# taz.de -- Unrechtsprozess in Russland: Künstler Jacques Tilly will nicht kleinlaut werden
       
       > Dem Düsseldorfer Karnevalswagenbauer Jacques Tilly wird in Russland der
       > Prozess gemacht. Dem Künstler zeigt das, dass Satire wirkt.
       
 (IMG) Bild: Der Karnevalswagenbauer Jacques Tilly will sich auch nicht von Putin unterkriegen lassen
       
       dpa/epd/taz | Der Düsseldorfer Bildhauer und Karnevalswagenbauer Jacques
       Tilly gibt sich unbeeindruckt davon, dass ihm derzeit in Abwesenheit [1][in
       Moskau wegen angeblicher Verunglimpfung der russischen Staatsorgane der
       Prozess] gemacht wird. Er mache seine Arbeit wie immer. „Weder nach dem
       Motto ‚Jetzt erst recht‘, noch werde ich vor lauter Respekt vor dem Angriff
       besonders kleinlaut“, sagt Tilly dem Portal „Web.de News“ in einem am
       Dienstag veröffentlichten Interview.
       
       Tilly hatte in den vergangenen Jahren immer wieder Karnevalswagen für den
       Düsseldorfer Rosenmontagszug mit Karikaturen von Kremlchef Wladimir Putin
       gebaut. So ließ er im vergangenen Jahr ein Motiv mit der Aufschrift
       „Hitler-Stalin-Pakt 2.0“ fahren. Dabei schütteln sich Putin und der
       amerikanische Präsident Donald Trump die Hände und zerquetschen den
       ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj.
       
       Zuvor hatte Tilly einen Wagen präsentiert, der Putin zeigt, wie er ein
       Blutbad in einer Badewanne nimmt, die die Farben der Ukraine hat. Eines
       seiner Werke – eine Figur von Putin in Handschellen – brachte der Bildhauer
       nach Den Haag zum Internationalen Strafgerichtshof.
       
       Laut Gericht muss sich Tilly unter anderem wegen Verunglimpfung der
       russischen Staatsorgane verantworten, dazu gehört neben der russischen
       Armee auch Putin. Nach solchen Anschuldigungen sind in Russland schon viele
       Kriegsgegner der von Putin befohlenen Invasion der Ukraine verurteilt
       worden. Die Entscheidungen stehen international als Unrechtsurteile der
       russischen Willkürjustiz in der Kritik.
       
       ## „Humor ist eine sehr humane Waffe“
       
       Tilly, der nach eigenen Angaben nie eine offizielle Information aus
       Russland zum Verfahren bekommen hat, glaubte zunächst an eine
       Falschinformation. „Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass selbst
       ein autoritärer Staat wie Russland so unsouverän ist, dass er auf Satire
       und Humor auf diese Weise reagiert“, sagte er dem Portal.
       
       Er habe diese Wagen gebaut, „das kann ich nicht mehr rückgängig machen, und
       das will ich auch gar nicht“, sagte Tilly. Wenn so die Folgen der
       Narrenfreiheit aussähen, dann müsse er das hinnehmen. Der Prozess
       bestätige, dass Satire auch und vor allem autokratischen Herrschern wehtue.
       „Aber Humor ist eine sehr humane Waffe. Sie verletzt nicht physisch, und
       sie tötet auch nicht“, sagte der 62 Jahre alte Düsseldorfer Künstler.
       
       Er nannte Angst angesichts des Prozesses einen schlechten Ratgeber. „Aber
       ich muss eine Risikoeinschätzung vornehmen, wenn ich reise. Manche Staaten
       gehen nun nicht mehr, Indien, Serbien, Indonesien: alle Länder, die ein
       Auslieferungsabkommen mit Russland haben“, sagte Tilly. Aber Italien sei
       ohnehin am schönsten.
       
       Tilly ist vor allem [2][für seine bissig-satirischen Mottowagen im
       Düsseldorfer Karneval bekannt]. Seit 1984 baut und entwirft er
       Karnevalswagen, die schon mehrfach weltweit für Aufsehen sorgten. Jedes
       Jahr werden seine Karnevalswagen daher mit besonderer Spannung erwartet. Zu
       den Motiven für den diesjährigen Rosenmontagszug am 16. Februar äußerte
       sich Tilly im Interview nicht: „Das verraten wir nicht. Wir haben strenge
       Geheimhaltung in Düsseldorf.“
       
       3 Feb 2026
       
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