# taz.de -- „Friedensrat“, ICE, Mercosur: Da dräut ein Äther voller Zombies
       
       > Sacht suizidaler Blödsinn im EU-Parlament, Trump zwischen
       > Hooligan-Stammtisch und Privatarmee, und unvaterländisches Fremdgedudel
       > im Patriotenradio.
       
 (IMG) Bild: Über Minneapolis steigt Reizgas auf. Wann reicht's? „Nach einem weiteren Toten: Wenn Bürgerkrieg herrscht.“
       
       taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht letzte Woche? 
       
       Friedrich Küppersbusch: Verunreinigte Staaten von Amerika.
       
       taz: Und was wird besser in dieser? 
       
       Küppersbusch: Kanada in die EU.
       
       taz: Der französische Präsident Emmanuel Macron trug in Davos
       Pilotenbrille. Ex-Kanzler Olaf Scholz bevorzugte die Augenklappe. Wer
       gewinnt den Style-Test? 
       
       Küppersbusch: Der britische „Guardian“ ist da einer ganz kalten Sache auf
       der Spur: Macron habe die „Pacific S 01 Double Gold“ 2024 als Präsent für
       659 € zum G20-Gipfel in Brasilien ordern lassen. Charmanter als Scholz ein
       launiges „Na, Boche, wieder große Klappe?“ zuzurufen, wäre jedoch gut ein
       Jahr zu spät gekommen für das Kanzlermalheur. Das Präsidentenbüro habe auf
       Selbstzahlung bestanden, nachdem der italienische Hersteller versichert
       hatte, die tiefvergoldete Brille werde komplett in Frankreich gefertigt.
       Rechtschaffen premiumegal, aber alles, was von Trump ablenkt, ist
       willkommen.
       
       taz: Donald [1][Trump gründet einen Friedensrat], 19 Länder unterschreiben,
       Frankreich und Deutschland lehnen ab und verweisen auf die UN. Kann Trump
       mit diesem Projekt nur scheitern? 
       
       Küppersbusch: Die UN haben sich, geräuschlos aber gründlich, selbst
       kastriert: Mit der Sicherheitsrats-Resolution 2803 aus 11/25 „begrüßt“ die
       UN das „Board of Peace“ als „vorübergehende Verwaltung und legale
       Rechtsperson“. Im Rahmen von Trumps ebenfalls anerkanntem „20-Punkte-Plan“.
       Kanzler Merz hat flugs ein Ersatzargument aus dem Kofferraum
       draufgeschraubt und sieht nun „verfassungsrechtliche Hindernisse“.
       Weltbank, UNO und EU schätzen die Kosten des Wiederaufbaus von Gaza auf
       mindestens 70 Milliarden US-Dollar, während Trumps Hooligan-Stammtisch
       Milliarden ohne Zweckbindung einsammelt. Fehlt nur noch, dass Board-Member
       Netanjahu den Deutschen Geiz, Treulosigkeit und Terrorsympathien vorwirft,
       dann scheitert – Merz. Jetzt neu im Folterregal: Peaceboarding.
       
       taz: Die Grünen stimmten auf EU-Ebene gemeinsam mit Rechtsaußen-Parteien
       für eine Prüfung des Mercosur-Abkommens. Rest in Peace Brandmauer? 
       
       Küppersbusch: Mal langsam! Keines der [2][grünen Argumente gegen
       „Mercosur“] ist ausgehebelt: Klimaschutz, Regenwald-Rodung, die Rechte
       Indigener, Produktstandards. In der Sache hat sich nix verbessert, und dass
       Konservative vor aggro Agrar einknicken und Rechtsextreme stumpf alles
       sabotieren, ist keine Überraschung. Die destruktive Mehrheit war absehbar.
       Neu – ist die Idee „Trump ärgern, indem man auf grüne Inhalte scheißt“. Und
       zu diesem sacht suizidalen Blödsinn hatte die Partei keine Strategie. Nun
       wollen sie schnell ratifizieren und die rechtliche Prüfung später
       betrachten. Das wäre völlig ok – wenn es ihnen vorher eingefallen wäre.
       
       taz: Die Videoplattform TikTok kann durch ein neu gegründetes Joint Venture
       nun doch in den USA aktiv bleiben. Glück gehabt? 
       
