# taz.de -- Sie ist ein Eishockeyprofi im Tor: Rückhalt mit Erfahrung
> Sandra Abstreiter spielt für die DEB-Frauen bei Olympia. Erst vor wenigen
> Tagen kam die 27-jährige Torhüterin aus Kanada eingeflogen.
(IMG) Bild: Sie kann auch feiern: Sandra Abstreiter
Als Deutschland am Freitagabend einen finalen Olympia-Test gegen Japan
spielte, war eine der Top-Spielerinnen nicht auf dem Eis dabei: Torhüterin
Sandra Abstreiter. Die 27-Jährige war erst wenige Stunden zuvor in
Deutschland gelandet – von Kanada nach Peiting und am nächsten Tag direkt
weiter nach Mailand. Dort soll sie den DEB-Frauen bei deren ersten
Olympia-Auftritt seit 2014 den Rücken freihalten.
Für die in Freising geborene Abstreiter sind es die ersten Winterspiele.
Sie spielte beim ESC Planegg in der Bundesliga, bevor sie sich vor rund
zehn Jahren für eine Karriere in Kanada entschied. Nach insgesamt sechs
Jahren am College tat sich eine besondere Chance auf: Die Professional
Women’s Hockey League (PWHL) wurde gegründet, sechs Mannschaften aus den
USA und Kanada fanden sich zur ersten wirklich professionellen Frauenliga
in Nordamerika zusammen. Mit bezahlten Profiverträgen, professionellen und
einheitlichen Rahmenbedingungen, starker Medienpräsenz und einer hohen
sportlichen Qualität. Dort fand Abstreiter ihren Platz – ebenso wie
Stürmerin Laura Kluge und Verteidigerin Katarina Jobst-Smith.
Abstreiter erinnert sich gut an das erste Spiel mit Ottawa 2023: „Schon
beim Warm-up waren so unglaublich viele Leute da, das war ein krasses
Gefühl.“ Die Eishockeyfans in Kanada hatten auf eine solche Liga gewartet.
Mittlerweile spielt Abstreiter in Montreal, es ist ihre insgesamt dritte
PWHL-Saison. Das strahlt auch nach Deutschland: „Ich glaube, gerade für die
U18- und U16-Spielerinnen ist es wichtig zu zeigen: Es ist möglich, als
Frau auf diesem Niveau Eishockey zu spielen.“ Daher versucht Abstreiter so
viele Nachrichten wie möglich in den Sozialen Netzwerken zu beantworten und
die jüngeren Mädchen zu motivieren, ihren Weg im Eishockey zu gehen.
Denn wer den Blick nur auf Deutschland richtet, sieht dort womöglich nicht
die ganz große Perspektive. Fünf Teams spielen in der Bundesliga, darunter
eine Mannschaft aus Budapest. Für andere Vereine reicht es momentan
strukturell und finanziell nicht für die erste Liga. Und auch die
verbliebenen vier deutschen Mannschaften sind weit von echter
Professionalität entfernt. Gehälter gibt es im Grunde keine, eigene Kabinen
waren lange kein Standard, die Strukturen der Männer können oft nicht
genutzt werden, da die Frauenteams nicht an die Profimannschaften
angebunden sind. Das findet auch Abstreiter schade: „Wir haben so viele
gute Eishockeystädte und dort sind auch die Frauenmannschaften, aber man
muss sie mehr integrieren.“
## Alles nicht optimal
Auch in der PWHL ist noch nicht alles perfekt – die Herausforderungen
liegen aber auf einem ganz anderen Niveau. So trainiert Abstreiters
beispielsweise an einem anderen Ort als dem, wo die Heimspiele stattfinden.
Geflogen wird mit Linienflugzeugen statt mit Charterflügen, und der
Spielplan ist noch nicht optimal, manchmal hat Abstreiter zwei Spieltage
direkt hintereinander. „Das sind Kleinigkeiten, aber natürlich ist es das
Ziel, das irgendwann noch professioneller hinzubekommen“, sagt die
DEB-Torhüterin. In den kommenden Jahren sollen sowohl die Kader vergrößert
als auch die Liga mit mehr Teams aufgestockt werden.
Die Professionalität der nordamerikanischen Liga könnte in Zukunft auch
nach Deutschland abstrahlen und dort die Bestrebungen des DEB, den
Fraueneishockey zu stärken, noch weiter vorantreiben. Vor allem, was die
Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit angeht, sieht Abstreiter hier große
Chancen. „Ich glaube, die PWHL bringt der Nationalmannschaft zusätzliche
Aufmerksamkeit, da Fraueneishockey insgesamt bekannter wird.“ Dass die
DEB-Frauen immer mehr Zuschauer locken, zeigte sich auch beim letzten
Olympia-Test der DEB-Frauen in Peiting. Insgesamt 2.308 Zuschauer –
darunter viele junge Mädchen – waren im Stadion. Beim Deutschland Cup im
November waren es sogar mehr als 3.000 gewesen.
Mit ihren Erfahrungen aus der PWHL – der neuen mentalen Stärke, der
besseren Physis – will Abstreiter der deutschen Mannschaft helfen, sich bei
Olympia möglichst gut zu präsentieren. Denn auch das wird helfen, dem
Fraueneishockey in Deutschland einen notwendigen Push zu geben. „Um
Fraueneishockey weiterzubringen, mussten wir uns qualifizieren. Und jetzt
hoffe ich eben, dass wir viele mit unserem Auftritt überzeugen können“,
sagt Abstreiter.
Beim Test gegen Japan war das noch nicht ganz gelungen. Deutschland verlor
knapp mit 2:3 nach Overtime – die Zuschauer verabschiedeten das Team um
Abstreiter dennoch mit lautem Jubel Richtung Mailand. Am Donnerstag, 5.
Februar, startet das Team dort in Gruppe B gegen Schweden (12.10 Uhr, live
bei ZDF) ins Olympische Turnier.
1 Feb 2026
## AUTOREN
(DIR) Nina Probst
## TAGS
(DIR) Serien-Guide
(DIR) Eishockey
(DIR) Eishockey-WM
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Hype um „Heated Rivalry“: Powerplay auf dünnem Eis
Die queere Eishockey-Serie Heated Rivalry ist ein großes Thema auf Social
Media – und trifft besonders Frauen zwischen Lust, Sehnsucht und
Repräsentation.
(DIR) Start der Deutschen Eishockey-Liga: Im Osten etwas Neues
Mit den Dresdner Eislöwen gibt es endlich einen zweiten Ostverein. Bei den
Sachsen ist der Etat klein, die Nachwuchsarbeit allerdings vorbildlich.
(DIR) Deutsches Aus bei Eishockey-WM: Jäher Spannungsabfall
Bei der Eishockey-WM muss das deutsche Team erstmals seit 2018 vor dem
Viertelfinale die Heimreise antreten. Auch gegen Dänemark fehlt es an
Energie.