# taz.de -- Leistungsideologie im Golf: Ab zum medizinischen Boxenstopp
       
       > Matsch und Wind verhindern das Golfen? Dann eben die Leistungsreserven
       > analysieren und Baustellen angehen. Auch GolferInnen sind jetzt
       > Maschinen.
       
 (IMG) Bild: Kein Wetter zum Einlochen, also ab in den Boxenstopp: Golfplatz in Sachsen-Anhalt
       
       Nun also auch wir Golferinnen und Golfer. Wir erklären uns zu Maschinen.
       Respektive bekommen wir gesagt, welche zu sein. Das Golfmagazin, eine
       Fachpublikation aus Oberhaching, geht voran: Jetzt, [1][wo die Plätze
       Winterschlaf halten], wenn Matsch und Wind das Spiel verhindern, bräuchten
       wir den „Boxenstopp für Körper & Kopf“. Denn: Diese Jahreszeit biete doch
       „ideale Voraussetzungen, um körperliche Baustellen anzugehen,
       Leistungsreserven zu analysieren und langfristig in die eigene
       Spielfähigkeit zu investieren“.
       
       Es gebe dafür Kliniken mit „High-End-Diagnostik“ und „konkreten
       Handlungsoptionen für Training, Alltag und Langlebigkeit“. Ab mit uns also
       zum medizinischen Boxenstopp. Reifen- und Ölwechsel machen lassen,
       Lackschäden ausbessern. Her mit der TÜV-Platte für die neue Saison. Nicht
       dass wir vorzeitig auf einem Schrottplatz landen und auf die Himmelswelten
       hoffen, wo es aber womöglich gar keine Golfplätze gibt.
       
       Die Begriffe passen zu Fußballspielern, [2][die lange schon zu Automobilen
       geworden sind], wie wir ReporterInnen immer wieder erzählen. Die Kicker
       müssten „mehr Gas geben“ und „im Rückspiegel auf Gegner aufpassen“, dann
       „endlich die Handbremse lösen“, danach „einen Gang höher schalten“.
       Autosprech, als hätten die Aktiven ein Verbrenneraggregat inside. „Jetzt
       muss er auf die Überholspur kommen.“ Wer schwächelt, möge „Energie
       nachtanken“. Und dann bitte „den Turbo einschalten“. Alles tausendfach
       schon gehört. Und wir haben uns auch schon selbst zum Selbstbeweger
       erklärt: „Wo stehst du?“, fragt jemand den Autofahrer zur Begrüßung.
       Antwort: „Ich steh' da drüben.“
       
       Jetzt also Golf. Einfach spielen, für Spaß und Plaisier? Nein, das
       Golfmagazin empfiehlt den „kompakten Gesundheits-Check über medizinische
       Retreats bis hin zu neuen Erkenntnissen aus Muskel-, Rücken- und
       Gehirnforschung“. Ganzkörper-Inspektion also. Zu stärken sei etwa das
       vegetative Nervensystem, „unser körpereigenes Gaspedal“. Das innere
       Automobil möge man dabei strategisch angehen wie einen Wirtschaftsbetrieb:
       „Wer jetzt klug investiert, startet auch nachhaltiger in die neue Saison.“
       
       ## Mehr Greenwashing geht kaum
       
       „Nachhaltig“, hier sogar gesteigert zu nachhaltiger, ist besonders wichtig:
       Nachhaltig als Zauberwort unserer Zeit, mit dem man alles verkaufen kann.
       [3][Greenwashiger] geht kaum. Früher sollten Reinigungsmittel ein Produkt
       nicht nur sauber, sondern rein waschen. Heute wäscht „nachhaltig“ alles
       nachhaltig wie nichts.
       
       Das Golfblatt preist einzelne Privatspitäler als Boxenstopps an, als wären
       es Anzeigen. Das Buff Medical Resort in Konstanz, stellt ein
       Redaktionstester fest, biete „Auszeit in neuer Dimension“, etwa „die
       Spiroergometrie mit VO₂max-Messung – ein Goldstandard der
       Leistungsdiagnostik, den ich bislang nur aus dem Profisport kannte“. Ob der
       Drive dann präziser kommt? Wichtiger: Das Muskeldysbalancen-Profil könne
       „frühzeitig Hinweise auf degenerative Erkrankungen wie Demenz geben“.
       
       Ja, GolferInnen erkranken seltener und später an Demenz, das ist bekannt.
       Hurra! Ob das aber wirklich an Golf selbst liegt oder an anderen Faktoren
       wie Sozialdasein oder Ernährung, weiß man nicht. Beworben wird auch die
       Tagesklinik Years Medical Center in Berlin, gelegen am Ku’damm, die als
       Start-up (auch ein wichtiges Modewort) „Check-up mit Tiefgang“ bietet. Der
       Tester stellte zudem fest, „dass sämtliche Untersuchungen konsequent auf
       aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Studien basieren“, alles
       „durchweg state of the art“.
       
       Kann man bei den Kosten des Boxenstopps auch erwarten. „Das umfangreiche
       Ultimate-Paket“ schlage mit „rund 16.000 Euro“ zu Buche. Kassenleistung?
       Leider nicht mal für Privatversicherte; nur auf Antrag könnten Teile
       bezuschusst werden, heißt es. Klingt sehr verlockend. Ich werde dennoch
       verzichten, weil mir die private Krankenversicherung fehlt, die auch einen
       homöopathischen Anteil ablehnen könnte. Und Ku’damm ist auch doof.
       Vielleicht geht der nächste Put auch so gleich rein.
       
       19 Jan 2026
       
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