# taz.de -- Warnstreik angedroht: Erst Eisregen, dann Streik
> Verdi kündigt für Montag Warnstreik an. Tram-, Bus- und U-Bahnen sollen
> ganztägig nicht fahren. BVG spricht von unverhältnismäßiger Eskalation.
(IMG) Bild: Da bleibt dann nur Radfahren oder Laufen. Achtung, es ist glatt!
dpa/taz Die Geduld der Berliner Bevölkerung wird gerade auf eine harte
Probe gestellt. [1][Nicht genug damit, dass Eisregen den Tramverkehr über
Tage lahmlegte], hat die Gewerkschaft Verdi nun für Montag einen
ganztägigen Warnstreik angekündigt. Tram-, Bus- und U-Bahnverkehr sollen
den ganzen Tag bestreikt werden. Nur die S-Bahn fährt weiter. Sie wird von
der Deutschen Bahn betrieben.
Wie ein Panzer hatte sich der Eisregen in der Nacht zu Montag um die
Oberleitungen gelegt und die gesamte Tramflotte in der Hauptstadt zum
Stillstand gebracht. Auf Kranwägen stehende BVG-Arbeiter haben versucht,
das Netz von 200 Kilometern in den letzten Tagen mit Handarbeitsgeräten
Meter für Meter von der Kruste zu befreien. Zwar läuft ein Großteil des
Straßenbahnnetzes jetzt wieder, doch übers Wochenende soll es erneut kalt
werden. Wer zuletzt aufgrund der Glätte in Berlin auf Bus und Bahn
ausgewichen ist, dürfte am Montag auch dort das Nachsehen haben.
Auch in den anderen Bundesländern hat [2][Verdi] zu Warnstreiks bei den
Verkehrsunternehmen aufgerufen. Hintergrund sind die derzeit bundesweit
parallel laufenden Tarifrunden im öffentlichen Nahverkehr.
## BVG behält sich rechtliche Schritte vor
[3][Die BVG] reagierte mit Unverständnis auf den Warnstreik und kritisierte
eine „unverhältnismäßige Eskalation“. „Angesichts der aktuellen
Extremwetterlage und der weiterhin bestehenden Herausforderungen,
insbesondere im Straßenbahnbetrieb, gefährdet die stundenlange
Arbeitsniederlegung den Tramverkehr in Berlin erneut“, teilte das
Unternehmen mit.
„Die BVG appelliert an die Gewerkschaft, den Streikaufruf für Berlin in der
aktuellen Ausnahmesituation zurückzunehmen und Lösungen am
Verhandlungstisch zu finden.“ Gleichzeitig behalte sich das Unternehmen
rechtliche Schritte gegen den Arbeitskampf vor.
Die Gewerkschaft wirft der Arbeitgeberseite in den laufenden Verhandlungen
eine Blockadehaltung vor. „Der BVG-Vorstand verweigert jede ernsthafte
Auseinandersetzung mit der Realität der Beschäftigten“, teilte
Verdi-Verhandlungsführer Serat Canyurt mit. „Dabei sind gute
Arbeitsbedingungen, unter denen die Kolleg*innen ihren Beruf auch
langfristig ausüben können, zentral, um Beschäftigte im Unternehmen zu
halten.“ Auch in anderen Bundesländern soll es zu Arbeitskämpfen kommen.
## Kein Ergebnis nach zwei Verhandlungsrunden
Zwei Gesprächsrunden zwischen den beiden Tarifparteien sind bisher ohne
Ergebnis geblieben. Verdi verhandelt derzeit parallel in allen 16
Bundesländern mit den Verkehrsunternehmen. Während sich die Tarifrunde im
vergangenen Jahr um mehr Geld drehte, geht es dieses Mal in den meisten
Ländern um den sogenannten Manteltarifvertrag, so auch in Berlin. Dieser
regelt vor allem die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten.
Verdi fordert unter anderem mehr Urlaubstage für die Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter, eine Mindestruhezeit zwischen den Schichten von elf Stunden
sowie mehr Urlaubsgeld mit Umwandlungsmöglichkeit in freie Tage. Außerdem
will die Gewerkschaft eine Erhöhung der sogenannten Wendezeit auf sechs
Minuten ohne Ausnahme. Das betrifft die Zeit, die Fahrerinnen und Fahrer an
einer Endhaltestelle haben, bevor sie wieder in die Gegenrichtung
aufbrechen.
Der BVG zufolge hat die Gewerkschaft in der ersten Runde ihren
Forderungskatalog noch einmal ausgeweitet. Darin enthalten sei auch eine
35-Stunden-Woche, die die Gewerkschaft durchsetzen wolle. Verdi selbst
hatte sich bisher nicht dazu geäußert.
30 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Winter-legt-Nahverkehr-lahm/!6149514
(DIR) [2] /Bundesweite-Tarifverhandlungen/!6149743
(DIR) [3] /Parlament-beraet-Milliardeninvestition/!6149849
## TAGS
(DIR) Verdi
(DIR) BVG
(DIR) S-Bahn
(DIR) BVG
(DIR) Streik
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Verdi und BVG schließen Kompromiss: Geisterfahrten bei der Tram
Trotz des Warnstreiks am Montag sollen Straßenbahnen fahren dürfen – ohne
Fahrgäste. Die BVG will so vermeiden, dass Oberleitungen wieder
festfrieren.
(DIR) ÖPNV-Warnstreiks am Montag: Viele Räder stehen still, weil Verdi höhere Zuschläge will
Außer in Niedersachsen drohen bundesweit Ausfälle im Nahverkehr. Mit einem
eintägigen Warnstreik will Verdi bessere Arbeitsbedingungen durchsetzen.
(DIR) Winter legt Nahverkehr lahm: Berlin im Straßenbahnchaos
Eisregen hat die gesamte Tramflotte Berlins zum Erliegen gebracht. Wie kann
das sein? Experten üben Kritik. Andernorts läuft es besser.
(DIR) Kita-Warnstreik in Berlin: Von Entlastung nichts zu spüren
Trotz sinkender Kinderzahlen haben sich die Arbeitsbedingungen in den Kitas
kaum verbessert. Beim TV-L-Warnstreik fordert Verdi politische Maßnahmen.