# taz.de -- Die Wahrheit: Sie nennen ihn Kopfjägy
> Ein Headhunter der besonderen Art soll im linksgrün versifften Spektrum
> klandestin unterwegs sein. Eine wahre Spurensuche.
Auf Telegram erreicht uns plötzlich eine Sprachnachricht in einem „secret
chat“, der sich anschließend sofort löscht. „Ihr sucht doch nach diesem
Recruiter“, flüstert eine verstellte Stimme mit verzerrter Intonation.
„Dann kommt in die Stadt, die nicht genannt werden will. Aber bringt Zeit
mit. Und Zweifel.“
Nach dem Blackout von Berlin um die Jahreswende kündigte
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) verstärkte behördliche
Maßnahmen gegen das linksextreme Spektrum an. Die Folge: Die Linken wollen
nun ebenfalls personell aufrüsten. Dabei bedienen sie sich traditionell
eines linksradikalen Recruiters, von dem bisher nicht mehr als der Deckname
bekannt ist.
Also sind wir jetzt unterwegs in einer dieser Universitätsstädte mit
kopfsteingepflasterten Gassen, veganen Cafés und Fahrrädern, die so
aussehen, als hätten sie bereits mehrere politische Systeme überlebt. Einer
dieser von Fachwerk und Palifahnen beherrschten deutschen Studienorte, um
die man normalerweise lieber einen großen Bogen macht. Und der deshalb auch
an dieser Stelle besser ungenannt bleibt.
## Mythos in fleischlosen Mensen
Hier, so raunt man uns hinter gefälschter Immatrikulationsbescheinigung
unweit des Gänseliesel-Brunnens zu, soll dieser mysteriöse Recruiter
unterwegs sein. Ein sogenannter Headhunter, der sich auf die Vermittlung
von Spezialkräften an klandestine Organisationen spezialisiert hat – im
ausschließlich linksextremen Bereich, versteht sich. „Andernfalls würde er
wohl eher in Clausthal-Zellerfeld oder im sächsischen Freiberg
akquirieren,“ so unsere Informantin, die Soziologiestudentin Maren (23),
die in Wirklichkeit Küchenpsychologie studiert.
„Kopfjägy“ nennt sich dieser Headhunter – angeblich. Jedenfalls kursiert
dieser Name im linksgrün versifften akademischen Milieu wie ein
studierendenstädtischer Mythos. In den linken Lerngruppen genauso wie in
den Nachtischgesprächen der fleischlosen Mensen oder auf den Fluren der
geisteswissenschaftlichen Fakultäten.
Niemand ist ihm je begegnet, aber jeder kennt jemanden, der mal von ihm
kontaktiert wurde. „Er soll mich endlich anrufen“, flüstert
Theologiestudent Sören (ev.), der seinen richtigen Namen (Jakob) lieber
nicht in der Zeitung lesen möchte, während er nervös in seinem aus dem
Wohnprojekt mitgebrachten Hirse-Curry herumstochert. „Ganz normal. Wie ein
Recruiter aus der Wirtschaft. Nur mit …“, er setzt die Pause bewusst, „…
anderen Themen.“
## Nur Anschläge gegen Sachen
Die Erzählung über Kopfjägy geht so: Er arbeitet hauptberuflich als
professioneller Personaler, der zur Tarnung auch schon mal „Unternehmen des
Schweinesystems“ hilft, Langzeitkranke oder unliebsame Betriebsräte
rauszuschmeißen. Nach Feierabend nimmt er verdeckt an philosophischen oder
politikwissenschaftlichen Seminaren teil, spricht hinterher Teilnehmerinnen
an, die besonders „engagiert“ wirken. Die bittet er in seine
Assessment-Center – Workshops in ungeheizten Hinterzimmern von
Kulturzentren oder sperrmöblierten Asta-Büros, bei denen es weniger um
Lebensläufe als um anschlagstaugliche Fertigkeiten geht. „Aber nur
Anschläge gegen Sachen“, wie alle betonen, die schon mal dabei gewesen sein
wollen.
Dem Vernehmen nach scannt Kopfjägy auch regelmäßig sozialistische
Jobportale wie „LinksIn“ oder „Zink“ – aber ob es die wirklich gibt?
Niemand weiß es. Trotzdem glauben alle, dass sich gerade dort die
idealistischsten Idealisten, die kritischsten Systemkritiker und die
notorischsten Diskutierer tummeln. Der ideale Marktplatz also für
linksextreme Karrieren abseits aller staatlich (noch) geduldeten NGOs.
Neben der deutschen Antifa, der Kopfjägy schon seit Jahren Personal
zuführt, sollen neuerdings auch die sogenannten Vulkangruppen zu seinen
„Kunden“ zählen; für die dann „Dummkopfjägy“, wie sie ihn beim
Bundeskriminalamt (BKA) nennen, nicht nur erfahrene Starkstromexpertinnen
oder talentierte Bekennerschreiber, sondern auch jede Menge Mitläuferinnen
akquiriert, die er als Ausspäher geeigneter Objekte oder als
Falschespurenlegerin ins Anschlagbusiness vermittelt. Ob das stimmt?
Niemand kann es beweisen.
## Kernbohrer in Splittergruppen
Und es sollen nicht nur Bewerberinnen für Vollzeitstellen sein, die
Kopfjägy über das Prinzip der stillen Post und ein bundesweites Netz toter
Briefkästen „an den Mann (m/w/d)“ bringt. Wer lieber in Lifestyle arbeitet,
also nur mal gelegentlich Hand an die mehr oder weniger empfindliche
Infrastruktur Deutschlands legen möchte, soll ebenfalls gute Chancen auf
ein faires Onboardingverfahren bei der Antifa oder in einer der
Vulkangruppen haben.
Aber nur wer seine Probezeit nicht gleich so vergeigt wie die Spinner, die
für den tagelangen Blackout in Berlin sorgten, wird übernommen. Als
jüngstes Beispiel einer erfolgreichen Vermittlung gelten jene begnadeten
Kernbohrer, die im Auftrag einer linken Splittergruppe, von deren Existenz
bislang nicht einmal das BKA etwas wusste, die Schließfächer in
Gelsenkirchen knackten.
Von der Beute, die nach Hochrechnungen der Sparkasse bis zu 300 Millionen
Euro betragen könnte, würden Kopfjägys Auslagen bezahlt. Die eine Million
Euro Kopfgeld, die Dobrindt auf die Vulkanier ausgelobt hat, würde der
geheimnisvolle Jägy mühelos aus der Portokasse zahlen können. Den Rest, so
heißt es auf der Bekennerplattform Indymedia, stecke man in den Kauf eines
kleinen Stromnetzes, das man demnächst gezielt stilllegen werde.
14 Feb 2026
## AUTOREN
(DIR) Fritz Tietz
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(DIR) Kritische Infrastruktur
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