# taz.de -- Nach Kritik von Verbündeten: Britische Soldaten für Trump doch großartig
       
       > Der US-Präsident brüskiert die Nato-Partner mit Äußerungen zu
       > Afghanistan. Nach lautstarken Protesten legt er schnell eine Kehrtwende
       > hin.
       
 (IMG) Bild: 2014 in Helmand: Britische Soldaten holen die Fahne ein, der Abzug beginnt
       
       dpa | US-Präsident Donald Trump hat mit abfälligen Kommentaren über den
       Einsatz der Nato-Partner in Afghanistan die Risse im transatlantischen
       Bündnis vertieft – und sich danach um Schadensbegrenzung bemüht. Zumindest
       das britische Militär lobt er nun in den höchsten Tönen.
       
       „Die GROSSARTIGEN und sehr MUTIGEN Soldaten des Vereinigten Königreichs
       werden immer an der Seite der Vereinigten Staaten von Amerika stehen!“,
       schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. In Afghanistan seien 457 von
       ihnen gefallen und viele schwer verwundet worden, „sie gehörten zu den
       großartigsten Kämpfern“.
       
       Trump hatte zuvor in einem Interview mit dem Sender Fox News behauptet,
       dass die USA die Nato nie gebraucht hätten. Mehrere andere Nato-Staaten
       hätten zwar Truppen nach Afghanistan geschickt, diese seien jedoch „ein
       wenig“ zurück geblieben, „etwas abseits der Frontlinien“.
       
       Nach den islamistischen Terroranschlägen am 11. September 2001 hatten die
       USA Artikel Fünf des Nato-Vertrags aktiviert, um Beistand ihrer Verbündeten
       zu bekommen. Dies führte dazu, dass Deutschland und andere Nato-Staaten wie
       Großbritannien sich am Krieg gegen die Taliban und die Terrororganisation
       Al-Kaida beteiligten. Es war das erste und einzige Mal in der
       Nato-Geschichte, dass ein solcher Bündnisfall ausgerufen wurde.
       
       ## Empörung beim Premier und Prinz Harry
       
       Nicht nur aus Großbritannien war als Reaktion auf Trumps ursprüngliche
       Äußerungen Protest gekommen. Premierminister Keir Starmer kritisierte die
       Äußerungen als „beleidigend“ und „entsetzlich“. Es sei nicht überraschend,
       „dass sie den Angehörigen der Getöteten und Verletzten und tatsächlich im
       ganzen Land so viel Schmerz bereitet haben“, sagte Starmer. Wenn er selbst
       sich derart falsch ausgedrückt hätte, würde er sich entschuldigen.
       
       [1][Prinz Harry, selbst Afghanistan-Veteran,] verlangte Respekt für die
       Opfer der amerikanischen Nato-Verbündeten in Afghanistan. „Ich habe dort
       gedient, ich habe Freunde fürs Leben gemacht. Und ich habe Freunde
       verloren“, sagte [2][Harry, der in den USA lebt]. „Das Vereinigte
       Königreich allein hat 457 Militärangehörige verloren.“ Tausende Leben seien
       für immer verändert worden, Eltern hätten ihre Kinder begraben müssen und
       Kinder ihre Eltern verloren.
       
       Der britische Musiker Rod Stewart (81) hat mit einem eindringlichen Video
       auf die abfälligen Äußerungen von US-Präsident zu Nato-Truppen in
       Afghanistan reagiert. Er habe „großen Respekt vor unseren Streitkräften,
       die gekämpft und uns unsere Freiheit gegeben haben“, sagte der Musiker („I
       am sailing“) in Bezug auf den Zweiten Weltkrieg in dem Instagram-Beitrag.
       Daher schmerze es ihn „zutiefst“, wenn er lese, dass Trump „unsere Truppen
       in Afghanistan dafür kritisiert hat, nicht an der Front gewesen zu sein“.
       
       „Wir haben über 400 unserer Männer verloren“, erklärte Stewart dazu. „Denkt
       an ihre Eltern. Denkt darüber nach.“ Trump bezeichne sie beinahe als
       Feiglinge. Das sei „unerträglich“. „Ich mag vielleicht nur ein bescheidener
       Rockstar sein“, sagte Stewart, der in dem Instagram-Beitrag ein weißes
       Rüschenhemd und Jackett trägt und in einem prunkvollen Raum vor einem Kamin
       steht. Er sei aber auch ein „Ritter des Reiches“ und habe seine
       Überzeugungen. 2016 war Stewart von Königin Elizabeth II. zum Ritter
       geschlagen worden.
       
       ## Pistorius betont: Deutsche in Afghanistan verwundet und gestorben
       
       Auch Vertreter anderer beteiligter Länder reagierten kühl bis empört. Die
       deutschen Soldatinnen und Soldaten hätten „ihren Auftrag unter höchsten
       Gefahren für Leib und Leben und unter extremen Bedingungen erfüllt“, sagte
       [3][Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD)] der „Bild“. „Für diesen
       Mut und den hochprofessionellen Einsatz ist Deutschland unserer Bundeswehr
       sehr dankbar.“
       
       [4][Für den Einsatz von 2001 bis 2021] habe Deutschland einen hohen Preis
       bezahlt. „59 Soldaten und drei Polizisten sind in Gefechten, durch
       Anschläge oder Unfälle ums Leben gekommen. Zahlreiche Verwundete leiden bis
       heute unter den Verletzungen aus dieser Zeit“, sagte Pistorius.
       
       ## Meloni: „Freundschaft erfordert Respekt“
       
       Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni kritisierte Trump. Solche
       herabwürdigenden Aussagen seien „nicht akzeptabel – insbesondere dann, wenn
       sie von einer verbündeten Nation stammen“, hieß es in einer Mitteilung des
       Amtssitzes der Regierungschefin.
       
