# taz.de -- Ukraine weiterhin unter Kälteterror: Der Westen darf nicht wegsehen
       
       > Europa 2026: Russland versucht, Millionen von Menschen in der Ukraine
       > auszufrieren. Warum dieser Horror im Westen auf vergleichsweise wenig
       > Interesse stößt, erklärt unsere Autorin.
       
 (IMG) Bild: Stromausfall nach Drohnenangriff auf Kyiv im Januar 2026: Ukrainer*innen suchen Wärme
       
       [1][taz lab] | Es ist eine unglaublich perfide Kriegswaffe gegen die
       Zivilbevölkerung: [2][Millionen von Menschen ausfrieren], mit dem Ziel, sie
       der Verzweiflung so nahe bringen zu wollen, dass sie sich ergeben und
       erobern lassen. Das ist es, was Moskau aktuell in der Ukraine tut.
       
       Die russische Armee beschießt schon seit Langem gezielt die ukrainische
       Energieinfrastruktur, das ist nicht neu. Doch die russischen Streitkräfte
       haben ihre Attacken in den vergangenen Wochen massiv ausgeweitet –
       offensichtlich nicht zufällig, sondern weil die Außentemperaturen
       zweistellige Minusgrade erreichten.
       
       Menschen in Kyjiw, aber auch in zahlreichen anderen ukrainischen
       Großstädten müssen [3][wegen der russischen Angriffe aktuell ohne Strom und
       Heizung leben], oft sogar ohne Wasser und Gas. Kehren Teile dieser
       Grundversorgung zurück, dann oftmals nur für kurze Zeit. Eltern schicken
       ihre Kinder in Dörfer, wo noch mit Holz geheizt wird.
       
       In ukrainischen Städten gibt es viele gigantische Hochhäuser aus
       sowjetischen Zeiten, manche mit 16 Stockwerken oder mehr. Stellen Sie sich
       vor, Sie sind eine kranke oder betagte Person oder jemand mit
       Einschränkungen, eine Schwangere – und können nicht einmal den Aufzug
       nehmen, um an einen der Nothilfepunkte zu gelangen, um sich kurz
       aufzuwärmen.
       
       ## Warum der Westen wegschaut
       
       Einige werden diesen bisher härtesten Kriegswinter nicht überleben, und das
       ist nicht etwa ein tragischer Nebeneffekt, sondern zynisches Kalkül:
       Millionen von Menschen ausfrieren, in Europa, im Jahr 2026. Und dennoch
       stößt dieser Horror hierzulande und generell im Westen auf vergleichsweise
       wenig Interesse. Aus zweierlei Gründen.
       
       Erstens brennt es zur Zeit an vielen Orten der Welt. Das [4][iranische
       Regime erstickt die Proteste in brutalster Gewalt], das Ende der kurdischen
       progressiven Selbstverwaltung in Rojava durch islamistische Kräfte scheint
       besiegelt, im [5][Sudan] und auch in [6][Gaza] hungern und sterben
       weiterhin Zivilisten, und [7][Trump] dreht komplett durch.
       
       Zweitens tobt der Krieg seit fast vier Jahren. Man hat sich an die
       schrecklichen Bilder und Nachrichten gewöhnt, so bitter das klingt. Und
       dass sie allmählich immer schrecklicher werden, fällt da gar nicht mehr
       auf. Doch das Ende des Krieges ist nicht in Sicht, und wann er dann doch
       enden wird, das hängt zu einem Großteil davon ab, wie sich die EU-Länder
       verhalten.
       
       ## Was also tun?
       
       Putin und sein Terrorregime sowie sein Satellit, das Lukaschenko-Regime in
       Belarus, müssen zu Fall gebracht werden – das ist in unser allem Interesse.
       Denn die Russische Föderation terrorisiert nicht nur die Ukrainer*innen
       und knechtet die Menschen in Russland und Belarus, sondern droht auch den
       EU-Staaten unverhohlen mit Atomwaffen und Eroberungsfantasien.
       
       Was also tun? Selbst wenn es schmerzt und man müde ist von den vielen
       negativen Schlagzeilen, heißt es, weiter hinzusehen. Man darf den Blick von
       der Ukraine nicht abwenden, das Grauen dort nicht zu einem
       Hintergrundrauschen verkommen lassen, das wir nicht mehr wahrnehmen.
       
       Es ist ebenfalls wichtig, das Geschehen in Russland und Belarus zu
       verfolgen, den Dialog mit den demokratischen und regimekritischen Kräften
       im Exil zu pflegen. Es gilt, eine gerechtere und friedlichere Welt
       anzustreben.
       
       ## Wut als Antwort auf den Kälteterror
       
       Und auch wenn die Schlagzeilen aus Osteuropa belasten: Idealerweise leiten
       wir daraus Handlungsanweisungen ab, werden tätig, damit dem Schrecken
       Einhalt geboten wird. Wir tun noch nicht genug. Und wir dürfen nicht in
       Defätismus verfallen.
       
       Denn eins ist sicher: Der Kreml hat sich verkalkuliert. Er kennt die
       ukrainische Gesellschaft nicht. Sie ist viel zu stark, viel zu wütend auf
       all die Gräueltaten, die Russland in den vergangenen vier Jahren im
       gesamten Land begangen hat, als dass sie sich selbst von diesem
       unmenschlichen Kälteterror von ihrem Widerstand abbringen ließe. Und die
       jetzige Kältestrategie macht sie nur noch wütender. ■
       
       🐾 Mehr dazu berichtet Yelizaveta Landenberger auch als Gast beim großen
       taz-Kongress, dem taz lab, am 25. April 2026. Live im Stream und rund um
       den taz Neubau.
       
       28 Jan 2026
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Yelizaveta Landenberger
       
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