# taz.de -- Sunetra Pawar übernimmt Amt von Ehemann: Frauenpolitik auf indisch
> Drei Tage nach dem Tod ihres Mannes wird Pawar Vize-Regierungschefin im
> indischen Bundesstaat Maharashtra. Jetzt muss sie sich politisch
> beweisen.
(IMG) Bild: Offiziell nun eine mächtige Frau: Sunetra Ajit Pawar legt am Samstag den Eid als Vize-Ministerpräsidentin von Maharashtra ab
Mit gefalteten Händen im weißen Sari legte Sunetra Ajit Pawar am Wochenende
ihren Amtseid ab und wurde damit offiziell zu einer der einflussreichsten
Politikerinnen Westindiens. „Ich habe diese Entscheidung zum Wohle
Maharashtras getroffen“, erklärte [1][sie] und kündigte an, die Arbeit
ihres verstorbenen Mannes fortzuführen.
Nur drei Tage [2][nach dem tödlichen Flugzeugabsturz Ajit Pawars] wurde die
62-Jährige damit als stellvertretende Ministerpräsidentin des Bundesstaates
Maharashtra vereidigt. Gleichzeitig übernimmt sie den Vorsitz der
Parlamentsfraktion der Nationalist Congress Party (NCP). Die Ernennung fiel
in die letzten Ausläufer kommunaler Wahlen – geräuschlos, strategisch und
vor allem schnell. Ihr Aufstieg soll politische Konflikte nach dem
Machtverlust verhindern.
Pawar bringt Erfahrung mit, weniger aus Wahlämtern denn aus
zivilgesellschaftlicher Arbeit und der Leitung einer einflussreichen
Familie von Politiker:innen. Ihre eigene formale politische Karriere ist
hingegen kurz: [3][Bei den Parlamentswahlen 2024] unterlag sie ihrer
Schwägerin Supriya Sule, einer prominenten Rivalin aus dem anderen Lager
der Pawar-Familie. Kurz darauf wurde sie jedoch ins Oberhaus des Parlaments
berufen. Und nun steht sie als Stellvertreterin des Regierungschefs an der
Spitze eines der wirtschaftlich wichtigsten Bundesstaaten Indiens. Zum
ersten Mal bekleidet eine Frau ein so hohes politisches Amt in Maharashtra.
Ihre Ernennung folgt einem nicht unbekannten Muster. Immer wieder
übernahmen Ehefrauen nach dem Ausscheiden mächtiger Politiker deren Posten:
als Garantinnen von Kontinuität, als Schlichterinnen, als Trägerinnen eines
etablierten Namens. Sonia Gandhi ging etwa nach der Ermordung ihres Mannes
Rajiv Gandhi in die Politik. Rabri Devi wurde 1997 nach dem Rücktritt ihres
Mannes Ministerpräsidentin des Bundesstaats Bihar. Mit Feminismus hat das
wenig zu tun. Es ist politischer Pragmatismus – der Frauen jedoch die Tür
öffnet, sich in Ausnahmesituationen zu beweisen.
## Aufgewachsen in einem politischen Alltag
Sunetra Pawars Vater war Innenminister Maharashtras und mehrfacher
Abgeordneter. Politik gehörte damit früh zu ihrem Alltag. Sie studierte
Wirtschaft und engagierte sich vor ihrem Einstieg in die Tagespolitik in
sozialen, ökologischen und bildungspolitischen Projekten. 2010 gründete sie
das Environmental Forum of India, dessen Anliegen nachhaltige
Landwirtschaft und die Entwicklung von dörflichen Strukturen ist. Zudem war
Pawar in größeren Bildungseinrichtungen und auch als Unternehmerin aktiv.
Der Tod des Mannes, Ajit Pawar, hat die indische Politik erschüttert. Er
war ein Strippenzieher in Maharashtra, mit beträchtlichem Einfluss, aber
auch eine umstrittene Persönlichkeit. Dass seine Frau nun die Nachfolge
antritt, ist kein Zufall. Ihr älterer Sohn hatte sich nach einer
Wahlniederlage zurückgezogen, der jüngere ist Unternehmer. Sunetra Pawar
bleibt diejenige, die Loyalität sichern und zugleich durch ihr Handeln
überzeugen muss.
Sie tritt ihr Amt in einer Regierung an, die noch mehrere Jahre vor sich
hat. Zwar leitet sie künftig nicht das Finanzressort, das ihr Mann zuvor
führte, doch mit den Bereichen Steuern, Sport, Jugendfürsorge und
Minderheitenentwicklung hat sie Spielraum, um Profil zu zeigen.
Schicksalsschläge haben Frauen in der indischen Politik immer wieder an die
Macht gebracht. Nun liegt es an Pawar, was sie daraus macht.
2 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://x.com/SunetraA_Pawar/status/2017630780919574559
(DIR) [2] https://www.theguardian.com/world/2026/jan/29/ajit-pawar-indian-politician-killed-in-plane-crash
(DIR) [3] /Beginn-der-Parlamentswahlen/!6001344
## AUTOREN
(DIR) Natalie Mayroth
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