       Meloni erklärte, die Nato habe nach den islamistischen Terroranschlägen vom
       11. September 2001 in einem „außergewöhnlichen Akt der Solidarität
       gegenüber den USA“ zum einzigen Mal in ihrer Geschichte Artikel Fünf des
       Nato-Vertrags aktiviert. Italien habe unverzüglich reagiert und Tausende
       Soldaten entsandt. Ihr Land habe mit Dutzenden gefallenen Soldaten einen
       hohen Preis gezahlt.
       
       Sie betonte zwar, Italien und die USA seien durch eine solide, auf
       gemeinsamen Werten basierende Freundschaft verbunden. „Doch Freundschaft
       erfordert Respekt – eine grundlegende Voraussetzung, um weiter die
       Solidarität zu gewährleisten, die das Fundament des Atlantischen Bündnisses
       bildet.“
       
       ## Unverständnis in den Niederlanden
       
       Der niederländische Außenminister David van Weel sagte der
       Nachrichtenagentur ANP, mit seinen nicht der Wahrheit entsprechenden
       Äußerungen über den Einsatz von Soldaten anderer Nato-Länder in Afghanistan
       habe sich der US-Präsident „respektlos“ verhalten. Er wies auf die 25
       niederländischen Soldaten hin, die in Afghanistan ums Leben gekommen waren.
       Auch aus dem Umfeld des französischen Staatschefs Emmanuel Macron hieß es,
       die Aussagen seien inakzeptabel.
       
       ## „America First“ gilt für Trump auch in der Nato
       
       Trumps Äußerungen folgten auf ereignisreiche Tage im Konflikt um das vom
       US-Präsidenten beanspruchte Grönland. Die Äußerungen aus den USA, die zum
       Königreich Dänemark gehörende Insel zum Zweck der eigenen Sicherheit
       übernehmen zu müssen, hatte die Nato vor eine harte Zerreißprobe gestellt.
       Nach einem Gespräch mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte deeskalierte Trump
       die Lage zunächst – im Gespräch ist nun eine Einigung, deren Form aber noch
       völlig offen scheint. Beigelegt ist der Konflikt nicht.
       
       Die Bemühungen des US-Präsidenten, den Einsatz anderer Staaten zur
       Unterstützung der Vereinigten Staaten herunterzuspielen, passen zu seinem
       generellen Kurs mit Blick auf die Nato. Den Willen, das Engagement im
       Verteidigungsbündnis im Vergleich zum Schutz des eigenen „Heimatlandes“
       kleinzuhalten, verdeutlichte die US-Regierung auch mit der Veröffentlichung
       der neusten nationalen Verteidigungsstrategie. In dieser ist festgehalten,
       dass die Verbündeten in Europa bei Bedrohungen die Führung übernehmen
       sollten, die für sie schwerwiegender seien als für die USA – „mit
       entscheidender, aber begrenzter Unterstützung der Vereinigten Staaten“,
       heißt es in dem Leitfaden.
       
       Es sei weder die Pflicht noch liege es im nationalen Interesse Amerikas,
       weltweit im Alleingang zu agieren oder für „sicherheitspolitische
       Versäumnisse von Verbündeten“ einzustehen, die auf „unverantwortliche
       Entscheidungen“ ihrer Regierungen zurückgingen, schreibt
       Verteidigungsminister Pete Hegseth im Vorwort der Strategie. Trump hatte
       immer wieder beklagt, dass die Verbündeten im Vergleich zu den USA nicht
       genug für die Nato bezahlten.
       
       ## Widerspruch auch aus Dänemark und Polen
       
       Die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen sagte der
       Nachrichtenagentur Ritzau zufolge, es sei „nicht hinnehmbar“, dass der
       US-Präsident die Bemühungen verbündeter Soldaten infrage stelle.
       Frederiksen betonte demnach, dass Dänemark gemessen an der Bevölkerungszahl
       die größten Verluste erlitten habe: Laut Ritzau kamen 44 dänische Soldaten
       ums Leben, 37 davon infolge direkter Kampfeinsätze.
       
       Polens Präsident Karol Nawrocki schrieb auf der Plattform X, es bestehe
       kein Zweifel daran, dass polnische Soldaten Helden seien. 44 Polen seien in
       Afghanistan gefallen, 43 Soldaten und ein Zivilist.
       
       25 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Prinz-Harry-ueber-Tod-von-Taliban/!5904740
 (DIR) [2] /Prince-Harry-in-Afghanistan/!5905402
 (DIR) [3] /-USA-unter-Donald-Trump-/!6148370
 (DIR) [4] /Deutsche-Afghanistan-Aufarbeitung/!6062163
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
 (DIR) Bundeswehreinsatz
 (DIR) Afghanistankrieg
 (DIR) Taliban
 (DIR) Großbritannien
 (DIR) Donald Trump
 (DIR) Podcast „Bundestalk“
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Deutschland und die USA: Der lange Abschied von Amerika
       
       Die USA waren nach 1945 das Über-Ich der Bundesrepublik. Deshalb wirkt die
       politische Klasse hierzulande angesichts von Trump auch so überfordert.
       
 (DIR) Trumps Machtspiele: Wie geht man mit einem Mafia-Boss um?
       
       Trump rückt von seinen Grönland-Drohungen ab. Doch die Nato steht nach
       diesem Egotrip nur noch in Anführungszeichen.
       
 (DIR) +++ USA unter Donald Trump +++: Pistorius verteidigt Bundeswehr
       
       Der US-Präsident macht den Afghanistaneinsatz der Nato-Partner mies. Doch
       der Verteidigungsminister und Dänemarks Regierungschefin widersprechen. Die
       US-Verteidigungsstrategie klammert Europa fast aus.