# taz.de -- Bakterien und Methan: Warum der Waldboden noch besser fürs Klima ist als gedacht
> Forscher*innen fürchten, dass Waldböden wegen des Klimawandels immer
> weniger Methan aufnehmen können. Doch eine Studie zeigt das Gegenteil.
(IMG) Bild: Die Bakterien wandelten über die vergangenen Jahre mehr Methan um, nicht weniger
Nirgendwo bauen Bakterien mehr Methan ab [1][als in Waldböden]. Das macht
diese Böden sehr wichtig für die Stabilisierung des Klimas, denn eine Tonne
Methan in der Atmosphäre erhitzt die Erde [2][30-mal stärker] als eine
Tonne CO₂. Wenn die Bakterien in Waldböden also weniger Methan abbauen,
bleibt das Gas länger in der Atmosphäre und treibt den Klimawandel stärker
voran als ohnehin schon.
Die [3][meisten] [4][Studien] deuten darauf hin, dass diese Gefahr real
ist: Die Bakterien brauchen Sauerstoff, um Methan in das weniger
klimaschädliche CO₂ umzuwandeln – je mehr Luft im Boden ist, desto besser.
Der Klimawandel sorgt aber dafür, dass es häufiger heftig regnet. Dann
werden die Poren im Boden kleiner, die Luftzufuhr sinkt und die Bakterien
können weniger gut Methan umwandeln. Andere Bakterienarten, die Methan
produzieren, kommen hingegen gut ohne Sauerstoff klar und stoßen munter
weiter Methan aus.
## Die Studie
Nun ist zwar wissenschaftlich belegt, dass der Klimawandel es stärker
regnen lässt, weil wärmere Luft mehr Wasser speichern kann. Aber das heißt
nicht unbedingt, dass es ausgerechnet in Wäldern heftiger regnet – erst
recht nicht in Wäldern in gemäßigten Breiten, wo Bodenbakterien am
effektivsten Methan umwandeln. Da setzt eine [5][Studie] deutscher
Forscher*innen an. Sie haben an sechs Orten in Baden-Württemberg bis zu
24 Jahre lang gemessen, wie viel Methan der Waldboden bindet.
Dafür haben sie neben den langjährigen Messungen mit Rohren im Boden für
kürzere Zeit Kammern zur Gasmessung auf den Boden gesetzt, um die
langjährigen Messungen zu überprüfen. „Methodisch ist das sehr gut“, sagt
Friederike Lang, Bodenökologie-Professorin an der Universität Freiburg. Sie
war nicht an der Studie beteiligt. „Die Untersuchung ist wirklich
einzigartig, es gibt selten über so lange Zeit kontinuierlich erhobene
Messwerte.“
Das Ergebnis: Die Bakterien wandelten über die vergangenen Jahre mehr
Methan um, nicht weniger. Durchschnittlich nahmen die untersuchten
Waldböden jedes Jahr 3 Prozent mehr Methan auf als im Vorjahr. Den
Studienautor*innen zufolge liegt das wahrscheinlich vor allem daran,
dass Niederschlag in den Wäldern seltener und die Böden dementsprechend
trockener wurden – gute Bedingungen für die Methan verwertenden Bakterien.
„Dazu kommt, dass immer mehr Methan ausgestoßen wird, also verarbeiten die
Bakterien auch mehr“, sagt Co-Studienautorin Verena Lang, die nicht mit der
Professorin verwandt ist.
## Was bringt's?
Dass Waldböden weltweit eher mehr als weniger Methan aufnehmen, lässt sich
aus den Studienergebnissen nicht ableiten. Aber für einige Regionen schon:
„Ich würde erwarten, dass man das an mehr Standorten beobachten kann, wo es
trockener geworden ist, in Brandenburg zum Beispiel“, sagt Professorin
Friederike Lang.
Die Studienautorin Verena Lang sagt: „Das ist entscheidend für die
Treibhausgasbilanzierung. Normalerweise wird in jedem Bundesland mit einem
einzigen Wert berechnet, wie viel Methan Waldboden aufnimmt.“ Diesen Wert
müsse man sich genau angucken, vielleicht werde er unterschätzt.
15 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://agupubs.onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1029/2006GB002734?getft_integrator=sciencedirect_contenthosting&src=getftr&utm_source=sciencedirect_contenthosting
(DIR) [2] https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/479/publikationen/2025_uba_pos_methanminderung_en_barrierefrei.pdf
(DIR) [3] https://www.pnas.org/doi/full/10.1073/pnas.1807377115
(DIR) [4] https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1164556301010676?via%3Dihub
(DIR) [5] https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0168192325004423#bib0013
## AUTOREN
(DIR) Jonas Waack
## TAGS
(DIR) Naturschutz
(DIR) Mikroplastik
(DIR) Junge Menschen zur Bundestagswahl
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