# taz.de -- Früherer Schlagzeuger der Band Nena: „‚99 Luftballons‘ kennt in den USA noch heute jeder“
> Der Musiker Rolf Brendel liest in Cloppenburg aus seinem Buch „Nena.
> Geschichte einer Band“. Dort läuft eine Ausstellung mit
> „Bravo“-Starschnitten.
(IMG) Bild: Nena 1984 in der „ZDF Super-Hitparade“, im Hintergrund sitzt Rolf Brendel am Schlagzeug
taz: Herr Brendel, Sie sind nicht nur ein Chronist der Band Nena. Sie haben
in ihr auch Schlagzeug gespielt. Wie war das damals?
Rolf Brendel: Ich habe die Band sogar gegründet. Wir haben eine Sängerin
gesucht. Heute würde man das ein Casting nennen. Wir haben eine Annonce
aufgegeben: „Rockband sucht Sängerin“. Dann haben sich jede Menge junge
Mädchen gemeldet, die von Rockmusik wenig Ahnung hatten. Wir wollten
eigentlich eine Rockröhre mit einer kräftigen Stimme haben. Aber unser
Gitarrist Rainer Kitzmann hatte [1][Nena in einer Disco gesehen] und fand
toll, wie sie tanzte. Und als sie dann in unseren Proberaum kam, war ich
erst schockiert, denn sie hat ja eine eher zarte und laszive Art zu singen.
Bei ihr klang alles so anders. Aber ihr Gesang hatte eine Magie, die
unfassbar war.
taz: Kann man also sagen, dass Sie eher Erinnerungen als ein Sachbuch
geschrieben haben?
Brendel: Ja. Und ich habe damals schon gedacht, es würde morgen schon
wieder aufhören mit der Band und dem Erfolg. Darum habe ich mir Notizen von
den tollen Sachen gemacht, die uns passiert sind. Zum Beispiel unser erster
Auftritt im Fernsehen [2][beim „Musikladen“ in Bremen]. Die kleinen
Zettelchen mit meinen Notizen habe ich aufbewahrt. Ich habe auch mit meinem
Walkman Sprachaufzeichnungen davon gemacht, was so passierte.
taz: Und daraus ist das Buch entstanden?
Brendel: Ich habe das alles in einen Umzugskarton gepackt, und als ich mich
entschlossen hatte, das Buch zu schreiben, konnte ich es dafür nutzen. Ich
bin jetzt heilfroh, dass ich aus diesem Fundus heraus schöpfen konnte. Denn
ich habe gemerkt, dass, je mehr Zeit vergeht, desto mehr die Vergangenheit
im Dunklen liegt. Da vertauscht und vergisst man vieles.
taz: Der große internationale [3][Erfolg von „99 Luftballons“] war ein
unerhörtes Phänomen. Wie kam es dazu?
Brendel: Der Song lag erst wie Blei in den Läden. Aber dann gab es einen
unglaublichen Glücksfall. Damals war das Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“
ein großer Erfolg und die Autorin Christiane Felscherinow fand unser Lied
so toll, dass sie eine Audiokassette von dem Song nach Los Angeles mitnahm
und sie dem Discjockey Rodney Bingenheimer gab. Der hat sie dann im Radio
gespielt, und danach meldeten sich Plattenfirmen, Verlage und unzählige
Fans, die alle wissen wollten, was das denn für ein Song sei. Die haben
zwar den deutschen Text gar nicht verstanden, aber den Zauber dieses Liedes
erkannt. Und dann kamen wir in 35 Ländern der Welt auf die Nummer 1 der
Hitparaden.
taz: Der Song hat ein langes Leben. In vielen Hollywoodfilmen und Serien
wurde „99 Luftballons“ eingesetzt, um die Stimmung der 1980er Jahre
heraufzubeschwören.
Brendel: Das stimmt. Ich habe ja später in den USA Schlagzeugspielen
studiert, und Nena kannte dort auch 20 Jahre später noch jeder.
taz: Was hat dieser Erfolg mit Ihnen, Nena und den Bandmitgliedern gemacht?
Brendel: Durch diesen Erfolg hatten wir die Gelegenheit, in der ganzen Welt
Musik zu machen. Wir machten zum Beispiel damals zwei Tourneen in Japan und
haben einen Haufen Geld verdient. Und das verändert natürlich die Menschen.
Der eine dreht total ab und gerät in einen Strudel von Drogen und Alkohol.
Andere verprassen ihr Geld wie ein Lottogewinner, der sich einen Ferrari
und teure Häuser kauft. Aber ich habe immer gewusst, dass das Leben
Überraschungen bereithält und man immer damit rechnen muss, dass am
nächsten Tag alles anders ist. Aber [4][Nena macht immer noch Musik,] und
mir geht es auch gut. Obwohl ich gerade auf Youtube einen Bericht gefunden
habe, in dem behauptet wird, dass ich im Jahr 2011 gestorben bin.
29 Jan 2026
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## AUTOREN
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