# taz.de -- Zum Tod von Badesalz-Comedian Knebel: „Busfahrer, zieh die Jack’ aus!“
       
       > Eine Erinnerung an Badesalz und Gerd Knebel: 90er-Jahre-Provinz,
       > VHS-Rauschen und hessische Satire, die einen Menschen besser verstehen
       > ließ.
       
 (IMG) Bild: Gerd Knebel in „Abbuzze!“ Der Badesalz-Film aus dem Jahr 1996
       
       Es war 1990. Mein Bruder hatte die VHS-Kassette von irgendwem besorgt, auf
       ihr stand „Badesalz“. Das Magnetband wurde so oft vor- und zurückspult, der
       Ton leierte hier und da, es gab Bildrauschen und Schnee auf dem Schirm.
       Aber der Livemitschnitt des Badesalz-Auftritts aus dem Bürgerhaus in
       Sprendlingen funktionierte.
       
       „Die Volkszählung“ war unser Lieblingssketch. Wir haben ihn uns so oft
       angeschaut, dass wir anfingen, genauso zu sprechen: „Busfahrer, zieh die
       Jack’ aus!“, brüllten wir. Genau wie Gerd Knebel, der Glatzkopf von
       Badesalz, es auf der Bühne machte. Er hat sich in seiner Rolle so dermaßen
       weggeschossen, das war großartig und ansteckend. „Busfahrer, zieh die Jack’
       aus!“, brüllten wir uns auf dem Schulhof zur Begrüßung und zum Abschied zu.
       
       Der Glatzkopf konnte den hessischen Spießbürger spielen, den Hooligan, die
       rechte Sau, den linken Grünen-Softie, den Siffpunk, er konnte einfach
       alles: alt, jung, gut, böse, links, rechts, notgeil. Niemand konnte so
       schnell großen Quatsch erzählen wie er. Seine Figur „Hessi James“ werde ich
       niemals vergessen.
       
       In den 90er Jahren in der saarländischen Provinz aufzuwachsen bedeutete:
       Spießer mit Partykellern voller Schlager, Mofas, aufgetunte Autos, Fußball,
       Holland-Techno, Tarnhosen und Jeans-Kutten. Saarbrücken war für uns New
       York, Trier LA. Menschen wurden größtenteils nur mit ihrem Nachnamen
       angesprochen („de Schneider“, „de Kruchten“, „de Thyssen“). Wenn es zu
       schwer auszusprechen war, gab es Spitznamen (Dille, Lölle, Pelle).
       Umliegende Dörfer heißen Fitten, Britten, Mechern oder Ballern. Deswegen:
       Badesalz im Fernsehen zu sehen und zu hören, war befreiend, weil man die
       Menschen um einen herum endlich besser verstehen und ihr Verhalten
       verarbeiten konnte. [1][Und das, obwohl alles auf Hessisch war].
       
       ## Das größte Arschloch
       
       Sadisten konnte Knebel sehr gut spielen, Behördentypen, Verkäufer,
       Arschloch-Vermieter, Türsteher, Fußballtrainer und Spießbürger, die über
       alles herzogen, was nicht die Norm war. Aber er spielte sie so: Keiner weiß
       mehr, wer hier die Guten sind und wer die Bösen. Wenn Knebel das Arschloch
       in der Reinigung spielt, der einem seiner Kunden die frisch gewaschene
       Bettdecke mit Hakenkreuz liebevoll einpackt, dann weiß man am Ende nicht,
       wer hier das größere Arschloch ist, der Nazi oder derjenige, der drüber
       hinwegsieht. Um zu zeigen, wie Nazis und Spießbürger sind, ließen Badesalz
       sie sprechen, sie ließen sie sein, ohne große Erklärung.
       
       Ich würde jetzt gerne auf der Party sein, auf der Gerd Knebel einen seiner
       Charaktere spielt. Er bewegt sich leichtfüßig von Gespräch zu Gespräch,
       lässt immer ein paar lässige Bemerkungen fallen und klopft auf die
       Schultern. „Ja, ja, wenn’s nett regnet, gibt’s kein Tropfen.“ In den 90er
       Jahren gab es als Jugendlicher nicht viel Geld zum Ausgeben, aber es gab
       zum Glück auch nicht viel zum Kaufen. Im Plattenladen gab’s, Badesalz, „Och
       jo“ hatten die, das war eine meiner ersten CDs.
       
       [2][Danke Gerd Knebel]. „Da machste ‚Hü‘, da machste ‚Hott‘, da is der
       annern schon längst fort, machste dies, machste des, kommst net weiter uff
       de Leiter. Biste unne, biste obbe, wenn’s net regnet gibt’s kei Troppe. Und
       wie ich des Leben deut’, geht’s de Mensche wie de Leut’.“ (Aus dem Lied
       „Jesu S“, gesungen von Hessi James)
       
       27 Jan 2026
       
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