       Küppersbusch: Die Social-Media-Plattformen X, Insta, Facebook, Youtube
       können durch neu gegründete Joint Ventures nun doch in der EU aktiv
       bleiben. – Haha. Spaß! „Die Manipulation der öffentlichen Meinung und das
       Ausspähen von Nutzern“ und, needless to say, ein Schweinegeld – waren
       [3][die US-Gründe, dem chinesischen Konzern mit Verbot zu drohen.] Der
       kuschte schließlich, sicher mit Blick auf den US-Markt und politische
       Rücksichten. Der EU-Markt ist deutlich größer, die Probleme mit fremden
       Plattformen die gleichen, und Politik könnte man hier auch mal versuchen.
       
       taz: ICE-Beamte nehmen im Bundesstaat Minnesota Kinder in Gewahrsam. Das
       Bild eines abgeführten Fünfjährigen sorgt für Empörung im Netz. Wann ist
       genug?
       
       Küppersbusch: Nach einem weiteren Toten in Minnesota: Wenn Bürgerkrieg
       herrscht. Mit ICE als gesetzloser Privatarmee erfüllt die
       Trump-Administration ein weiteres Kriterium klassischer
       Faschismus-Definitionen, zu der auch die herbeigelogene Übermacht des Bösen
       zählt, gegen die dann jedes Mittel recht ist.
       
       taz: Seit einer Woche ist ein von der FPÖ betriebenes „Patriotenradio“ im
       Internet auf Sendung. Ihre Song-Empfehlungen?
       
       Küppersbusch: „Die Hits der Dreißiger, Vierziger und das Neueste vom
       Kickl.“ 60 bis 80 % der Hörenden schalten Radiosender nach der Musikfarbe
       ein. Moderation, Senderpersönlichkeit, Haltung, Info machen beim
       Formatradio oft nur den geringen Rest. „Austria First“ feilscht mit der
       „AKM“, Österreichs „Gema“, noch um eine Lizenz und sendet derzeit halblegal
       – bevorzugt ausgesprochen unvaterländisches Fremdgedudel. Heikler wird´s
       mit der Künstlervertretung „LSG“, wo einzelne Stars wie Christina Stürmer
       und „Alphaville“ nach Mißbrauch ihrer Songs durch die FPÖ bereits abgelehnt
       haben. Das wird aber den allgemeinen Trend zu digitalen Parteimedien nicht
       aufhalten. Klassische Parteizeitungen endeten in Westdeutschland spätestens
       1945; da dräut also ein Äther voller Zombies.
       
       taz: Und was macht der RWE? 
       
       Küppersbusch: Stürmer Marek Janssen forderte im TV einen Startelf-Platz,
       musste für diese Illoyalität Strafe zahlen, bekam dann einen Startelf-Platz
       und schoss drei Tore gegen Havelse. Womöglich ist Trainer Koschinat weise.
       
       Fragen: aze 
       
       Friedrich Küppersbusch ist Journalist, Produzent und hört parteiloses
       RadioEins.
       
       25 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Weltwirtschaftsforum-in-Davos/!6147810
 (DIR) [2] /Gruene-Handelspolitikerin-ueber-Vertrag/!6147761
 (DIR) [3] /TikToks-politische-Macht/!6134172
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Friedrich Küppersbusch
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Friedrich Küppersbusch
 (DIR) Kolumne Die Woche
 (DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
 (DIR) Kolumne Die Woche
 (DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
 (DIR) Mercosur
 (DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Ungarn, Gaza, Epstein: Falsche Zahlen, halbe Wahrheiten und ein Leuchtturm im Meer
       
       Was muss geschehen, damit Maja T. einen fairen Prozess bekommt? Welcher
       Arztkittel entscheidet über Frauenrechte? Und wo sind Epsteins Männer?
       
 (DIR) Wieder ein Toter in Minneapolis: US-Regierung verbreite „Unsinn und Lügen“, sagt Tim Walz
       
       Beamte der Einwanderungsbehörde ICE haben am Samstag den 37-jährigen Alex
       Jeffrey Pretti erschossen. Minnesotas Gouverneur verurteilt ihr Vorgehen.
       
 (DIR) Mercosur-Abstimmung im EU-Parlament: „Das Gegenteil von rechter Politik“
       
       Gemeinsame Sache mit der AfD? Die Linke verwahrt sich gegen die Kritik, die
       Brandmauer gebrochen zu haben. Nur Heidi Reichinnek klingt nachdenklich.
       
 (DIR) Weltwirtschaftsforum in Davos: Trumps „Friedensrat“ scheitert bereits in Gaza
       
       In Davos enthüllen der US-Präsident und sein Schwiegersohn ihren
       Wiederaufbauplan für Gaza. Doch das Leben dort ist nach wie vor ein
       Albtraum.