# taz.de -- Wellness mit Ayurveda in Berlin: Erfolgreich trotz Bürokratie
       
       > Der Aufstieg von Wijerathna Storz-Vidanage begann mit sri-lankischer
       > Küche. Mit dem Wellness Centrum Surya Villa hat er sich einen Traum
       > erfüllt.
       
 (IMG) Bild: Wijerathna Storz-Vidanage und Gurpreet Kaur im Ayurveda Wellness Zentrum Surya Villa
       
       In der Husemannstraße in Berlin-Prenzlauer Berg liegt Sri Lanka zwischen
       Irland und Italien: Links bietet die Osteria Fiorello Scampi, rechts das
       Cliffs of Dooneen Guinness an. In der Mitte lockt neuerdings das
       [1][Wellnesszentrum Surya Villa] zu einem Ausflug in die Welt des Ayurveda.
       
       So weltumspannend war die Gegend nicht immer, erinnert sich der Betreiber
       Wijerathna Storz-Vidanage. Als sich der Gastronom 1996 nach einem
       geeigneten Standort für sein Restaurantprojekt mit traditioneller
       Sri-Lanka-Küche umsah, war die Gegend noch nicht im neuen Berlin
       angekommen. Eine dunkle Eckkneipe an der Knaack Straße/Ecke Prenzlauer
       Allee schien ihm gut gelegen.
       
       Kurzentschlossen enterte Wije, wie ihn alle nennen, den Laden, an dem ein
       paar traurige Gestalten vor ihren Biergläsern saßen. In seiner freundlichen
       Art konfrontierte er den Wirt mit einer kleinen Schummelei: Er habe gehört,
       die Kneipe sei zu verkaufen?
       
       Der Mann hinter dem Tresen stutzte, dachte kurz nach und erkannte
       vielleicht die einmalige Chance, der Vereinigungs-Tristesse zu entkommen.
       Jedenfalls gab er dem Fremden die Adresse der Hausverwaltung. Und auch die
       erkannte in dem agilen Mann aus Sri Lanka, der hier, wo es bis dato
       bestenfalls ein paar chinesische Restaurants gab, eine
       Biospezialitätenküche etablieren wollte, eine unerwartete Gelegenheit.
       
       ## Drei Monate pachtfrei
       
       Die Hausverwaltung schloss mit Wije einen Vertrag, der für alle Seiten ein
       Wechsel auf die Zukunft war: Der Kneipier wurde ausgezahlt. Wije versprach
       den Rückbau selbst zu erledigen. Während der umfangreichen Bauarbeiten
       würde Wiji keine Pacht zahlen müssen. Und auch nach der Eröffnung des
       [2][Suriya Kanthi] bliebe das Gewerbe drei Monate pachtfrei. „Das war
       wichtig“, betont Wije, denn aller Anfang ist bekanntlich schwer. Aber das
       hat ihn noch nie abgeschreckt.
       
       Mit 19 Jahren kam Wije 1975 mit einem Touristenvisum nach West-Berlin. Ohne
       Sprachkenntnisse und ohne Arbeit war die Chance auf ein „richtiges“ Visum
       gleich null. Günther, ein deutscher Freund der Familie, bot sich an, den
       jungen Mann, der so gerne bleiben wollte, zu adoptieren. So wurde aus
       Wijerathna Vidanage Wije Storz. Und aus dem Abenteuertouristen aus Asien
       ein Westberliner mit Bleiberecht und Ausbildungsplatz.
       
       Als Zahntechniker brachte er es in den 1980er Jahren zu bescheidenem
       Wohlstand. Aber eines Tages eröffnete ihm seine Chefin, dass deren Mann
       alles – wirklich alles – verspielt hatte. Wije erkannte, dass die 36.000
       Mark Lohn, die sie ihm noch schuldete, nicht das Papier wert waren, auf dem
       sein Titel geschrieben war. Und erfand sich kurzerhand neu.
       
       In der Gneisenaustraße, zwischen dem links-alternativen Mehringhof und
       einer Sportsbar, eröffnete der Küchenautodiakt 1992 das erste Restaurant
       Deutschlands mit traditionellen Speisen aus Sri Lanka. Dem Chandra Kumari
       (zu Deutsch Mondprinzessin) folgte vier Jahre später das Suriya Kanthi
       (Sonnenstrahl) in der Knaakstraße und Anfang der Nullerjahre auf vier
       Etagen das Wellnesscenter Surya Villa in der Rykestraße.
       
