# taz.de -- Rassismus in Frankreich: Mit Taser und Schlägen gegen Cannabiskonsum?
> In Paris stirbt ein Mauretanier nach einer Festnahme im Kommissariat. Die
> Todesumstände sind ungeklärt, Zeugen sprechen von Polizeigewalt.
(IMG) Bild: Tod nach Festnahme in Paris. Das Opfer stammt aus Mauretanien und wurde festgenommen, weil er einen Joint drehte
Was genau geschah in der Nacht vom letzten Mittwoch auf den Donnerstag vor
einem Wohnheim für ausländische Arbeiter in [1][Paris]? Was bekannt ist,
ist dies: Der 35-jährige Mauretanier Hacen Diarra wurde von einer
Polizeistreife wegen des Verdachts auf Cannabiskonsum festgenommen, wenig
später starb er im Kommissariat des 20. Stadtbezirks an Herzversagen. Die
genaue Todesursache soll nun laut Polizeibehörden von der Gerichtsmedizin
untersucht werden.
Die Polizei rechtfertigt ihr Vorgehen. Diarra sei dabei gewesen, sich einen
Joint zu rollen. Er sei deswegen auf Besitz von Cannabis „kontrolliert“
worden. Ob die Polizisten dabei tatsächlich fündig wurden, ist nicht
bekannt. Außerdem habe der Mauretanier keine gültigen Aufenthaltspapiere
gehabt, sondern „gefälschte Dokumente“.
Weil er sich einer Durchsuchung widersetzte, habe ein Beamter eine
Taser-Elektroschockwaffe gegen sein Bein eingesetzt. Der wegen
„Widerstands“ Festgenommene sei sodann zum nächsten Kommissariat gebracht
worden. Dort konstatierte ein Polizeioffizier, dass er aus einer Augenbraue
blutete. Kurz vor Mitternacht sei er dort auf einer Sitzbank
zusammengesunken. Den gerufenen Rettungsmannschaften gelang es nicht, ihn
zu reanimieren.
## „Grundlose brutale Intervention“
Von einer vermutlich grundlosen brutalen Intervention spricht, unter
Berufung auf Zeugen und Videos, die Antirassismusaktivistin Assa Traore.
[2][Noch bevor der Taser eingesetzt wurde, sei Diarra am Boden liegend
geschlagen worden.] Sie führt einen Kampf gegen Gewalt in Frankreich, seit
nach dem suspekten Tod ihres Bruders nach einer Festnahme die
Strafuntersuchung gegen die beteiligten Polizisten eingestellt worden ist.
Sie sieht Parallelen zum Fall Diarra.
Ladji Sako ist Mitglied der Bezirksbehörde. Er kannte den verstorbenen
Mauretanier, der ihm zufolge „sichtlich geistig behindert“ war und
niemanden störte. Häufig sei er vor dem Heim gewesen, um einen Kaffee zu
trinken und zu rauchen. „Nie habe ich ihn Cannabis konsumieren sehen. Er
hatte ja nicht mal Geld, um Tabak zu kaufen, er sammelte Kippen auf der
Straße ein.“
Laut Zeugen sei Diarra bei seiner Festnahme geschlagen worden. Er habe
geblutet, zitiert die Zeitung L’Humanité einen Zeugen. Sie fügt hinzu, dass
allein im Jahr 2024 acht Menschen unter ungeklärten Umständen in
Polizeigewahrsam gestorben sein.
## Erinnerungen an George Floyd
Bei einer Kundgebung, an der sich mehrere Hundert Personen beteiligten,
fordern Familienangehörige, Bekannte und Nachbarn eine gerichtliche
Untersuchung. Der Bezirksbürgermeister Eric Pliez hat sich in einem Brief
direkt an die Staatsanwaltschaft gewandt: „Mehrere Zeugenberichte und
Videos, die auf den Netzwerken zirkulieren, lassen vermuten, dass Monsieur
Diarra bei seiner Festnahme Opfer von Polizeigewalt wurde.“
Eine Untersuchung mit einer allfälligen Ermittlung zu den Umständen seiner
Festnahme ist bisher vorgesehen. Dies, obschon die involvierten
Polizeibeamten eine wesentlich andere Version liefern als Zeugen und
Bekannte des verstorbenen Mauretaniers. Was diese berichten, erweckt den
Verdacht von Willkür oder tödlicher Polizeigewalt mit rassistischem
Hintergrund wie im [3][Fall von George Floyd in Minneapolis.]
19 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Rudolf Balmer
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