# taz.de -- Skibergsteigen vor olympischer Premiere: Mit Fellen hoch, ohne Felle runter
> Erstmals wird Skimo als Sprintdisziplin zum olympischen Wettkampf. Im
> Deutschen Alpenverein sieht man darin einen Sport mit ökologischem
> Profil.
(IMG) Bild: Skimo in Bormio: Tatjana Paller bei einer Sprintabfahrt beim Skimountaineering-Weltcup im Februar 2025
Das Wort lautet „Skimo“. Wie Knetmasse klingt es, hat aber mit Schnee zu
tun, und es ist erstmals eine [1][olympische Sportart]. „Es ist der
Aufstieg auf den Berg mit Fellen, um dann wieder abfahren zu können“,
erklärt Hermann Gruber. Er ist sportlicher Leiter beim Deutschen
Alpenverein (DAV), der diese Sportart hierzulande organisiert. Eine noch
kürzere Beschreibung schafft Gruber auch: „Es ist die Wettkampfform des
Skitourengehens.“
[2][Skimo] ist ein Kurzwort für Ski Mountaineering, also Skibergsteigen,
und allein dieser neue Begriff umschreibt eine Besonderheit: Skimo ist
sowohl eine sehr alte als auch eine sehr junge Sportart. Alt ist das
Bergsteigen mit Skiern, um dann vom Gipfel hinabzufahren. Vergleichsweise
neu aber ist es, daraus einen Sprintwettkampf zu machen. Zu dem Sport sagt
Gruber: „Es ist erst in den vergangenen sieben, acht Jahren gewachsen.“
Ein Skimo-Sprint dauert etwa zweieinhalb bis drei Minuten. Die Athleten und
Athletinnen laufen mit Skiern, unter denen Felle befestigt sind, einen Berg
hoch. Siebzig, achtzig Höhenmeter werden insgesamt bewältigt, doch bevor
sie ganz oben sind, müssen in eine Wechselzone. Die Skier kommen auf den
Rücken, die Tragepassage beginnt. Da geht es eine Art Treppe hoch. Im
Anschluss werden die Skier wieder angezogen, es wird weiter bergauf
gerannt, ehe wieder eine Wechselzone erreicht wird. Dort reißen die Aktiven
die Felle von ihren Skiern, verstauen sie – und dann rasen sie im
Riesenslalom wieder runter.
Ungefähr das ist der Sport. Es gibt ihn als Einzelwettbewerb oder als
Mixed-Gender-Staffel. Von Skimo erhofft sich nicht nur der DAV Potenzial.
„Von den Verkaufszahlen haben Skitouren das alpine Fahren schon längst
überholt“, sagt Gruber.
## Quereinsteigerin vom Radsport
[3][Tatjana Paller] startet jetzt bei Olympia. Als Kind fuhr die heute
30-Jährige aus Lenggries Ski alpin, dann war sie erfolgreiche
Radsportlerin, 2017 wurde sie sogar U23-Europameisterin – und wechselte
dann zum Skimo. Warum? „Ich wollte eine neue Challenge“, verrät sie. Im
Radsport sei es nicht mehr so gut gelaufen, und außerdem nennt sie sich
„ein Winterkind“. Ein paar Gemeinsamkeiten mit ihrem alten Sport sieht sie
beim Skimo schon: „Man muss sich immer quälen.“ Doch letztlich sei der neue
Sport schon anstrengender. „Ich muss mich beim Skibergsteigen nach
Intervallen deutlich häufiger hinlegen als beim Radfahren“, berichtet sie
aus dem Trainingsalltag.