       Gemeinsam mit seiner deutschen Lebensgefährtin fächerte er in einer Remise
       das gesamte Spektrum der fernöstlichen Gesundheitslehre auf: Massagen und
       Dampfbäder, Yoga und Ernährungsberatung – und vor allem Meditationen gegen
       den Metropolenstress. Um diesen Traum erfüllen zu können, machte Wije noch
       einmal eine Ausbildung zum ayurvedischen Masseur.
       
       „Ohne Arbeit wäre ich unglücklich“, gibt er zu. In einem Alter, in dem
       andere längst den Ruhestand genießen, hat er seine Geschäfte noch einmal
       neu geordnet. Das Chandra Kumari ist inzwischen geschlossen. Es fehlten
       ständig die Köche. Die Bestimmungen des deutschen
       Fachkräfteeinwanderungsgesetzes besagen, dass ein Spezialitätenkoch eine
       zweijährige, staatlich anerkannte Ausbildung oder sechs Jahre Berufspraxis
       nachweisen muss, damit er ein Visum für drei Jahre erhält. Aber die
       Nachweispapiere vor Ort zu bekommen, ist oft nicht so einfach.
       
       Wije fährt regelmäßig selbst nach Sri Lanka und veranstaltet mit den Köchen
       in einer Hotelküche ein Probekochen. Das Testessen wird anonymisiert – ein
       bisschen wie bei der Fernsehshow „The Taste“. „Ich brauche einen guten
       Koch, keine Papiere!“, findet er. Einmal war er so verärgert über die
       deutsche Bürokratie, dass er im Suriya Kanthi statt Samosas und Biryani
       Buletten und Kartoffelsalat anbot.
       
       ## Ausbildung nicht anerkannt
       
       Und Wije wäre nicht Wije, wenn er nicht vorher die Presse von seinem „À la
       carte“-Protest informiert hätte. Dass der ehemalige Bundestagspräsident
       Wolfgang Thierse gleich um die Ecke wohnte, schadete sicher auch nicht. Das
       strukturelle Dilemma bleibt aber bis heute: „Wenn sie wenigstens erlauben
       würden, dass die Köche vier Jahre bleiben dürfen“, seufzt der Gastronom und
       fragt, wie lange das wohl noch gut geht mit der Bürokratie und dem
       deutschen Wohlstand.
       
       Auch seine Mitgeschäftsführerin im Wellness Centrum Surya Villa, Gurpreet
       Kaur, kann ein Lied davon singen. In ihrer indischen Heimat ist sie als
       eine Fachärztin anerkannt, die Ayurveda sowohl nach sri-lankischer als auch
       nach indischer Art anbieten kann. Hier büffelt sie nun für den
       Heilpraktikerschein, weil ihre Ausbildung und klinische Erfahrung in
       Deutschland formal nichts gilt.
       
       Den StammkundInnen aus der Rykestraße, wo Gurpreet Kaur bereits ihre
       Kenntnisse angeboten hat, war etwas anderes wichtig: Durch ihre
       kenntnisreiche Auswahl der Öle und die auf die jeweilige Konstitution der
       Kund*innen abgestimmten Techniken haben ihre Massagen eine überaus
       gesundheitsfördernde Wirkung.
       
       Der Spirit des Ayurveda, die Ruhe der Villa, das ganzheitliche Konzept des
       Wellnesszentrums, ist nun in die Husemannstraße umgezogen. Ein Kraftakt für
       Wije und seine neue Mitgeschäftsführerin. Gemeinsam hoffen sie darauf, dass
       sich hier auch neue Kundenkreise erschließen lassen, an diesem magischen
       Ort, wo nicht nur Irland und Italien gleich nebenan liegen, sondern auch
       das Suriya Kanthi fußläufig um die Ecke.
       
       Wer nach der Ayurveda-Anwendung noch etwas essen möchte, findet dort
       Gerichte aus Sri Lanka, die mit den vielen Kräutern und Gewürzen den
       ayurvedischen Kriterien entsprechen und also nicht nur lecker, sondern auch
       gesundheitsfördernd sind. Oder wie Wije sagen würde: „Medizin ist hier
       Genuss.“ Und umgekehrt.
       
       18 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] http://www.ayurveda-wellnesszentrum.de/
 (DIR) [2] http://www.suriya-kanthi.de/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Martina Ribbert
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Berlin-Neukölln
 (DIR) Tourismus
       
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