# taz.de -- Explodierende Pflegekosten: Es muss uns alle kümmern
> Die Pflegekosten in Deutschland steigen und steigen. Nur: Viele Menschen
> interessieren sich gar nicht dafür. Das beeinflusst die politische
> Agenda.
(IMG) Bild: Pflegeheime können sich nur sehr Wohlhabende leisten. Beim Rest der Bevölkerung müssen meist die Frauen ran
Menschen tendieren dazu, Unangenehmes vor sich herzuschieben oder es
einfach zu ignorieren. Dafür können wir nur bedingt etwas: Unser Gehirn ist
stark darauf ausgerichtet, unangenehme Gefühle zu vermeiden. Pflege ist so
ein unangenehmes Gefühl. Wir empfinden es als existenziell bedrohlich, weil
wir dadurch mit unserem eigenen Verfall konfrontiert sind.
Unabhängig davon ist es ein Thema, das für die meisten Menschen weit weg
ist. Unser Gehirn ist nämlich nicht gut darin, sich zukünftige Situationen
und Bedürfnisse realistisch auszumalen – und je weiter weg sie in der
Zukunft liegen, desto schwieriger fällt es uns. Nur: Pflege ist eins der
größten [1][sozialpolitischen Probleme] unserer Zeit. Eins, das wir nicht
einfach ignorieren dürfen. Das macht aktuell eine Auswertung des Verbands
der Ersatzkassen deutlich, die [2][Pflege in einem Heim ist erneut teurer
geworden]. Für das erste Jahr in einer Einrichtung werden für
Pflegebedürftige im bundesweiten Schnitt 3.245 Euro pro Monat fällig. 261
Euro mehr als im Vorjahr.
Von diesen Kosten übernimmt die Pflegeversicherung nur einen Teil. Der
Eigenanteil liegt bundesweit bei 1.982 Euro. Das übersteigt sowohl eine in
Deutschland durchschnittlich ausgezahlte Rente als auch die fiktive Rente
von rund 1.800 Euro, die bei einem Durchschnittsgehalt nach 45
Beitragsjahren ausgezahlt wird. Das wirft die Frage auf, wer das bezahlen
kann. Können es sich in der Zukunft nur noch sehr Vermögende erlauben, in
einem Pflegeheim unterzukommen?
Die sozialen Auswirkungen der hohen Pflegekosten sind bereits heute immens,
sie sind unter anderem auch ein Faktor für fortlaufende
Geschlechterungerechtigkeit. Durch die hohen Kosten wird Pflege ins Private
gedrängt, es sind in der Regel Frauen, die sich kümmern. Die [3][Kosten
gehen ans Ersparte der Mittelschicht] und tragen so zu einer weiteren
Vermögensungleichverteilung bei. Damit können Politiker:innen
natürlich nicht punkten, sodass Pflege keine Priorität auf der politischen
Agenda hat. Aber Pflege muss ein großes Thema werden – politisch und
privat. Denn es muss etwas passieren.
23 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Eva Fischer
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