Paller startet im Skimo-Sprint. Doch es gibt auch das Skibergsteigen über
lange Distanzen. Das größte Rennen geht im schweizerischen Wallis von
Zermatt nach Verbier: 57 Kilometer lang und mit 4.400 zu bewältigenden
Höhenmetern. Diese [4][„Patrouille des Glaciers“] ist zwar das berühmteste
Rennen, aber olympisch ist nur der Sprint. „Wir verstehen alle, die das
lange Rennen lieber mögen, was ja auch das ursprüngliche ist“, sagt Tatjana
Paller. „Und wir verstehen auch, dass die sich ärgern, wenn der Sprint
jetzt ganz im Fokus steht.“
Dabei waren die Vorgänger des Distanz-Skimo schon einmal olympisch, nämlich
von 1924 bis 1948 als [5][Militärpatrouillenlauf]. Daraus ist dann das
heutige [6][Biathlon] erwachsen, dabei hatte es mehr mit dem Skibergsteigen
zu tun. Von der Militärpatrouille ist nicht mehr viel zu sehen, zumindest
nicht im olympischen Skimo. „Der Sprint ist keine klassische Disziplin“,
sagt Hermann Gruber, „sondern wurde mit dem Plan entwickelt,
fernsehtauglich zu sein.“ Daran werde auch weiter gearbeitet.
Die drei deutschen Skimo-Aktiven bei Olympia, Tatjana Paller, Helena
Euringer und Jann Hösch, freuen sich über die Entscheidung, dass nun die
Sprint-Disziplinen des Skimo in Italien ausgetragen werden. „Für uns war es
echt ein Glückfall, dass das olympisch geworden ist und nicht das
Distanzrennen“, sagt Paller, die ihren Sport professionell betreibt.
## Starthilfe der Bundeswehr
Sie wird als Sportsoldatin von der [7][Bundeswehr] gefördert. „Wir haben
das große Privileg, dass wir schon recht früh Plätze bei der Landespolizei
Bayern und der Bundeswehr bekamen“, sagt Hermann Gruber. „So können wir die
duale Karriere absichern.“ Zehn Skimo-Athleten und Athletinnen hat der DAV
aktuell in der Förderung. „Ohne diese Absicherung ist Spitzensport auf
diesem Niveau sehr schwierig umsetzbar.“
Der Verband, die Sportler und Sportlerinnen und auch die Bundeswehr hoffen,
dass es nicht bei diesem 2026er Olympia-Intermezzo bleibt. Helena Euringer,
mit 19 Jahren die Jüngste im DSV-Team, sagt, dass diese Winterspiele für
sie „quasi eine Generalprobe“ sind – für 2030, wenn Olympia in den
französischen Alpen stattfindet. Sicher ist das nicht. Es kann sein, dass
Skimo wieder aus dem olympischen Programm fliegt und es bei einem
einmaligen Auftritt bleiben muss. Hermann Gruber, der Funktionär, sagt:
„Wir hoffen natürlich, dass wir 2030 wieder dabei sind.“ Hauptfaktor sei
das [8][IOC], „die müssen entscheiden“.
Man will sich halt gut präsentieren. Die Skimo-Wettkämpfe finden am 19.
Februar in [9][Bormio] statt, wo vorher auch die alpine Abfahrt der Männer
angesetzt war. Wenn die Skimo-Athleten und -Athletinnen da im Zielbereich
der alpinen Strecke ihre Olympiapremiere feiern, sind die Abfahrer
allerdings schon fort. Tatjana Paller freut sich zwar auf das „olympische
Flair“, das sie erstmals erleben darf, weiß aber, „dass beim Rennen nur
Sportler unserer Sportart da sein werden“. Das Flair hofft sie, auf der
Abschlussfeier erleben zu können. Dann sind alle da.
Wenn es gut läuft, feiert Paller dort sogar als Medaillengewinnerin. Bei
der WM 2025 hatte sie nämlich Bronze gewonnen und schöpft daraus
Zuversicht. „Da hat man gesehen, dass das nicht unrealistisch ist“, sagt
sie. Aber sie weiß, dass eine Medaille zunächst einmal ein „Träumchen“
bleibt. Ähnlich sehen das ihre Teamkollegin und ihr -kollege. Helena
Euringer sagt: „Ziel ist auf jeden Fall, das Halbfinale zu erreichen.“ Und
Finn Hösch visiert einen Finalplatz an: „Das traue ich mir selber auf jeden
Fall zu, und ob es so kommen wird, werden wir sehen.“
## Streit im deutschen Alpenverein
Andreas Eder ist Skimo-Bundestrainer. „Wir wissen, dass wir konkurrenzfähig
sind“, sagt er und rechnet vor, „dass wir die Top-Fünf definitiv erreichen
können.“ Und Hermann Gruber sagt: „Wir bauen bewusst kein großes Ziel auf
und hoffen auf einen super Tag. Wir wollen uns aber auch nicht kleinreden.“
Vor allem soll sich die bislang kaum bekannte Sportart gut einem großen
Publikum präsentieren. Er fügt aber auch hinzu: „In einem olympischen
Finale ist alles möglich. Man muss es nur erreichen.“
Dass ein Vertreter des Deutschen Alpenvereins so klar für den
Wettkampfsport Position bezieht, ist nicht selbstverständlich. Im DAV wurde
schon immer in seiner über hundertjährigen Verbandsgeschichte
leidenschaftlich gestritten, ob Bergsteigen als Sport gelten dürfe – gleich
ob im Sommer oder im Winter.
