# taz.de -- Bürgerkrieg in Libyen: Gaddafi-Sohn Saif al-Islam getötet
       
       > Nach dem Sturz seines Vaters kam Saif al-Islam in Haft. 2021 kam er mit
       > politischen Ambitionen zurück. Nun ist er in seiner Residenz erschossen
       > worden.
       
 (IMG) Bild: Saif al-Islam, Sohn des Langzeitmachthabers al-Gaddafi, wurde in Libyen getötet
       
       dpa | In Libyen ist ein prominenter Sohn des früheren Langzeitmachthabers
       Muammar al-Gaddafi getötet worden. Saif al-Islam sei heute bei einer
       „verräterischen und feigen“ Tat „ermordet“ worden, teilte sein politisches
       Büro mit. Vier maskierte Männer hätten seine Residenz in der westlibyschen
       Stadt Sintan gestürmt und al-Islam dann getötet. Sein Team trauerte um
       al-Islam, der sein „Leben für die Hoffnung auf ein stabiles Libyen“
       geopfert habe. Verantwortlich seien „Handlanger des Regimes“ in Libyen.
       
       Al-Islams Anwalt Chalid al-Saidi bestätigte der Deutschen Presse-Agentur,
       dass der Gaddafi-Sohn „ermordet“ worden sei. Der Nachrichtenkanal
       Al-Arabija berichtete unter Berufung auf das Umfeld der Gaddafi-Familie,
       dass der 53-Jährige im Garten seiner Residenz in Sintan erschossen worden
       sei.
       
       Spekuliert wurde, ob Milizen mit Nähe zur [1][Regierung von Abdel Hamid
       Dbaiba in Tripolis] hinter der Tat stecken könnten. Eine Miliz mit
       Verbindungen zum Verteidigungsministerium in Tripolis wies Darstellungen
       als falsch zurück, nach denen sie an der Tötung beteiligt gewesen sei.
       Al-Islam soll Vorbereitungen getroffen haben für eine Rückkehr in die
       Politik, was eine mögliche Bedrohung für Dbaiba und dessen Verbündete
       dargestellt hätte.
       
       ## Eine der einflussreichsten Figuren in Libyen
       
       Saif al-Islam war der zweitälteste Sohn Muammar al-Gaddafis, der in dem
       nordafrikanischen Land mehr als vier Jahrzehnte herrschte, und eine der
       einflussreichsten Figuren in Libyen. Vor dem Sturz und Tod seines Vaters im
       Jahr 2011 führte al-Islam ein Reformprojekt an mit dem Ziel, das Land
       politisch zu modernisieren und an den Westen anzunähern. Viele der
       Bemühungen wurden bald aber rückgängig gemacht, um das Machtgefüge in der
       Regierung seines Vaters nicht ins Wanken zu bringen.
       
       2011 wurde Muammar al-Gaddafi nach Massenprotesten über Monate gestürzt und
       schließlich getötet. Al-Islam hatte die brutale Niederschlagung der
       Proteste davor unterstützt. Auf der versuchten Flucht in den Niger wurde er
       dann von einer Miliz gefasst und kam in Sintan in Haft. Dort verbrachte er
       nach eigener Aussage mehrere Jahre und hatte kaum Kontakt zur Außenwelt.
       
       ## Kandidatur für Präsidentenwahl, die nie stattfand
       
       Seit 2014 forderte der Internationale Strafgerichtshof al-Islams
       Auslieferung, um ihm wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit während der
       Aufstände in Libyen den Prozess zu machen. 2015 wurde er von einem Gericht
       [2][in Libyens Hauptstadt Tripolis] in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Die
       Machthaber in Sintan ließen ihn aber weder nach Tripolis überstellen, noch
       lieferten sie ihn aus.
       
       2021 tauchte al-Islam nach langer Abwesenheit überraschend wieder auf und
       reichte seine Kandidatur ein für die geplante Präsidentenwahl in Libyen.
       Diese fand wegen eines Konflikts über die verfassungsrechtlichen Grundlagen
       und die zugelassenen Kandidaten aber nie statt. Libyen ist heute
       [3][faktisch zweigeteilt in zwei verfeindete Regierungen] im Osten und
       Westen.
       
       4 Feb 2026
       
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