# taz.de -- Kampagne Fairness Jetzt: Bürgerräte sollen KI bändigen
       
       > ChatGPT und Co haben massive gesellschaftliche Auswirkungen, sind aber
       > kaum reguliert. Eine neue Protestbewegung gegen Big-Tech möchte das
       > ändern.
       
 (IMG) Bild: Könnten bald mehr werden: Aktivist:innen von Fairness Jetzt demonstrieren vor dem Kanzleramt
       
       ChatGPT-Erfinder Sam Altman steht auf dem vereisten Vorplatz des
       Bundeskanzleramts und spricht in ein Megafon: „Ist doch egal, wenn halt mal
       eine Buchhalterin ihren Job verliert“, ruft er. Der Chef von OpenAI, dem
       Unternehmen, das hinter dem Sprachmodell ChatGPT steht, preist die Vorteile
       künstlicher Intelligenz an: „Warum seid ihr so versessen auf Arbeitsplätze,
       Freizeit ist doch toll.“
       
       Der Tech-Milliardär steht nicht wirklich vor dem Kanzleramt, sondern eine
       Aktivistin, die eine Maske mit dem Gesicht Altmans trägt. So „verkleidet“
       redet sie bei der ersten Protestaktion der Initiative FAIrness Jetzt, wobei
       das „AI“ in Fairness extra großgeschrieben und farblich hervorgehoben ist,
       wegen der englischen Abkürzung für „Artificial Intelligence“. Rund ein
       Dutzend Aktivist:innen haben sich versammelt, um einen offenen Brief an
       den Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zu überreichen.
       
       Darin warnen sie vor den gefährlichen Folgen von künstlicher Intelligenz
       (KI): Massenarbeitslosigkeit, Gefährdung der Demokratie durch Deepfakes,
       gestörte Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. KI sei innerhalb
       kürzester Zeit in den Alltag der Menschen vorgedrungen sagt ein
       Mitinitiator der Kampagne, Raphael Thelen. „Die neue Technologie hat viele
       Vorteile, birgt aber auch Gefahren.“
       
       Diese seien bisher aber kaum reguliert. Die Initiative fordert daher die
       Einrichtung eines Bürgerrats. Die gelosten Mitglieder des Gremiums sollen
       die Bundesregierung zu Maßnahmen beraten, die die Techkonzerne in die
       Schranken weisen.
       
       ## Graswurzel gegen Big-Tech
       
       Auch wenn die Aktion am Mittwochvormittag noch wenig spektakulär ist,
       könnte sie Vorbote einer neuen Protestwelle gegen den wachsenden Einfluss
       großer Tech-Konzerne sein. Ende Februar mobilisiert die Initiative für eine
       größere Demo und will dort sogar einen Minibürgerrat veranstalten.
       
       Im April ruft ein Bündnis aus stadt-, klima- und digitalpolitischen Gruppen
       zu einer „Bewegungskonferenz gegen Big-Tech“. [1][Cables of Resistance], so
       der Name, soll der Ausgangspunkt für eine breite, und im Vergleich zur
       Fairness jetzt-Kampagne deutlich radikalere Antitechbewegung werden.
       
       Beteiligt sind Initiativen wie Tesla den Hahn abdrehen, die sich gegen den
       Ausbau der Gigafactory in Grünheide engagieren, oder Berlin vs. Amazon, die
       den sogenannten Amazon Tower an der Warschauer Straße verhindern wollten,
       sowie die Tech Workers Coalition, einer gewerkschaftlichen
       Selbstorganisation von Arbeiter:innen in der Tech-Branche.
       
       Obwohl all diese Initiativen seit Jahren aktiv sind und selten breite
       Massen mobilisieren konnten, haben sich die gesellschaftlichen
       Rahmenbedingungen dramatisch geändert. Tech-Milliardäre wie Elon Musk, Mark
       Zuckerberg oder Sam Altman agieren mittlerweile unverblümt größenwahnsinnig
       bis rechtsradikal. Technologien wie KI haben tiefgreifende Auswirkungen auf
       den Alltag der Menschen, werden aber kaum reguliert.
       
       Das zeigt sich auch bei der Protestaktion. Ein Reuters-Journalist bemerkt
       nach dem Interview, auch bei seinem Arbeitgeber wurden schon Stellen durch
       KI eingespart.
       
       „Bei KI kommt alles zusammen: Umweltzerstörung, Überreichtum, Gefährdung
       der Demokratie“, sagt Fairness-Jetzt-Initiator Thelen. [2][Der ehemalige
       Vollzeitaktivist bei der Letzten Generation] hat mit dem Widerstand gegen
       Big-Tech ein neues Thema gefunden. Thelen glaubt, die Antitechbewegung sei
       gerade da, wo die Klimabewegung 2018 war, als es langsam losging mit
       Massenprotesten. „Das wird groß“, sagt der Aktivist.
       
       28 Jan 2026
       
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