Florian Heumann, Geschäftsführer Leistungssport im DAV, sagt: „Wir sind ein
Sportverband, der olympische Sportarten im Gepäck hat und trotzdem von sich
sagen kann, dass er ein Naturschutzverband ist.“
Als sich München beworben hatte, die Olympischen Winterspiele 2018
auszurichten, hatte der DAV noch eine eher gebremste Zustimmung
signalisiert. Als eine erneute Bewerbung für die Spiele 2022 vorbereitet
wurde, positionierte sich der DAV [10][mit großer Mehrheit dagegen]. Für
die Münchner Pläne bedeutete dies das Aus. Nun allerdings ist der DAV der
einzige deutsche Sportverband, der bei allen Olympischen Spielen mit
Athleten und Athletinnen vertreten ist: beim Sportklettern im Sommer und
beim Skimo im Winter.
## "Gutes ökologisches Gewissen"
Eine Zerreißprobe? „Nein, das muss die Demokratie aushalten“, sagt Florian
Heumann. „Bei 1,6 Millionen Mitgliedern wirst du nicht immer hundert
Prozent haben. Es gibt bei uns viele begeisterte Leistungssportler und
viele begeisterte Naturliebhaber, da gibt es immer Unterschiede.“
Mit der Sportart Skimo glaubt der DAV nun, gut aufgestellt zu sein. „Man
kann mit gutem ökologischen Gewissen unterwegs sein“, sagt Florian Heumann,
und Hermann Gruber ergänzt: „Wir wollen ein bisschen an die Basis des
Wintersports zurückkommen. Weg von den Skiliften mit Achtersesseln und
Sektglashaltern.“ Skimo benötige keine Stadien, Schanzen oder Lifts. Das
zeige sich auch jetzt in Bormio. „Wir gehen in den Zielraum und brauchen
ein bisschen Schnee. Das funktioniert“, sagt Gruber. „Das ist unser großer
Vorteil als Sportart. Wir sind sehr unabhängig. Wir brauchen keine große
Erhebung. Das muss nicht der Alpenraum sein, das kann auch ein
50-Meter-Hügel in Hamburg sein. Schon mit einer bestimmten Schneeauflage
können wir unseren Sport ausüben.“
Der Optimismus vor Olympia ist beim Deutschen Alpenverein sehr groß. „Es
passt in den aktuellen Trend, in den Lifestyle hinein“, sagt Florian
Heumann und fügt noch ein sportliches Lob an: „Ich glaube auch, dass es ein
echter Publikumsmagnet werden kann.“ Das Wort lautet: Skimo.
14 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.olympics.com/de/milano-cortina-2026/news/skibergsteigen-skimo-olympisches-debut-olympia-2026-milano-cortina
(DIR) [2] /Auf-die-ganz-grosse-Tour/!5653987/
(DIR) [3] https://www.olympics.com/de/milano-cortina-2026/news/tatjana-paller-skibergsteigen-skimo-deutschland-bahnradsport-milano-cortina-2026
(DIR) [4] https://www.pdg.ch/de/strecke-zermatt-verbier/
(DIR) [5] /Olympia-der-Enthusiasten/!1127899/
(DIR) [6] /Biathlon/!t5024037
(DIR) [7] /Sportfoerderung-bei-der-Bundeswehr/!5480104
(DIR) [8] /IOC/!t5011449
(DIR) [9] /Volles-Risiko-bei-Ski-Alpin-Abfahrt/!6151519
(DIR) [10] /Volksentscheid-gegen-Olympia/!5055235
## AUTOREN
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