrücken“, sagt er, kurz bevor der Koloss mit
lautem Krachen fällt. „Es gibt auch Kollegen, die können sich das nicht
anschauen, weil sie sagen, das war unser Arbeitsplatz, der in wenigen
Augenblicken ein Schrotthaufen ist.“
## „Danke F60“
Auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke hat die Sprengung als
bewegendes Ende einer Ära mitverfolgt. „Es ist für mich heute ein sehr
emotionaler Moment“, sagte der SPD-Regierungschef. „Danke F60, du wirst
lange in unserer Erinnerung bleiben.“ Die Förderbrücke habe ihn seit seiner
Kindheit und Jugend begleitet, sie habe sein Leben und das seines direkten
Umfelds ein Stück weit mit geprägt, sagte Woidke. Er nannte die
Umsiedlungen von Menschen, deren Dörfer dem Braunkohletagebau weichen
mussten. Woidke ist auf einem Bauernhof in der Nähe des Tagebaus
aufgewachsen.
Zum ersten Mal fällt eine F60. Sie wird als technisches Meisterwerk und
eine der größten beweglichen Arbeitsmaschinen der Welt bezeichnet. Drei
andere Stahlkolosse dieses Typs sind im Lausitzer Revier noch im Betrieb.
Eine F60 wird als Besucherbergwerk im Süden Brandenburgs genutzt.
Viele Bergleute erinnern sich, wie mit der F60 über Jahrzehnte Braunkohle
in Jänschwalde freigelegt wurde, um die Stromversorgung zu sichern. „Man
empfindet erst mal Stolz, dass wir das Kraftwerk Jänschwalde ständig
versorgt haben mit Braunkohle – egal unter welchen Wetterbedingungen“, sagt
Junker. „Wir hatten hier im Tagebau Winter mit Temperaturen von minus 25
Grad.“ Auch Betriebsrätin Katrin Lösche, die 1984 eine Ausbildung auf der
F60 begann, sagt: „Wir haben gemeinsam geschwitzt, gefroren, geschippt
(…).“
5 Feb 2026
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