# taz.de -- Sound Studies: Studiengang an Berliner Universität der Künste bedroht
       
       > An der Berliner UdK stehen drei Masterstudiengänge vor dem Ende, darunter
       > Sound Studies & Sonic Arts. Es ist eine tragische Folge des Sparkurses
       > des Senats.
       
 (IMG) Bild: Protestaktion gegen Kürzungen an der UdK Berlin im Februar 2025
       
       Die Entscheidung ist folgenreich: Ab dem kommenden Wintersemester 2026/27
       sollen an der UdK in Berlin keine weiteren Student:innen für die
       Studiengänge Sound Studies & Sonic Arts, Musiktherapie und Leadership in
       digitaler Innovation aufgenommen werden. Der Masterstudiengang Sound
       Studies & Sonic Arts besteht seit 2005 an der Hochschule. Aktuell studieren
       circa 65 Studierende, begleitet von einem Team aus Leitung, Koordination,
       Verwaltung, Professur, Technik und studentischen Hilfskräften. Dutzende,
       darunter international bekannte, Größen der Musikszene halten Lehraufträge.
       
       Die Wurzeln der künstlerischen Auseinandersetzung mit Klang liegen auch im
       Berlin der 1970er Jahre. Damals begannen verwegene Nerds Instrumente und
       das, was sie dafür hielten, auch gegen die Bedienungsanleitung zu benutzen.
       Heraus kamen völlig neue Ansätze: Unerhörtes und Ungehörtes an den
       Schnittstellen von Sounddesign, Klangkunst, Technik und Philosophie. Oft in
       kritischer Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Verhältnissen.
       
       Im Jahr 2005 wurde am heutigen Zentralinstitut für Weiterbildung mit dem
       UdK-Masterstudiengang Sound Studies institutionalisiert, was in den
       Jahrzehnten zuvor in Subkulturen begonnen hatte. [1][Seitdem hat der
       Studiengang in wechselseitiger Beeinflussung Künstler:innen
       ausgebildet,] von denen es viele in die ganz großen Kulturhäuser schafften
       und wichtige Stipendien und Auszeichnungen erhielten. Seit 2017 wird der
       Studiengang ausschließlich englischsprachig angeboten.
       
       Die geplante ersatzlose Streichung löst weit über die Szene hinaus Protest
       aus. Eine Petition gegen die Schließung wurde binnen weniger Tage fast
       4000-mal unterschrieben. Zahlreiche Künstler:innen und reichweitenstarke
       Social-Media-Accounts wie Berlin Club Memes teilten die Aufrufe, auch
       internationale und szeneferne Medien berichteten.
       
       ## Unwiederbringlicher Verlust
       
       Betroffene, die nicht namentlich genannt werden wollen, teilen der taz mit,
       „dass die UdK mit dieser Entscheidung Wissensbestand und künstlerische
       Expertise an einem strahlkräftigen Standort für Klangkunst und
       experimentelle Musik leichtfertig aus der Hand gibt“.
       
       Studiengangsleiter Professor Georg Klein wird noch deutlicher: „Eine
       künstlerische und wissenschaftliche Tradition wird abgebrochen und geht
       unwiederbringlich verloren. Dass es ausgerechnet an einer der größten
       Kunsthochschulen Europas nicht mehr möglich sein soll, Klangkunst in all
       ihrer Vielfalt zu studieren, ist unfassbar.“
       
       Als Grund für die Abschaffung führen Leitung und Senat die Novellierung des
       Berliner Hochschulgesetzes von 2021 an. Die Studiengänge am ZIWT seien
       nicht ausreichend in die Strukturen der Hochschule eingebunden und auch
       inhaltlich ohne übergreifenden fachlichen Zusammenhang, weshalb eine
       Weiterführung nach der Novellierung des BerlHG unmöglich sei, eine
       Einstellung des Betriebs alternativlos. Künftig sollen Studiengänge
       ausschließlich an den Fakultäten angeboten werden.
       
       taz-Quellen aus dem Umfeld des als Weiterbildungsstudiengang geltenden und
       deswegen kostenpflichtigen Studienganges sagen dazu: [2][„Rechtliche
       Argumente dienen zunehmend als Instrumente zur Durchsetzung struktureller
       Vereinfachungen und nicht mehr zur Förderung der akademischen
       Entwicklung.“]
       
       ## Strikter Sparkurs des Berliner Senats
       
       Die Weiterführung des Studienganges scheint aber nicht nur an
       hochschulrechtlichen Gründen zu scheitern, sondern auch am strikten
       Sparkurs, den der aktuelle Berliner Senat 2025 verordnete und der auch die
       UdK hart traf. Fehlende Mittel verhindern, laut Hochschulleitung, die
       wegfallenden Studiengänge an einer der elf Fakultäten anzusiedeln und damit
       rechtssicher und gebührenfrei aufzustellen. Inhaltlich infrage kämen etwa
       die Fakultäten Musik oder Bildende Kunst. Wie intensiv diese Lösung intern
       geprüft wurde, blieb zunächst unklar.
       
       Musik-Dekan Eckart Hübner schließt diese Option an seiner Fakultät aus:
       „Die Fakultät Musik muss zehn Prozent ihrer Stellen einsparen. Dies
       betrifft auch Kernbereiche der Aufgaben der Fakultät und so ist es
       vollkommen ausgeschlossen, neue Bereiche zu integrieren, wenn nicht
       gleichzeitig dafür neue Mittel bereitgestellt werden können.“ Und: „Die
       Sparauflagen des Senats sind so umfangreich, dass es der UdK Berlin
       unmöglich sein wird, alles so weiterzuführen wie bisher.“
       
       Am 11. Februar 2026 soll der Akademische Senat der UdK die Studiengänge
       abwickeln. Wichtige Sitzungen des Institutsrates des ZIWT, der die
       Prüfungsordnungen formal aufheben muss, am gestrigen Mittwoch wurden jedoch
       kurzfristig abgesagt. Die studentischen Vertreter:innen von Sound
       Studies & Sonic Arts teilten daraufhin über den Instagram-Account des
       Studienganges am späten Dienstagabend ihre Sicht der Dinge: „Anstatt unsere
       Bedenken zu berücksichtigen, unterdrücken sie unsere Bewegung und hoffen,
       die Schließungen ohne offene Diskussion durchführen zu können.“
       
       Die Hochschulleitung verspricht hingegen ein gesetzeskonformes Vorgehen und
       eine Diskussion in der vorhandenen Gremienstruktur. Zumindest das letzte
       Wort scheint in der Sache noch nicht gesprochen zu sein.
       
       28 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Julian Zwingel
       
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